Bürger schippen, Stadt tut nichts?

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1000 Stunden Winterdienst haben 25 Männer vom Bauhof bisher geleistet, 300 davon allein am vorigen Schnee-Wochenende. Viele Bürger verstehen indes nicht, dass sie den Gehweg räumen müssen.

Rödermark ‐ 500 Meter: So hoch wäre der Turm, würde man den Schnee, den die Stadt seit Samstag von 265 000 Quadratmetern Hauptstraßen und öffentlichen Flächen räumen ließ, auf der Fläche eines Einfamilienhauses aufstapeln. Ungleich größer ist die Schneemenge, die auf Nebenstraßen, Verbindungswege und Bürgersteige gefallen ist. Von Michael Löw

Kein Wunder also, dass das Thema Winterdienst die Gemüter erhitzt. Viele Bürger beklagen, dass sie brav vor ihren Häusern Schnee schippen oder kehren, während sich auf der Fahrbahn die Autos durch die längst nicht mehr weiße Pracht wühlen. Und wo die städtischen Räumfahrzeuge für freie Bahn gesorgt haben, schimpfen Grundstücksbesitzer über zugeschüttete Hofeinfahrten. Darauf allerdings muss der Winterdienst keine Rücksicht nehmen. Das Oberlandesgericht Nürnberg fällte schon 1993 ein Urteil, dass Schneepflüge ihre Arbeit am Stück erledigen dürfen.

Die Männer des Bauhofs mussten in den vergangenen Tag viel einstecken, zu nachvollziehbarer Kritik kam teils böse Pöbelei. Das berichteten gestern Wolfgang Mieth, Chef der Kommunalen Betriebe Rödermark (KBR), Thomas Trageser aus der Hochbauabteilung und Ordnungspolizist Klaus-Dieter Preuß. „Vorwürfe, dass wir Steuern einstreichen und nichts dafür tun, waren noch das Harmloseste“, beschrieb Preuß die hoch kochenden Emotionen.

Rödermark hat 330 Straßen

Er ist seit Dienstag Ansprechpartner - und damit Prellbock - in Sachen Winterdienst. Mehr als 50 Mal hat sein Telefon (06074 911-810) geklingelt. Gegenstand aller Beschwerden waren nicht geräumte Straßen. Beispiel gefällig? Anwohner der Mozartstraße schimpfen, weil der Schnee dort liegen bleibt, während durch die Kreuzgasse der Schneepflug gefahren ist. Ihnen muss Preuß erklären, dass die Mozartstraße topfeben ist und die Kreuzgasse mehr als fünf Prozent seitliches Gefälle hat. „Es ist sehr schwierig den Leuten klar zu machen, dass ihre Straße nicht die wichtigste ist“, stöhnte Preuß.

Rödermark hat 330 Straßen, aber nur 65 Haupt- und Erschließungsstraßen werden auf ganzer Länge vom Schnee befreit. Geräumt werden auch 20 Kreuzungen und Gefällestrecken, zehn Verbindungswege zwischen den Stadtteilen, die Bahnhöfe und 39 Bushaltestellen.

Da bleibt zwangsläufig viel liegen. Mieth berichtete gestern von einem Hilferuf der Diana-Schützen. Die Müllabfuhr konnte das abseits gelegene Vereinsheim nicht erreichen. Ähnliche Probleme befürchtet der KBR-Chef bei BSC und Viktoria Urberach.

Spagat zwischen Verkehrssicherheit und Ökologie

Unterstützt von Bürgermeister Roland Kern und dem Ersten Stadtrat Alexander Sturm warb Mieth um Verständnis für den städtischen Winterdienst. Die 25 Mitarbeiter des Betriebshofes schoben schon 1000 Stunden Winterdienst. Der Bereitschaftsleiter schaue morgens um vier erstmals nach dem Wetter und alarmiere die Kollegen über eine Telefonkette. Mieth: „Unsere Leute fahren dann über verschneite Straße zu ihrem Arbeitsplatz.“

Gut 100 Tonnen Salzgemisch haben die KBR-Männer bislang in diesem Winter gestreut. Mieth weiß um den bekannten Spagat zwischen Verkehrssicherheit und Ökologie, nennt aber zwei Argumente fürs Salz: „Würden wir maschinell Splitt streuen, freuen sich Rödermarks Autolackierer!“ Und Sand und Splitt, die im Kanal landen, seien für die Kläranlage ein weit größeres Problem.

Kern und Sturm appellierten an die Gelassenheit der Rödermärker. Schließlich habe der Winter auch viele schöne Seiten. Daher müsse man doch nicht „jedes Schneeflöckchen zum persönlichen Feind erklären“.

Quelle: op-online.de

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