St. Nazarius-Pfarrer Elmar Jung schickt die Heilige Familie in eine Welt von Not und Elend

Rödermark: Corona-Viren umkreisen die Weihnachtskrippe

Die frohe Botschaft in der St. Nazarius-Kirche: Das Kind in der Krippe bleibt die Mitte der Welt – auch wenn Corona-Viren den Erdball umklammern.
+
Rödermark: Die frohe Botschaft in der St. Nazarius-Kirche: Das Kind in der Krippe bleibt die Mitte der Welt – auch wenn Corona-Viren den Erdball umklammern.

Die Krippe in der St. Nazarius-Kirche in Rödermark-Ober-Roden spannt einmal mehr den Bogen von der Weihnachtsgeschichte in die Nöte, Kümmernisse und Ängste unserer Zeit. Jesus kommt nicht im Stall von Bethlehem zur Welt, wo Ochs’ und Esel Wärme spenden. Die Heilige Familie steht allein auf weiter Flur, nur ein Lamm – genau so schutzbedürftig wie das Kind – steht an ihrer Seite. Corona-Viren umkreisen derweil die Erdkugel wie raketenbestückte Satelliten.

Rödermark - Flankiert wird die Weihnachtskrippe von vier Ringen voller Hass, Hunger, Krieg und Geldgier. Pfarrer Elmar Jung und seine Helfer Tom Spanheimer und Marcel Kopp haben rund um die Krippe zwei Hände drapiert, die nach Reis greifen, oder einen Panzer aus dem 3 D-Drucker, der durch Ruinen in Syrien und auf der Krim rollt. Die Erdkugel ist ein Werk von Theo Koser. „Kontinente und Meere zu malen, hat er sich trotz seines hohen Alters nicht nehmen lassen“, freut sich der St. Nazarius-Seelsorger. Die ersten Gedanken, die Krippe so zu gestalten, seien ihm im September durch den Kopf geschossen.

Bislang habe er nur Positives gehört, beschreibt Elmar Jung die Resonanz, die er seit Weihnachten erfahren hat. Er kennt’s auch anders. Vor allem die Flüchtlings-Krippe 2017 war Zielscheibe teils heftiger Kritik. „Wie können Sie das Kindern zeigen?“ schimpfte eine Kirchgängerin, als sie am ersten Weihnachtsfeiertag das Bild eines blutverschmierten Jungen sah. „Soll ich den da dann abhängen?“, fragte Jung dagegen und deutete auf den gekreuzigten Jesus neben dem Hochaltar. Leiden und Tod seien untrennbar mit dem christlichen Glauben verbunden.

Pfarrer Jung: „Es gibt auf dieser Welt noch viele andere kleine Welten – oft sind sie so schlimm, so zerstörend und so erbärmlich. Wir dürfen sie nicht übersehen, wenn wir Weihnachten feiern – egal ob in Idylle oder unter Corona. Als Glaubende müssen wir ihre Ursachen bekämpfen und aufstehen für Gerechtigkeit: Dies ist der Auftrag des kleinen Kindes an uns alle.“

SERVICE

Die St. Nazarius-Kirche ist noch bis Sonntag, 10. Januar, von 15 bis 18 Uhr zur Krippenbesichtigung geöffnet. Bis 2. Februar kann man sie nur vor oder nach dem Gottesdienst besuchen. (Michael Löw)

Rödermark: Der unbequeme Denkanstoß: Rassistische Gewalt forderte nur ein paar Kilometer entfernt Menschenleben.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare