Bürger wollen an der Kultur sparen

Rödermark - Bei der Kulturhalle, der städtischen Frauenbeauftragten, dem Standesamt, der Wirtschaftsförderung, kulturellen Veranstaltungen sowie Stadtmarketing und Stadtplanung sehen die Bürger das größte Einsparpotenzial. Von Bernhard Pelka

Das trifft auch auf die Integrationsförderung, Kultur- und Heimatpflege und den Friedhof zu. Dies geht aus der Fragebogen- und Onlineaktion der Stadt zum Haushalt 2012 hervor.

Die Bürger waren gefragt worden, wo die Stadt keinen Zuschuss mehr geben soll, wo weniger, wo der Zuschuss gleich bleiben soll und wofür Rödermark noch mehr Geld locker machen sollte. Dies trifft ausnahmslos auf die Jugendsozialarbeit zu. Dafür soll mehr Zuschuss fließen als bisher.

Dann folgen Schulkindbetreuung, Kindergärten, Jugendarbeit im Allgemeinen, Feuerwehr und Gefahrenabwehr. Auch dies ist den Bürgern besonders wichtig. Hier wollen sie nur geringe Abstriche hinnehmen.

14.000 Fragebögen zugestellt

14.000 Fragebögen waren zugestellt worden. 1302 Teilnehmer antworteten, also fünf Prozent der Bevölkerung. Überdies gab es 602 Interneteinträge und 500 Kommentare (teils über zwei Seiten). Hinzu kamen zig Telefonate. Die fünf Prozent sind ein sehr guter Wert. Ähnliche Aktionen in anderen Städten waren weit weniger erfolgreich: Bonn (3,9 Prozent), Stuttgart (1,5 Prozent), Köln (1,3 Prozent). Studenten der Berufsakademie hatten den Bogen zusammen mit der Kämmerei ausgearbeitet. Die Kosten betrugen 7600 Euro und etwa 390 Arbeitsstunden. Zum Beispiel beantworteten städtische Mitarbeiter viele Nachfragen am Telefon oder per E-Mail. Gestern stellte Stadtkämmerer und Erster Stadtrat Alexander Sturm die Ergebnisse der Presse und im Ausschuss vor.

Ausgenommen waren auf dem Fragebogen der chronisch kranke Zuschusspatient Badehaus und die städtischen Eigenbetriebe. Sturm sagte, dies habe Teilnehmer der Aktion irritiert. Es sei ein Fehler gewesen, darüber nicht richtig informiert zu haben. Von späteren Befragungen solle das Badehaus nicht ausgenommen bleiben.

Relativ positiv bei der Zuschussfrage schneiden ab: Feuerwehr, Krabbelgruppen, Stadtwald, Gefahrenabwehr, ÖPNV, Jugendarbeit, Mittagsverpflegung, Straßen, Wege, Plätze, Grün- und Parkanlagen, Spielplätze, Umwelt- und Naturschutz, Kindergarten, Schulkindbetreuung. Verzicht üben sollten unter anderem: Wirtschaftsförderung, die RömKids, Stadtbücherei, freie Träger, Vereinsförderung, Seniorenarbeit, Betreuungseinrichtungen freier Träger. Unter den Teilnehmern war die Gruppe der 40- bis 65-Jährigen am stärksten vertreten (719), gefolgt von der Gruppe ab 66 Jahre (380).

Hunderte Kommentare mit Vorschlägen

In Hunderten Kommentaren machten die Bürger Vorschläge. Am häufigsten tauchte der Wunsch auf, die Stadt solle die Personalkosten senken. Viele forderten auch pauschale Kürzungen durch alle Ressorts bis zu 20 Prozent, die Neuansiedlung von Gewerbe, den verstärkten Einsatz Ehrenamtlicher und kostendeckende Gebühren (was dann allerdings zu Lasten des eigenen Portemonnaies ginge).

Auch wenn das Badehaus im Fragebogen nicht auftauchte, kam 45 Mal die Forderung, diese Einrichtung zu privatisieren und weniger städtisches Geld hineinzustecken. 33 Befragte appellierten, „überflüssige Baumaßnahmen“ wie Kreisel nahe dem Ober-Röder Friedhof, Ortskernsanierung in Ober-Roden und Neugestaltung der Ortsdurchfahrt Waldacker künftig zu unterlassen. 21 wollten die Kulturhalle privatisiert sehen und 22 forderten mehr Verkehrskontrollen. Stadtrat Sturm sagte, die Ergebnisse der Umfrage müssten nun zu konkreten Beschlüssen in der Stadtverordnetenversammlung führen und sich in der Konsolidierung des maroden Haushalts niederschlagen. Die Bürger müssten sehen, dass ihre Ideen tatsächlich etwas bewirken. „Sonst ist das Thema Bürgerbeteiligung auf Jahre hinaus verbrannt.“

Die Resultate der Bürgerbefragung sollten zudem eine Leitbilddebatte entfachen, um ein Profil und Schwerpunkte für Rödermark auszuarbeiten. Der Stadtrat kann sich vorstellen, eine solche Fragebogenaktion bis zum Sommer 2012 mit begleitenden Info-Veranstaltungen zu wiederholen. Dies hätte den Charme, dass die Ergebnisse dann in die Haushaltsberatungen für 2013 einfließen könnten. Dazu: „Angemerkt“

Quelle: op-online.de

Rubriklistenbild: © Pixelio.de/Carsten Nadale

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare