Bürgerinitiative macht Vorschläge

Anwohner laufen Sturm gegen Umgehungsstraße

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Entlastung nötig – die Frage ist nur: wie? Die Bürgerinitiative Naturnahes Urberach (BINNU) ist jetzt mit einer ganzen Reihe detaillierter Vorschläge an die Öffentlichkeit gegangen.

Urberach – Anwohner aus dem Urberacher Südwesten laufen Sturm gegen eine Umgehungsstraße gleich hinter ihren Gärten. Sie fordern den Ausbau von Kreis- und Landesstraßen um den Ort herum. Von Michael Löw

Zugleich legen sie sehr detaillierte Pläne vor, wie man dem Fernverkehr den Weg über Konrad-Adenauer- und Traminer Straße vergällen kann. 
BINNU? Nie gehört? Doch – die Bürgerinitiative Naturnahes Urberach gründete sich Ende der Neunzigerjahre. Damals wollten Bund und Land den Urberachern eine ortsnahe Umgehungsstraße aufs Auge drücken. Das Ergebnis ist bekannt: Der turbulentesten Bürgerversammlung in der Geschichte Rödermarks folgte ein einstimmiger Parlamentsbeschluss gegen diese Schnellstraße. Stattdessen soll Urberach durch die K-L-Trasse, also ein Dreieck über die K 180 und die L 3317, entlastet werden.

Die Diskussion dümpelte lange vor sich hin. Bis vor einem Jahr die Freien Wähler im Bundesverkehrswegeplan 2030 das Projekt „B 486-G10-HE“ fanden. Die vor mehr als 20 Jahren verworfene Trasse zwischen Ortstrand und Bienengarten genießt in diesem Papier vordringlichen Bedarf. Dem Bund ist so so wichtig, dass er fast 26 Millionen Euro für die Finanzierung zugesagt hat.

Die Diskussion war neu entfacht. Und die BINNU meldet sich wieder zu Wort. „Wir sind Bürger, die eine Entlastung für die Ortsdurchfahrt unbedingt bejahen, aber eine Umleitung des Lkw- und Pkw-Verkehrs vor unsere Wohnungen und Häuser im Süden und Westen von Urberach ebenso nachhaltig ablehnen“, sagte Initiator Rainer Hoffmann gestern im Gespräch mit unserer Zeitung. Detailliert wie keiner der anderen Protagonisten hat die BINNU Vorschläge ausgearbeitet, die den Durchgangsverkehr auf die K-L-Trasse zwingen sollen.

Die Bremsen von West nach Ost im Überblick:

  • Umbau der „Taubhaus-Kreuzung“ (B 486/Rodaustraße) in einen Kreisel mit Minimaldurchmesser
  • Halbierung der Fahrbahnbreite auf dem westlichen Teil der Konrad-Adenauer-Straße („an eine großstädtische Ausfallstraße erinnernd“) durch diagonal angeordnete Parkplätze und versetzte Fahrstreifen
  • Umbau der Einmündung Am Taubhaus in einen Kreisel ebenfalls mit Minimaldurchmesser
  • Verengung des Straßenquerschnitts im zentralen Bereich durch abgegrenzte Radweg- oder Grünstreifen und/oder Parkplätze
  • Umbau der Einmündung der Dekan-Becker-Straße auf die Traminer Straße zum Kreisel Nummer drei
  • Tempo 30 zumindest abschnittsweise. Das Argument, auf einer Bundesstraße dürfe die Stadt keine Geschwindigkeitsbegrenzung anordnen, lässt Hoffmann nicht gelten: Auf der Offenthaler Hauptstraße sei dies jahrzehntelang möglich gewesen.

Der BINNU-Sprecher ist sich sicher: „Das führt erneut zu Auseinandersetzungen mit Hessen Mobil und anderen Planungsträgern.“ Doch denen kann der Magistrat ohnehin nicht aus dem Weg gehen. Denn Hessen Mobil lehnt die K-L-Trasse ab. Für deren Befürworter ist das letzte Wort aber noch lange nicht gesprochen.

Die irrsten Autofahrer der Welt

Die BINNU fordert eine Kosten und Umwelt berücksichtigende, qualifizierte und ergebnisoffene Untersuchung eines Ausbaus von K 180 und L 3317. Dazu seien intensive Gespräche mit der Landesregierung, dem Regierungspräsidium sowie den Gemeinden Messel und Eppertshausen nötig. Aus den beiden Nachbarkommunen kommt heftiger Widerstand gegen die K-L-Trasse. Sie befürchten deutlich mehr Autos.

Die Forderungen der Initiative decken sich zumindest teilweise mit einem Beschluss der Stadtverordnetenversammlung vom Mai 2018. Magistrat und Verwaltung sollten innerhalb von sechs Monaten Vorschläge erarbeiten, wie Urberach vom Fernverkehr entlastet werden kann. Diese Ideen vermisst die Opposition, obwohl die Frist schon seit Monaten abgelaufen ist.

Quelle: op-online.de

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