Coronavirus

Demonstration gegen Corona: „Biedere Leute“ oder Verschwörungstheoretiker?

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Bei der Demonstration gegen Corona in Rödermark waren 35 Menschen dabei.

Jetzt gehen auch in Rödermark Menschen auf die Straße und demonstrieren gegen die ihrer Ansicht nach überzogenen Corona-Beschränkungen. Doch gegen den Protest regt sich schon Protest – mal kreativ, mal rabiat.

  • In Rödermark gibt es eine Demonstration gegen Corona.
  • Wer sind die Menschen, die sich laut einer Teilnehmerin alleingelassen fühlen?
  • Fest steht: Sie wollen Gesicht zeigen.

Rödermark – Mehr noch als das Coronavirus gehen vielen Leuten die damit verbundenen Einschränkungen auf die Nerven. Die Stimmung kippt – vor allem unter Menschen, die während des Lockdowns um ihren Job fürchten oder die nicht wissen, was sie daheim mit ihren Kindern anfangen, deren Kitas und Schulen immer noch dicht sind.

In Urberach beteiligten sich zwischen 30 und 35 Menschen mit wachsenden Ohnmachtsgefühlen an einen sogenannten Hygiene-Spaziergang. Sigrid Schaap hat den Aufruf der Initiative „Ich bin anderer Meinung“ (IBAM) über ihre elektronischen und persönlichen Kontakte weiterverbreitet. In einem Flugblatt, das am Montagabend im Ortskern verteilt wurde, findet man die inzwischen sattsam bekannten Anklagen von der Beschneidung der Grundrechte, Zerstörung der Wirtschaft, Zwangsimpfungen und einer „24-Stunden-Überwachung, für die Apple und Google ihre Betriebssysteme schon angepasst haben“.

Rödermark: Demonstration gegen Corona - Menschen fühlen sich alleingelassen

„Das sind ganz biedere Leute, die sich alleingelassen fühlen. Leute, die bisher noch nie auf die Straße gegangen sind“, beschreibt Sigrid Schaap die Teilnehmer des ziemlich statischen Spaziergangs. Die ganz und gar gemischte Gruppe stelle keine politischen Forderungen wie eine schnelle Kita- oder Schulöffnung, sondern will Gesicht zeigen. Nicht nur im übertragenen Sinn, sondern auch durch die Ablehnung jeglicher Schutzmasken für Mund und Nase. „Ich habe einen großen Eselskopf, den ich notfalls aufsetze“, formuliert Sigrid Schaap ihre Form von Infektionsschutz.

Von Verschwörungstheoretikern will sich IBAM ebenso wenig vereinnahmen lassen wie von Rechtsextremen, die sich anderswo unter die Teilnehmer mischen. Und Sigrid Schaap beteuert: „Ich habe nur über die sozialen Medien für den Hygiene-Spaziergang geworben.“

Rödermark: Demonstration gegen Corona - Sind es Verschwörungstheoretiker?

Denn DIN  A 4-große Hinweise waren einem Leser aus Ober-Roden, der anonym bleiben will, schon am Wochenende aufgefallen. „In der Nacht von Freitag auf Samstag haben die Corona-Verschwörungstheoretiker in Rödermark zugeschlagen“, schreibt er. Am Ärztehaus im Breidert, entlang des Rödermarkrings Richtung Einkaufsmärkte wurde – in seinen Augen illegal – eine immens große Zahl von Plakaten an Laternen, Verkehrsschildern, Brückengeländern, Eingängen zu Spielplätzen, aber auch an privaten Einfriedungen aufgehängt.

Die Zettel seien in „einer platten, aggressiven Sprache“ verfasst. Ein paar Beispiele: „Corona – wir werden verarscht!“, „Impfzwang nein danke“, „Wacht auf, die Diktatur kommt!“ Der Ober-Röder war eigenen Angaben zufolge schockiert und reagierte ziemlich rustikal: „Ich entschloss mich spontan, zum Seitenschneider zu greifen und die Plakate zu entfernen. Nach kurzer Zeit konnte ich das Stadtbild von rund 80 Plakaten befreien.“ Mehrere Passanten hätten sich äußerten sich ihm gegenüber positiv.

Rödermark: Demonstration gegen Corona - Frau wünscht Bürger den Tod

„Aber eine Frau wünschte mir auch den Tod durch eine Überdosis Impfstoff“, bekam er blanken Hass zu spüren. Eine andere Dame meinte, der Impfstoff wäre ja viel zu teuer. Seinen Einwand, dass es aber noch gar keinen gäbe, erwiderte sie mit: „Doch doch, die Impfung kostet 275 Euro.“ Da weiß eine Ober-Röderin offensichtlich mehr als alle namhaften Virologen und Bundesgesundheitsminister Jens Spahn zusammen...

Ordnungsamt und Polizei hatten am Montagabend ein Auge auf die Kundgebung. „Die Leute haben Abstand gehalten, ein Eingreifen war nicht erforderlich“, sagte die Erste Stadträtin Andrea Schülner. Die Anzahl der Teilnehmer war für sie aber grenzwertig. Beim Hygiene-Spaziergang nächste Woche werde die Stadt deshalb genau hinschauen.

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VON MICHAEL LÖW

Quelle: op-online.de

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