Lautloser Führungswechsel

CDU-Sonderparteitag wählt Ralph Hartung zum Vorsitzenden

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Ralph Hartung, der neue Vorsitzende der CDU Rödermark (5. von links), versteht sich als Teamplayer. Das machte am Donnerstagabend auch das Gruppenbild der nur wenig veränderten Parteispitze deutlich. Hartungs Amt als Schriftführerin übernahm Adrienne Erkelenz, neue Mitgliederbeauftragte ist Anna-Monika Gierszewski.

Rödermark - Ralph Hartung, der Vorsitzende des Ausschusses für Familie, Soziales, Integration und Kultur, ist neuer Chef der CDU Rödermark. Bei einer außerordentlichen Hauptversammlung erhielt er 33 Ja-Stimmen, vier Parteimitglieder stimmten gegen ihn. Von Michael Löw 

Hartung ist Nachfolger von Patricia Lips, die nach der verlorenen Bürgermeisterwahl und dem daraus resultierenden Streit über die Fortsetzung der schwarz-grünen Koalition zurückgetreten ist. Überraschend laut- und reibungslos ging der Führungswechsel bei der CDU über die Bühne. 37 der rund 200 Mitglieder waren zum Sonderparteitag am bisher heißesten Tag des Jahres gekommen. Heiß diskutiert wurde aber nicht, die CDU zeigte sich geschlossen - trotz der Niederlage ihres Kandidaten Carsten Helfmann bei der Bürgermeisterwahl und dem anschließenden Streit zwischen Schwarz-Grün-Befürwortern wie Stadtrat Jörg Rotter und Fraktionschef Michael Gensert auf der einen und Gegnern wie der Parteivorsitzenden Patricia Lips und Wolfgang Steiger, dem Generalsekretär des Wirtschaftsrates Deutschland, auf der anderen Seite. Der Machtkampf endete mit dem Rücktritt von Patricia Lips Mitte Mai.

Zwei Wochen später schlug der Vorstand Ralph Hartung als ihren Nachfolger vor. „Es ist ein komisches Gefühl, das Amt von Patricia Lips zu übernehmen“, sagte der 46-Jährige, der seit 2000 Mitglied im CDU-Vorstand ist, in einer kurzen Vorstellung. Er hoffe, dass die Urberacher Bundestagsabgeordnete ihren Stadtverband weiter unterstützt. Die CDU Rödermark jedenfalls werde im Bundeswahlkampf mit 100 Prozent für Patricia Lips kämpfen.

Neubeginn, ohne komplett mit dem Alten zu brechen: Das kam bei der Basis offenbar an. Hartung erhielt 33 Ja- und nur vier Nein-Stimmen. Adrienne Erkelenz, die sein Amt als Schriftführer übernahm, und die neue Mitgliederbeauftragte Anna-Monika Gierszewski bekamen jeweils neun Gegenstimmen.

Ralph Hartung ist zunächst nur bis zur regulären Hauptversammlung im November gewählt. Er machte aber deutlich, dass er sich nicht als Übergangs-Parteichef sieht. Die Koalition aus CDU und AL habe sich einiges vorgenommen, und da will er in einer Führungsposition gestalten und „in den nächsten beiden Jahren nicht ganz so lieb zu Bürgermeister Roland Kern sein“.

Von Ostfriesland bis Mauritius: Koalitionen in der Region

Vor der Wahl hatte der CDU-Kreisvorsitzende Frank Lortz seinen Rödermärker Parteifreunden ins Gewissen geredet. „Eine klare Richtung ist wichtig. Und ihr müsst geschlossen marschieren!“, forderte er. Dass eine Partei auch in entscheidenden Fragen unterschiedliche Meinungen vertritt, ist seiner Ansicht nach „kein Weltuntergang“. Doch wenn das Ergebnis - im Rödermärker Fall: weiter mit Schwarz-Grün - gefunden ist, dürfe es auch keine Querschläger mehr geben.

„Ich hoffe, dass wir in Rödermark bald wieder einen CDU-Bürgermeister haben“, sagte Lortz und warnte: „Wenn wir dumm sind, zerschießen wir uns diese Chance!“ Was er damit meinte, verdeutlichte er an den Wahlschlappen seiner Partei in Heusenstamm, Seligenstadt, Obertshausen und Rodgau: „Die anderen waren nicht gescheiter als wir. Wir waren dümmer!“ Besonders der Verlust der einstigen CDU-Hochburg Heusenstamm schmerzt Lortz. Dort sei seit 2015 ein knapp 40-jähriger SPD-Mann Bürgermeister und werde durch Alter und Amtsbonus jedem CDU-Herausforderer das Leben auf Jahre hinaus schwer machen.

Deutlicher hätte Lortz Rödermarks Ersten Stadtrat Jörg Rotter (42) kaum zur Kandidatur bei der Bürgermeisterwahl 2019 auffordern können. Doch der neue CDU-Vorsitzende Hartung will die Bürgermeisterfrage frühestens in zwölf Monaten angehen. Bis dahin habe die Koalition noch viele Sachthemen abzuarbeiten - „mit dem Ersten Stadtrat Rotter in verantwortlicher Position“.

Quelle: op-online.de

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