Bürgerprotest gegen Ortskernsatzung

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Über allen Dächern ist Ruh‘! Von wegen - im Zentrum von Ober-Roden protestieren die Anwohner gegen den Entwurf einer Gestaltungssatzung, die Um- oder Neubauten bis ins Detail regeln würde. Hausbesitzer, die Wohnraum unter ihren Dächern schaffen wollen, sehen nicht ein, dass die Satzung Zahl und Größe der Fenster begrenzt, gleichzeitig aber Solaranlagen ohne Beschränkungen erlaubt.

Ober-Roden ‐ Dicke Luft im Zentrum von Ober-Roden. Bei einer Protestversammlung kritisierten Dutzende von Wutbürgern aus Rödermark den Entwurf einer Ortskern-Gestaltungssatzung. Von Michael Löw

Ab in die Tonne, und zwar so schnell wie möglich. Das Urteil von Hausbesitzern aus dem Ortskern über die Gestaltungssatzung für den Ortskern war vernichtend. Die Betroffenen befürchten gravierende Eingriffe in ihre Eigentumsrechte, Zwangsmaßnahmen und ein „Baudiktat“, das sich an einem Historizismus orientiert, der Ober-Rodens Mitte übergestülpt werden soll.

Die Initiative „Menschen vor Ort“ (MvO) hatte am Donnerstagabend in den „Löwen“ geladen, rund drei Dutzend Bewohner des Altorts und eine Handvoll Politiker waren gekommen. Viele Bürger hatten den Satzungsentwurf zuvor noch nie gesehen und wussten nicht so recht, wohin sie ihren Zorn zuerst richten sollen: auf den Inhalt oder die Art und Weise, wie „die Politik“ oder „die Stadt“ ihn durchsetzen wollten.

„Es war reiner Zufall, dass wir aus der Zeitung (Die OFFENBACH-POST hatte am 20. November als Erstes darüber berichtet, Anmerkung der Redaktion.) darüber erfahren haben. Die Bürger sollten überrumpelt werden“, sprach Veronika Schräck-Schrod all jenen aus der Seele, die Zweifel an der angeblich von Anfang an geplanten Bürgerbeteiligung hatten.

Arno Mieth, Michael Frank, Stephan Schmidt, Carsten Offenhäuser und Franco Cipriano von MvO hatten einige Punkte aus dem Entwurf des Darmstädter Planungsbüros Begher erläutert und zerpflückt. Fensterbreite, Dachneigung, Zahl der Dachfenster, Körnung und Farbe des Putzes, Höhe der Einfriedigungen - alles sei bis ins letzte Detail reglementiert. Würde die Satzung Ortsrecht, würden ihre Regelungen spätestens bei der nächsten Renovierung greifen. Das Wort „Bestandsschutz“ komme in Entwurf nicht vor.

„Was ist überhaupt historisch?“ fragte Waldemar Schrod aus der Dockendorffstraße mit Blick auf die Präambel, in der steht: „Die Bewahrung und Erneuerung des Ortsbildes im historischen Ortskern von Ober-Roden ist ein städtebauliches, kulturelles und gesellschaftliches Anliegen.“ Ober-Roden, so die Meinung der Ober-Röder, ist aber nun mal nicht Dreieichenhain oder Seligenstadt.

Ein überdeutliches Nein zu einer verbindlichen Satzung war die Botschaft des Abends. Mit Empfehlungen oder Richtlinien könne man aber durchaus leben, sagte Mieth. Dass es auch ohne Regulierung geht, zeigt der „Dinjer-Hof“. Wilhelm Schöneberger hat die Hofreite seiner Vorfahren ganz ohne Zwang in ihren Originalzustand zurückversetzt.

Quelle: op-online.de

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