Interview mit ehemaligem CDU-Bürgermeisterkandidat

Helfmann: „Nicht alle standen 100-prozentig hinter mir“

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Fair gratulierte Carsten Helfmann (links) nach seiner Wahlniederlage dem alten und neuen Bürgermeister Roland Kern.

Rödermark/Eppertshausen - Nur 272 Stimmen fehlten – dann säße jetzt Carsten Helfmann statt Roland Kern auf Rödermarks Bürgermeisterstuhl. So aber bleibt CDU-Kandidat Helfmann nach der knappen Wahlniederlage an seinem angestammten Schreibtisch im Bürgermeisterzimmer der Nachbargemeinde Eppertshausen.

Seine Niederlage blieb in der Rödermärker CDU nicht ohne Widerhall. Mit Patricia Lips und Wolfgang Steiger zogen sich danach zwei seit Jahrzehnten maßgebliche Unions-Größen enttäuscht über den politischen Kurs der eigenen Leute zurück. Redaktionsleiter Bernhard Pelka sprach darüber mit Carsten Helfmann.

Was ist Ihr Fazit nach der knapp verlorenen Bürgermeisterwahl?

Wahrscheinlich war ich für manche Rödermärker zu geradlinig und konservativ oder vielleicht doch ein Auswärtiger.

Für Bürger oder für politische Mandatsträger?

Für beide Gruppen. Ich habe zum Beispiel immer gesagt, dass ich auch als Rödermärker Bürgermeister weiterhin in Eppertshausen wohnen werde. Dazu gab es dann schon verschiedene Meinungen. Ich bin mir da aber treu geblieben. Zu meinem Fazit gehört auch, dass ich tolle Menschen kennengelernt habe und mit den Vereinen gut zusammenarbeiten konnte. Es freut mich, dass ich immer noch mit dem ein oder anderen Vereinsvertreter zu tun habe und ihn unterstützen kann.

Dann war die Kandidatur kein Fehler?

Nein. Dennoch hätte ich selbstverständlich die Wahl lieber gewonnen, auch wenn es nur ein knappes Ergebnis war. Selbstverständlich schmerzt eine Niederlage. Der Wahlkampf hat mir gezeigt, wie gut die offene und ehrliche Zusammenarbeit und das Miteinander in Eppertshausen sind.

Hatten Sie das Gefühl, in Rödermark nicht die volle Unterstützung bekommen zu haben?

Es hat sich einmal wieder gezeigt, dass eine Partei eine Wahl nur gewinnen kann, wenn sie geschlossen hinter ihrem Kandidaten steht. Wenn einzelne – vor allem Personen an maßgeblicher Stelle – nicht hundertprozentig hintendran stehen, dann hat das Auswirkungen.

Haben Sie noch Kontakt zur Rödermärker Politik?

Ja. Erst am Mittwoch habe ich im Verwaltungsrat der Sparkasse neben Frau Lips gesessen, Wolfgang Steiger hatte mich zum Wirtschaftstag nach Berlin eingeladen und im Wasserwerk habe ich den CDU-Fraktionsvorsitzenden Michael Gensert getroffen und den Fraktionsvorsitzenden der Freien Wähler, Peter Schröder, gesehen. Bei privaten Veranstaltungen habe ich Magistratsmitglieder getroffen. Prinzipiell wollte ich nach der Wahl aber erst einmal ein bisschen Abstand für mich. Ich glaube, dieser Abstand war dann auch für einige in der CDU-Rödermark gut.

Mit welchen Gefühlen sind Sie nach der Wahlniederlage an Ihren alten Arbeitsplatz zurückgekehrt?

Ich habe am Morgen nach der Wahl wieder begonnen und den Hebel professionell umgelegt. Ich habe mir gesagt: Es gibt so viele Projekte, die ich in Eppertshausen umsetzen möchte. Ich habe mit dem guten Gefühl wiederbegonnen, dass ich hier gerne arbeite.

Sie haben als Eppertshäuser Bürgermeister schon früh angekündigt, diesen Posten nicht ewig haben zu wollen. Die Bürgermeisterkandidatur in Rödermark war ein erster Ausstiegsversuch, der knapp scheiterte. Haben Sie deshalb in Eppertshausen an Einfluss verloren? Hat sich im Rathaus etwas verändert im Miteinander?

Nach meinem Empfinden nicht. Aber das müssten Sie eigentlich die Kolleginnen und Kollegen hier im Eppertshäuser Rathaus fragen. Ich bin sofort wieder herzlich aufgenommen worden. Bürger haben mir ins Gesicht nichts Negatives gesagt. Ich denke schon, dass der ein oder andere gedacht hat: Jetzt ist er wieder da, schauen wir mal wie und ob er jetzt wieder arbeitet. In Eppertshausen ist das inzwischen abgehakt, weil man merkt, dass ich hinter unseren Projekten stehe und sie vorantreibe.

Dass Sie hinter Projekten stehen, ist absolut wichtig. Noch wichtiger aber ist, dass die Leute hinter Ihnen stehen. Manche könnten ja denken: „Jetzt sind wir wieder gut genug für ihn.“

Ich glaube nicht, dass so gedacht wird. Ich denke, mir wird schon abgenommen, dass ich für meine Heimatgemeinde die ganze Zeit und auch weiterhin arbeiten werde. Irgendwann möchte ich aber einmal etwas anderes umsetzen. Ich denke, das ist in meinem Alter menschlich.

Alles zur Bürgermeisterwahl in Rödermark

Am Wahlabend haben Sie spontan gesagt, nicht noch einmal in Rödermark als Bürgermeisterkandidat antreten zu wollen. Wie sieht Ihre berufliche Zukunft aus? Spielt da Rödermark noch eine Rolle? 2019 ist schon die nächste Bürgermeisterwahl.

Ich kann mir eine erneute Kandidatur in Rödermark nicht mehr vorstellen. Ich habe ein tolles Ergebnis bekommen, habe aber auch gemerkt, dass manches intern im Ablauf nicht so war, wie ich es mir vorgestellt hatte. Ich kann mir nicht vorstellen, dass sich das innerhalb der nächsten 15, 18 Monate ändern würde.

Es ist immer schwer, als Außenstehender Parteiinterna zu kommentieren. Trotzdem die Frage: Was sagen Sie zu den Verwerfungen innerhalb der Rödermärker CDU nach der verlorenen Bürgermeisterwahl?

Es gab während des Wahlkampfs intern und mit dem Koalitionspartner Diskussionen. Zum Beispiel bin ich am Wahlstand wegen des Themas der Verbindungsstraße zwischen Messenhäuser Straße und Kapellenstraße von Fraktionsmitgliedern des Koalitionspartners extrem angegangen worden. Jetzt lese ich in der Zeitung, dass genau dies auf einmal geplant ist. Oder dass ich gesagt habe, dass wir bedarfsorientierte Kitabetreuungszeiten brauchen. Auch da gab es in der Koalition unterschiedliche Meinungen. Jetzt bekomme ich mit, dass dazu aktuell eine Elternbefragung vorbereitet wird. Ich finde es schade, dass – so wie ich es in der Offenbach-Post gelesen habe – mit den anderen Fraktionen nicht offen umgegangen worden ist, sondern dass von Anfang an der Entschluss bestand, dass die Koalition weitergeht. Die CDU Rödermark hat für die nächsten Jahre die Chance vertan, offene und geradlinige Gespräche zu führen. Ich kann verstehen, dass die, die absolut hinter mir standen, ihre Konsequenzen gezogen haben. Das ist auch meine Konsequenz, nämlich nicht mehr in Rödermark anzutreten.

Wie sieht dann Ihre berufliche Zukunft aus?

Ich lebe und arbeite gerne in meiner Heimatgemeinde und möchte noch zukunftsweisende Projekte mit und für die Einwohner Eppertshausens umsetzten. Keiner muss Angst haben, dass ich von heute auf morgen weg bin, aber irgendwann einmal wird das der Fall sein. Bis dahin gebe ich weiterhin mein Bestes für Eppertshausen.

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Quelle: op-online.de

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