Stadtentwicklung in Rödermark: viele Konzepte, wenig sichtbare Ergebnisse

Rödermark: Bürger wollen Bagger sehen

Schöne Ecken: Im sogenannten Ersten Ring hat Ober-Roden außer der St. Nazarius-Kirche auch einige sorgsam renovierte Fachwerkhäuser und andere hübsche Fassaden zu bieten. Das alles soll sichtbarer werden.
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Schöne Ecken: Im sogenannten Ersten Ring hat Ober-Roden außer der St. Nazarius-Kirche auch einige sorgsam renovierte Fachwerkhäuser und andere hübsche Fassaden zu bieten. Das alles soll sichtbarer werden.

Seit mehr als drei Jahren ist Rödermark in den Landesprogrammen „Stadtumbau“ und „Zukunft Stadtgrün“, die über zehn Jahre Investitionen von 14 Millionen Euro ermöglichen. Die Bürger sehnen sich langsam danach, dass in den Fördergebieten etwas passiert. Aber wenn das langwierige Verfahren nicht eingehalten wird, gibt’s keine Zuschüsse.

Rödermark – Aus zwei mach eins – und das Warten geht trotzdem weiter. Das Land hat seine 2017 aufgelegten Förderprogramme „Stadtumbau in Hessen“ (für Ober-Roden) und „Zukunft Stadtgrün“ (für Urberach) Ende vorigen Jahres unter dem Titel „Wachstum und nachhaltige Erneuerung“ zusammengefasst. Doch nach drei Jahren bekommt Bürgermeister Jörg Rotter immer wieder Klagen ungeduldiger Bürger zu hören und räumt ein: „Wir sind noch nicht in der baulichen Umsetzungsphase. Aber wir wollen die Sache endlich in den Geburtskanal bringen.“

Die Euphorie war anfangs groß. „Das ist wie ein Sechser im Lotto!“, jubelte im November 2017 Bürgermeister Roland Kern, als er zusammen mit Jörg Rotter (damals Erster Stadtrat) sowie Ernst Schäck, Arno Mieth und Gerd Schreiner von der Ortskerninitiative IGOR den Aufnahmebescheid von Landesministerin Priska Hinz entgegennahm.

Die finanziellen Dimensionen kommen tatsächlich einem Lotto-Volltreffer ziemlich nahe. Die Förderprogramme summieren sich auf rund 14 Millionen Euro, verteilt bis ins Jahr 2030, für Investitionen in eine zukunftsträchtige Stadtentwicklung. Nur gut ein Drittel muss Rödermark selbst bezahlen, der große Rest kommt von oben – auch wie beim Lotto.

Rödermark: Spielplatz mit S-Bahn-Anschluss? Nein, soweit wird’s in der Gartenstraße nicht kommen. Aber das ziemlich triste Gelände am Ortsrand von Ober-Roden soll im Zuge der Förderprogramme ökologisch aufgewertet werden.

Bislang haben etliche Arbeitskreise aus Bürgerschaft, Verwaltung und Politik viele Sitzungen abgehalten und „LoPas“, lokale Partnerschaften, gegründet. Der Magistrat stellte Planerin Tanja Kloft ein, entwarf eine Homepage und beauftragte ein Architektenbüro mit der Erarbeitung eines „Integrierten städtebaulichen Entwicklungskonzeptes“ (ISEK). Das ist knapp 350 Seiten dick und drei Pfund schwer. Und bislang eines der wenigen sichtbaren Ergebnisse des Prozesses.

Druckwerk Nummer zwei fällt wesentlich kleiner aus und wurde im Dezember an alle Haushalte verteilt. In dieser Broschüre erläutern Bürgermeister Rotter, Planerin Kloft und die städtische Klimaschutzmanagerin Daniela Scheidle fast zwei Dutzend Maßnahmen, die – grob gesagt – Alt-Ober-Roden lebens- und wohnenswerter und viele Urberacher Grünflächen nachhaltiger machen sollen.

Das Ober-Röder Fördergebiet ist rund 35 Hektar groß. Aufgewertet werden sollen der „Fränkische Rundling“ (Pfarrgasse, Heitkämper und Dockendorffstraße) der St. Nazarius-Kirchhügel sowie „Jägerhaus“, „KiR-Haus“ und altes Feuerwehrhaus. Aber auch Kleinigkeiten wie die Neugestaltung des Spielplatzes in der Gartenstraße stehen im „ISEK“.

Der Urberacher Teil umfasst die Freiflächen an den „Rennwiesen“, den Park am Entenweiher und den Bahnhofsplatz. Auch hier sollen mehrere Spielplätze aufgehübscht werden.

Rödermark: Wie ist’s um die gern zitierte Aufenthaltsqualität rund um den Bahnhof Urberach bestellt? Die Planer sehen sowohl am Bodajker Platz als auch im Entenweiher-Park noch einiges Potenzial.

Nicht genau lokalisieren lassen sich Investitionsanreize für Hausbesitzer, ein Mobilitätskonzept für Ober-Roden und eine Fußgängerunterführung unter den Gleisen der S1. Deshalb stehen diese Maßnahmen in der Broschüre ganz hinten. Angegangen werden sie trotzdem. Das Anreizprogramm für Hausbesitzer, die in den Klimaschutz oder in die Verbesserung des Stadtbildes investieren, soll noch dieses Jahr starten.

Aber bevor auch nur ein Handwerker zur Schaufel greift oder gar die Bagger rollen, muss die Stadt das langwierige Verfahren ihres Geldgebers einhalten. Denn sonst gibt’s eben kein Geld. Zu diesem Prozedere gehört auch eine umfassende Bürgerbeteiligung. Den gedruckten Flyer nennt Bürgermeister Rotter den „ersten Baustein einer Kommunikationsstrategie. Er soll Ersatz sein für eine Bürgerversammlung, die die Stadt corona-bedingt auch in absehbarer Zeit nicht einberufen kann.

Doch ob ein solches Mammutprojekt den Rödermärkern ausschließlich digital nahegebracht werden kann, hatte Anfang Dezember die IGOR bezweifelt. „Online-Bürgerversammlungen können aber nur eine Notlösung sein. Es wäre für ein derart bedeutsames Thema angemessen, wenn auf jeden Fall der lebendige Dialog mit den Bürgern gesucht würde“, schrieb die Initiative in einer Pressemitteilung und schlug einen Chatroom zum ständigen Meinungsaustausch vor. Wichtiger seien aber vorzeigbare Ergebnisse noch in diesem Jahr. Auch die Lotto-Mitgewinner vom November 2017 hängen also in der Warteschleife. (Michael Löw)

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