Bürgermeisterwahl in Rödermark

Ein stiller Sieger ohne Häme

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Alles wie gehabt: Roland Kern bleibt Bürgermeister von Rödermark, Carsten Helfmann bleibt Bürgermeister von Eppertshausen.  

Rödermark - Hoffen und Bangen, Bangen und Hoffen: Bei der Bürgermeister-Stichwahl am Sonntag wechselte die Stimmung der Kandidaten so oft wie die Führung - praktisch nach jedem Zwischenergebnis. Von Michael Löw

Hier die Chronologie eines spannenden Abends, an dem der amtierende Bürgermeister Roland Kern (AL/Grüne) das bessere Ende für sich hatte. Und in seinem CDU-Konkurrenten Carsten Helfmann einen fairen Verlierer fand.

  • 18.05 Uhr: Der Sitzungssaal des Urberacher Rathauses füllt sich langsam. Da die Hauptpersonen noch nicht da sind, greift sich der Kollege eines Internet-Fernsehsenders den CDU-Fraktionsvorsitzenden Michael Gensert für ein Interview.
  • 18.08 Uhr: Bürgermeister Roland Kern und seine Frau Angelika setzen sich in die zweite Reihe. Herausforderer Carsten Helfmann und seine Frau Nicole nehmen ein paar Stühle weiter Platz.
  • 18.13 Uhr: Traditionell zählen die Messenhäuser am schnellsten. 53 Prozent für Helfmann, 47 für Kern. Die CDU-Anhänger frohlocken vorsichtig, Helfmann und Kern bleiben äußerlich ungerührt.
  • 18.20 Uhr: Kern gewinnt den ersten Urberacher Bezirk mit 59,7 Prozent und geht mit zehn Prozentpunkten in Führung.
  • 18.23 Uhr: Helfmann holt im Breidert 60,2 Prozent und liegt nach drei von 16 Bezirken wieder deutlich vorn.
  • 18.28 Uhr: Ungläubige Blicke auf die Anzeigentafel: 50:50 - unentschieden. Doch selbst jetzt müsste Rödermarks neuer Bürgermeister nicht gelost werden. Kern bliebe mit drei Stimmen Vorsprung am Amt. „Das ist ja der Hammer“, kommentiert die SPD-Stadtverordneten Yeliz Karademir.
  • 18.30 bis 18.45 Uhr: Die Führung wechselt nochmals. Nach 12 Bezirken trennen 0,2 Prozent die Kandidaten. Doch ein fast schon bayrisches Ergebnis im Urberacher Norden (64,9 Prozent) verhilft Kern zu einer deutlichen Führung. Nach 14 Bezirken und 250 Stimmen Vorsprung für den Amtsinhaber weiß Carsten Helfmann, dass seine Niederlage feststeht: „Wenn"s so sein soll, isses so!“
  • 18.50 Uhr: Wahlleiter Artur Singer verkündet das vorläufige Endergebnis. Roland Kern 51,3 Prozent, Carsten Helfmann 48,7 Prozent. 272 Stimmen geben den Ausschlag. Es bleibt seltsamerweise still im Raum - große Gesten? Fehlanzeige. Erst als sich knapp zehn Kameras vor Kern und Helfmann aufbauen, sagt ein fairer Verlierer beim langen Händedruck: „Ich gratuliere dir, dass du weiterarbeiten kannst!“
  • 19.11 Uhr: Tina Turner gratuliert Kern bei der AL-Wahlparty in der Kelterscheune mit „Simply the best“. Freunde und Anhänger begrüßen Rödermarks alten und neuen Bürgermeister euphorisch. Jetzt lachen Roland und Angelika Kern erstmals aus ganzem Herzen; er streckt die eine Faust in die Höhe und stößt mit dem Sektglas in der anderen Hand reihum an. Der grüne Jubel kennt keine Grenzen.
  • 19.27 Uhr: Der Sieger ist endlich bis ans Mikrophon vorgedrungen. „Meine Demut wird immer größer“, meint Kern angesichts des knappen Ergebnisses. Häme ist nach seinem dritten Sieg gegen einen CDU-Bewerber nicht seine Sache. „Carsten Helfmann war ein respektabler Gegner“, entgegnet Roland Kern einem Parteifreund, der in Anspielung auf Helfmanns Wahlkampf ruft: „Er hat wohl nicht genug Kreppel verteilt!“

Bilder zur Bürgermeister-Stichwahl in Rödermark

Kern, der im Sommer 2019 nach nur 25 Monaten im Amt zurücktreten will, möchte bis dahin den Boden für einen Bürgermeisterkandidaten bereiten, der „von den Partnern (gemeint war die CDU/AL-Koalition, Anmerkung der Redaktion) gemeinsam getragen werden kann“. Die AL könne auch in Rödermark nicht immer den Bürgermeister stellen. Aber sie können jetzt die Mechanismen schaffen, um auch in Zukunft an allen wichtigen Entscheidungen beteiligt zu sein.

Bilder zur Bürgermeisterwahl in Rödermark

Quelle: op-online.de

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