Bürger denken, Politiker entscheiden

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12.000 Euro ließ sich die Stadt Druck und Verteilung der Broschüre zum Haushalt kosten. Mit Verspätung landeten die 80-Seiten-Werke in den Briefkästen der Rödermärker.

Rödermark (lö) - Leitbild, Finanzen, Zukunftswerkstätten: Kaum eine Stadt fragt die Bürger derzeit so intensiv nach ihrer Meinung wie Rödermark.

Die Ergebnisse sollen Magistrat und Parlament Entscheidungshilfen bei der Planung des Haushalts 2013 und der Stadtentwicklung - nicht nur der baulichen - liefern. Verbindlich sind sie aber für die Politiker nicht.

Mehr als 8000 Einladungen hat Bürgermeister Roland Kern für die Zukunftswerkstatt Urberach verschickt. Als Vorbild dienen das Wohngebiet Breidert und Waldacker. Am 21. und 22. September sollen alle Einwohner über 25 gemeinsam überlegen, wo ihr Stadtteil seine Stärken und seine Schwächen hat. Erstere sollen ausgebaut, Letztere ausgemerzt werden. Ein erstes Vorbereitungstreffen hat Kern für Mittwoch, 29. August, 18 Uhr im Feuerwehrhaus anberaumt. Die vielen Rückmeldungen indes lassen ihn zweifeln, ob der Saal auch groß genug ist.

Ganze 20 Besucher - 15 „echte“ und 5 mit Parteihintergrund - saßen am Mittwochabend im Kulturhallen-Foyer, als Kämmerer Alexander Sturm und die Finanzverwaltung die Broschüre „Bürgerverständlicher Haushalt“ vorstellten. Sie sollte die breit angelegte Beteiligung zum Haushalt 2013 sein, geriet aber zur Schmalspurnummer, weil das 80 Seiten starke Heft nicht rechtzeitig in den Briefkästen lag. Grund: Die Post verteilt in Rödermark samstags und montags keine Sendungen mit reduziertem Porto.

„Lebendige Diskussion“ trotz geringer Beteiligung

Trotz geringer Beteiligung habe es „eine sehr lebendige Diskussion“ gegeben, sagte Sturm. Die Leute hätten von neuen Gewerbeansiedlungen bis zum Kostendeckungsgrad beim Mittagessen in den Kindergärten die unterschiedlichsten Themen angesprochen.

Die Panne bei der Verteilung hat der eigentlichen Umfrage offenbar aber nicht geschadet. Die ersten 100 Rückmeldungen, eine Hälfte auf Papier, eine Hälfte online, sind schon im Urberacher Rathaus eingegangen. Die Aktion läuft bis 7. September. Dann hat Sturm gut vier Wochen Zeit, umsetzbare Sparvorschläge in den Haushalt 2013 einzuarbeiten. Den will Sturm am 9. Oktober einbringen. Auch die Fraktionen können sich Bürger-Ideen zu eigen machen.

Welche Ideen Realität werden, liegt an den gewählten Stadtverordneten von CDU, AL, SPD, FDP und Freien Wählern. Sie beraten den Haushalt Anfang Dezember. Bürgerbeteiligung Nummer drei ist die Suche nach einem Leitbild für Rödermark. In vier Arbeitskreisen von Kultur bis Wirtschaft machen sich engagierte Zeitgenossen ihre Gedanken über eine Stadt, die einerseits lebens- und liebenswert sein will, andererseits aber auch sehen muss, wie sie ihre Finanzen in Griff bekommt. Aber auch hier gilt: Bürger zerbrechen sich den Kopf, Politiker treffen die Entscheidungen.

Quelle: op-online.de

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