Daheim ist‘s doch am schönsten

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Martha Grüber (85) kam 1954 mit ihrem Mann von Treysa nach Urberach. Nach seinem Tod zog sie 1994 ins Haus Am Mühlengrund ein, lebt dort in einer Zwei-Zimmer-Wohnung mit Küche und Bad.

Rödermark ‐ Ältere, alte und hochbetagte Rödermärker sind mit ihrer Lebenssituation recht zufrieden - vielleicht sogar in bisschen zu zufrieden. Denn die wenigsten Senioren machen sich Gedanken, wie sie wohnen wollen, wenn die Beine schwer und die Augen müde werden. Von Michael Löw

Eine Wohnung ohne Stufen und Schwellen ist für sie momentan ebenso wenig ein Thema wie der Umzug in ein Heim oder ins Betreute Wohnen. Das ist eins der wichtigsten Ergebnisse einer Umfrage, die der Seniorenbeirat und der Soziale Dienst der Stadt initiiert haben. Unterstützt von der Frankfurter Gesundheitswissenschaftlerin Marianne Waldmann wollten sie von der Generation 50plus wissen, wie sie künftig leben wollen. Die Stadtverwaltung verschickte im Herbst 2009 1 216 Fragebögen an Bürger jenseits der 50, die nach dem Zufallsprinzip ausgewählt wurden. 315 Bögen kamen zurück, das entspricht einem Anteil von 25,9 Prozent. Heinz Weber, der Vorsitzende des Seniorenbeirats, und Wolfgang Geiken-Weigt, der Leiter des Sozialen Dienstes, erläuterten die zentralen Aussagen vor der Presse.

39,3 Prozent der Rödermärker (10 255) sind älter als 50 Jahre und damit für die Initiatoren der Umfrage Senioren. Längst nicht alle fühlen sich aber alt. „Wir sind beide Mitte 50 und noch sehr gesund. Da wirkt dieser Fragebogen befremdlich“, antwortete eine Frau. Den größten Rücklauf gab‘s deshalb auch in der Gruppe Ü 70.

53,3 Prozent kommt gut über die Runden

Zwischen 70 und 79 Jahre alt sind 2 039 Rödermärker (7,7 Prozent). Ihr 80. Lebensjahr vollendet haben 960 Einwohner (3,6 Prozent), und der Anteil dieser Hochbetagten nimmt in den kommenden Jahren immer weiter zu - eine Entwicklung, die Stadtplanung, Gesundheits- und Sozialpolitik vor große Herausforderungen stellt.

17,5 Prozent der älteren Rödermärker kommt eigenen Angaben zufolge finanziell bestens zurecht, 53,3 Prozent kommt gut über die Runden. Jeder zehnte Teilnehmer der Umfrage sagt aber auch, dass er sich finanziell einschränken muss, und 2,9 Prozent geben sogar an, sich sehr einschränken zu müssen.

Der vergleichsweise große Wohlstand spiegelt sich auch im Wohneigentum wieder. 61 Prozent leben im eigenen Haus, 12,4 Prozent sind Besitzer einer Wohnung. Die Größe der Häuser beziehungsweise Wohnungen hat auch Heinz Weber überrascht: 40 Prozent der Immobilien haben eine Fläche von 120 Quadratmetern und mehr, obwohl der Zwei-Personen-Haushalt die am weitesten verbreitete Wohnform ist (67,9 Prozent).

85 Prozent der Wohnungen sind nicht barrierefrei. Treppen, Schwellen, zu schmale Türen und hohe Badewannen machen Rollstuhlfahrern oder Rollatorbenutzern das Leben unnötig schwer.

Trotzdem ziehen die Umfrage-Teilnehmer einen Wohnungswechsel nur in Betracht, wenn‘s mit ihrer Gesundheit rapide bergab geht. Noch aber sagen knapp 13 Prozent, dass sie sich sehr gut und 41 Prozent gut fühlen. Ein Indikator ist das Treppensteigen: Die Hälfte der Befragten erklärte, es mache ihnen gar nichts aus, zu Fuß mehrere Stockwerke hoch zu gehen.

Ältere fühlen sich daheim gut aufgehoben

Die fehlende Bereitschaft zum Umzug liegt möglicherweise auch am guten Umfeld. Denn egal, ob Familie oder Nachbarschaft: Ältere Rödermärker fühlen sich daheim bestens aufgehoben.

„Die jungen Alten, also die heutigen 50-Jährigen, machen sie keine Gedanken, was ist, wenn sie 70 sind“, bedauerte Seniorenbeiratsvorsitzender Heinz Weber. Aus den Ergebnissen der Befragung folgert er, dass sie auch im Alter in der vertrauten Umgebung bleiben wollen. Und wenn der Umzug unvermeidlich ist? Dann erbrachte die Umfrage folgende Präferenzen: Betreutes Wohnen 31,4 Prozent, gemeinschaftliches Wohnen 24,4 Prozent, Senioren-WG 17,8 Prozent, Pflegeheim 12,1 Prozent.

Als Konsequenz der Umfrage fordern Waldmann, Weber und Geiken-Weigt ein Wohnumfeld, das den immer älter werdenden Menschen angepasst wird. Eine seniorengerechte Planung beginne mit abgesenkten Bordsteinen und öffentlichen Toiletten und ende mit Begegnungsmöglichkeiten für Nachbarn noch lange nicht. Ein barrierefreies Rödermark komme auch Eltern mit Kinderwagen und jungen Rollstuhlfahrern entgegen.

„Ältere Menschen sind Ressourcen für das Gemeinwesen“, weisen Waldmann, Weber und Geiken-Weigt auf die überproportional große Bereitschaft der Generation 50plus zum Engagement in Vereinen, Kirchen und anderen Gruppen hin.

Quelle: op-online.de

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