Bewerber müssen bei Podiumsdiskussion Farbe bekennen

Bürgermeisterwahl: Kandidaten auf dem Prüfstand

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Nachdem die Schlacht der Worte geschlagen war, spendierte Moderator Markus Wehner (rechts) den Bürgermeisterkandidaten Tobias Kruger, Carsten Helfmann, Roland Kern und Samuel Diekmann (von links) Kolpingwein für ruhigere Stunden.

Ober-Roden - Gut zwei Wochen vor der Bürgermeisterwahl stellten die vier Kandidaten ihre Programme zur Diskussion und beantworteten Fragen des Publikums. Knapp 200 Bürger waren auf Einladung der Kolpingsfamilie ins Forum St. Nazarius gekommen. Sie erlebten einen teils heftigen Schlagabtausch, aber auch sachliche Aussagen, die gelegentlich sogar austauschbar waren. Von Michael Löw

Roland Kern (AL/Grüne) will Rödermärker Bürgermeister bleiben, Carsten Helfmann (CDU), Samuel Diekmann (SPD) und Tobias Kruger (FDP) wollen’s bei der Wahl am 5. Februar werden. Am Freitagabend diskutierten die Kandidaten bei der Kolpingsfamilie über langfristige politische Ziele und schnelle Lösungen wie die Straßensanierung. Kolping-Vorsitzender Markus Wehner gab dem Bewerber-Quartett zum Start Gelegenheit, sich den Zuhörern vorzustellen. Basis war das Lebensmotto aus den Kurzporträts der OFFENBACH-POST. Doch danach ging’s gleich zur Sache.

Wilfried Braun wollte wissen, wie Rödermarks Straßen repariert werden sollen und vor allem: Wer bezahlt die rund 15 Millionen Euro, die die Sanierung kostet? Samuel Diekmann war der Einzige, der alle Bürger in Form einer jährlich wiederkehrenden Straßenbeitragssatzung an der Finanzierung beteiligen will. „Ich halte von keiner Beitragssatzung etwas“, schloss Bürgermeister Kern den Griff ins Portemonnaie der Rödermärker aus. FDP-Mann Tobias Kruger will durch zusätzliche Gewerbesteuerzahler soviel Geld in die Kasse bringen, dass die Stadt die Straßensanierung selbst bezahlen kann.

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Die frühere Stadtverordnetenvorsteherin Brigitte Beldermann (AL) und Jürgen Wolf, ebenfalls erklärter Roland-Kern-Wähler, drängten CDU-Kandidat Carsten Helfmann in die Defensive. Sie warfen ihm vor, mit seiner Aussage, das brennendste Problem Rödermarks seien „keine bedarfsgerechten Betreuungsangebote für Kinder“, rede er die Stadt schlecht. „Das ist ein Affront gegen unser Fachpersonal und gegen meinen Kollegen Jörg Rotter (CDU, Anmerkung der Redaktion)“, schlug Kern in die gleiche Kerbe. Diese Miesmacherei könne er nicht mehr hören. Helfmann konterte: Eltern hätten ihm gegenüber fehlende Flexibilität bei den Betreuungszeiten beklagt. Das und „nichts Anderes“ habe er aufgegriffen.

Ein Stück Unterstützung bekam Helfmann von seinem sozialdemokratischen Konkurrenten Diekmann: Flexiblere Betreuungsmodelle seien zwar nicht das brennendste Problem, aber eine Idee, die sich zu diskutieren lohne. Jürgen Wolf warf Helfmann vor, als Eppertshäuser Bürgermeister extrem hohe Kita-Gebühren eingeführt zu haben und damit Politik gegen Familien zu machen. Eppertshäuser Eltern müssten in der Tat mehr bezahlen als Rödermärker Eltern, räumte Helfmann ein. Dafür läge die Grundsteuer B, die sowohl Hausbesitzer als auch Mieter trifft, mit 350 Prozent deutlich unter dem Rödermärker Wert von 540 Prozent: „Man muss alle Zahlen sehen.“

Bürgermeister-Bewerber bei Podiumsdiskussion: Fotos

Während Kerns Ankündigung, im Falle eines Wahlsiegs nach nur 25 Monaten zurückzutreten im Publikum kein Thema war, zweifelte Ottmar Zeizinger Helfmanns langfristige Absichten an: Der Chefposten in der Rödermärker Verwaltung sei nur eine weitere Stufe auf der Karriereleiter. „Ich bleibe zwölf Jahre aufwärts Bürgermeister in Rödermark“, versprach Helfmann vor vollem Saal. Die Projekte, die er verwirklichen will, ließen sich nicht in einer Wahlperiode, geschweige denn in 25 Monaten erledigen.

Karin Schlögel fragte Kandidaten von CDU, AL und SPD, wie wichtig ihnen die von Kruger geforderte Polizeistation für Rödermark sei. Einhellige Antwort: lieber mehr Streifen auf der Straße als ein neues Gebäude. Ein nach Ansicht von Christiane Krüger brennendes Problem ist der Parkplatzmangel rund um den Ober-Röder Bahnhof. Weitere Fragen aus dem Publikum betrafen den Breitbandausbau und die Bebauung der „Grünen Mitte“.

Die gut zweistündige Runde hatte weder einen klaren Sieger noch einen eindeutigen Verlierer. Die Kandidaten haben vor allem ihre Anhänger in ihren Wahlabsichten bestärkt. Wechselwähler dürften wenig neue Erkenntnisse gewonnen haben.

Quelle: op-online.de

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