Bürgermeister liegt in Ketten

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Die Prinzliche Hofgarde kannte kein Erbarmen, legte den Rathauschef in Ketten und ebnete damit fürs Prinzenpaar den Weg auf den Rödermärker Chefsessel.

Ober-Roden ‐ „Von weesche Fastnach unn Hellau: mer losse kaans in unseren Bau!“ – so prangte es in bunten Lettern hoffnungsvoll am Ober-Röder Rathaus, wo sich Bürgermeister Roland Kern und zahlreiche Magistratsmitglieder verschanzt hatten, um gemeinsam dem Ansturm der Narren zu widerstehen. Doch der Optimismus hielt nicht lang. Von Christine Ziesecke

Vom närrischen Podium, das von kleinen und großen Narren bis in die Seitenstraßen hinein umrahmt wurde, drängten die Narren den Regenten zur Aufgabe. Die Prinzliche Hofgarde stürmte kurzentschlossen den Bau und brachte den Bürgermeister in Ketten gelegt durch sein Volk hindurch zur Bühne, wo der Widerstand rasch fröhlichem Mitfeiern wich.

Prinz Carsten I. und Prinzessin Monika VI. ließen (Fastnachts-)Gnade vor Recht ergehen, und alle feierten gemeinsam mit der Prinzlichen Hofgarde, den Umzugsgruppen und vielen Hunderten närrischer Untertanen im strahlenden Sonnenschein ihre Oweräirer Fassenacht.

Zuvor hatte sich ein langer bunter Gaudiwurm durch Ober-Rodens Ortsmitte gezogen, nur von den Bahnschranken immer wieder unterbrochen. Genau dieses Hindernis hatten sich die „Menschen vor Ort“ als Umzugsmotto gewählt und forderten das Schrankenhäuschen zurück und warben für ihre Bürgermeisterkandidatin Hanne. Viele der Gruppen hatten zum Vergnügen aller Zuschauer lokale Themen angeheizt, so etwa die Freiwillige Feuerwehr Ober-Roden die Stadtwerdung: einer großen Hochzeit mit fünf (Ortsteil-)Bräuten folgten viele schmucke und kräftige kleine Rödermärker.

Die Kerbvereinsmitglieder brachten es auf den närrischen Punkt, dass sie, nach 20 Jahren mitgefangen – mitgehangen, aus dem Narrenkäfig nie mehr herauskommen; ähnlich sahen es die Freunde der Nacht, die unlösbar miteinander verkettet waren.

Kindergärten wie etwa die Kita Potsdamer und Zwickauer Straße, der Nazarius Kindergarten oder das Haus Unterm Regenbogen bestachen durch ganze Scharen liebevoll einheitlich verkleideter Mini-Fastnachter.

Viele Ober-Röder Vereine, unterstützt auch aus der Orwischer Nachbarschaft, zeigten all ihre Fantasie und ihr handwerkliches Können. Die Musikvereine 03er, 08er samt Endlisch Musigg und der TG-Musikzug bliesen und trommelten, was die Instrumente hergaben. Auch die Damenriegen der jeweiligen Sportvereine ließen sich nicht lumpen und traten mit eigenen wunderschön verkleideten und sehr fröhlichen Gruppen an, etwa die TG-Haremsdamen oder die TS-Räuber.

Eine große Fußgruppe ging dem Prinzenwagen voraus: „Em Prinzepaar sei Bagaasch“ war ebenso aktiv unterwegs wie etwa der Kirchenchor Cäcilia, der seine Chefin Angelika Schierz anlässlich des 15. Zugteilnahme durch die Straßen schaukelte.

Fantasievoll waren alle Gefährte im Zug: von der „mobilen Sünderbank“ des Kerbvereins bis zum Saloon-Wagen der Alten Herren der TG oder dem großen Prinzenwagen mit Garde und Prinzenpaar, aber auch die unzähligen Kinder- und Bollerwagen waren zur Augenweide herausgeputzt.

Tausende Bonbons, Gummibärchen und größere Geschosse trafen die quietschvergnügten Zuschauer am Zugrand. Viele Bars und Hüttchen sowie die Ober-Röder Feuerwehr vertrieben rund um den Rathaus-Knochen noch Stunden später Hunger und Durst, und die närrischen Klänge sowie die Hits der MV03er auf der Bühne steigerten die Stimmung gewaltig. Ebenso wie in Urberach hat sich der Ober-Röder Fastnachtszug zu einem echten Höhepunkt für all jene Rödermärker gemausert, die ihre fünfte Jahreszeit lieben.

Quelle: op-online.de

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