Schriftstellerin aus Ober-Roden

Auf dem Weg ins Zauber-Internat?

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Die Romane, die Anja Diegel unter dem Pseudonym Dana Graham schreibt, erscheinen sowohl gedruckt als auch als E-Book. Ihr neuestes Werk „Rabenfeuer“ stellte sie gestern Nachmittag auf der Frankfurter Buchmesse vor.

Ober-Roden - Dana Graham ist auf der literarischen Karriereleiter ein paar Sprossen, möglicherweise entscheidende, nach oben geklettert. Gestern stellte sie auf der Buchmesse in Frankfurt einen Fantasyroman vor, den der Carlsen-Verlag (Harry Potter, Twilight) veröffentlicht. Von Michael Löw

Und daheim in Ober-Roden ist sie inzwischen so bekannt, dass sie ihr Incognito nicht länger aufrechterhalten kann: Die Autorin heißt Anja Diegel, ist 37 Jahre alt, Grundschullehrerin und Mutter von zwei Kindern. Das Pseudonym Dana Graham hatte sie sich zugelegt, weil es so schön zu ihren Liebesromanen aus dem englischen Rittertum passt. Wenn in düsteren Schlössern intrigriert und geliebt wird, ist Anja Diegel fehl am Platz, fand sie vor Veröffentlichung ihres Erstlingswerks „Mit Schwert und Feder“. In der Welt elektronischer und gedruckter Bücher bleibt"s bei Dana Graham, bei Lesungen stellt sie sich mit ihrem bürgerlichen Namen vor.

Sie hat viel geschrieben in den vergangenen zwölf Monaten: „Das rote Band“, die Fortsetzung von „Schwert und Feder“, und „Sophias Krieger“. Diese Bücher veröffentlichte Dana Graham als Indie-Autorin im self publishing. Auf Deutsch: als unabhängige Schriftstellerin im Eigenverlag. Schon das bescherte ihr rund 3 000 verkaufte Romane, eine treuen Leserstamm und einen Erfolg bei der Leipziger Buchmesse. „Schwert und Feder“ schaffte den Sprung auf die Liste der 25 Besten unter 300 Titeln. „Sophias Krieger“, gerade mal viereinhalb Monate auf dem Markt, steht in der Sparte Historie unter den „Top 100“ des Onlinehändlers Amazon.

Post vom Carlsen-Verlag

Ende März staunte Dana Graham nicht schlecht, als in ihrem E-Mai-Eingang Post des renommierten Carlsen-Verlags steckte. Die Entdecker von Joanne K. Rowling und ihrem längst weltberühmten Jung-Zauberer wollten ein neues Label für E-Books gründen und sprachen Autoren an, die ihnen positiv aufgefallen waren. Dana Graham schickte 30 Seiten Leseprobe des Fantasyromans „Rabenfeuer“ ans Carlsen-Lektorat und hatte prompt einen Fuß in der Tür des Hamburger Verlagshauses. Das kostet sie zwar Unabhängigkeit, spart aber Geld. Denn der Verlag finanziert Lektorat, Marketing und Design. „Das hat mich vorher etwa 1 500 Euro je Buch gekostet. Bei „Schwert und Feder“ habe ich ein dreiviertel Jahr gebraucht, bis das wieder drin war“, erzählt sie.

Die finanzielle Sicherheit hat aber auch ihren Preis. Dana Grahams Entwurf wurde sehr streng gegengelesen. Einen inneren Monolog ihrer Heldin, den Dana Graham für immens wichtig hielt, hat der Verlag von zehn auf zwei Absätze zusammengestrichen: „Da habe ich innerlich geweint!“ Und jede Menge gelernt. „Rabenfeuer“ wurde so gut, dass sie den Neuling gestern Nachmittag auf der Frankfurter Buchmesse vorstellen durfte. Dass nicht so viele Kameras auf sie gerichtet waren wie auf den schriftstellernden Boris Becker, kann sie verschmerzen. Indie-Autoren, die wie Dana Graham (noch) keinen großen Namen haben, stecken in einem Zwiespalt. Sie veröffentlichen ihre Bücher überwiegend im Internet, und dort gilt „Geiz ist geil“. „Wenn ich mein Buch verschenke oder für 99 Cent verschleudere, treibt das die Auflage hoch“, schildert sie das Dilemma. „Aber will ich meine Arbeit wirklich verschenken?“ Dana Graham schreibt nicht nur Bücher, sondern seit ein paar Monaten auch schwarze Zahlen. Ob sie ihr professionell betriebenes Hobby zum Beruf macht, weiß sie noch nicht.

Frankfurter Buchmesse 2013: Impressionen

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Auch wenn sie erste Kontakte in die große weite Literaturwelt geknüpft hat, bleibt Anja Diegel unserer Region verbunden. Am 24. Oktober stellt sie ihre Bücher ab 18 Uhr im Internationalen Lesecafé in Jügesheim vor. Und am 6. November haben sie und „Sophias Krieger“ um 19.30 Uhr ein Heimspiel im Bücherturm Ober-Roden.

Anja Diegel jedenfalls arbeitet seit Oktober wieder als Lehrerin. Die Elternzeit ist vorbei, ihre Kinder haben einen Platz in der Kita. Ein neues Buchprojekt hat sie schon ins Auge gefasst. Eine Zeitreise - „Meine Heldinnen sollen auch mal einen Computer bedienen dürfen!“ - würde sie reizen. Aber auch wenn Dana Graham/Anja Diegel vielleicht durch die Jahrhunderte springt, bleibt sie sich treu: „Egal was ich schreibe, Romantik wird immer dabei sein.“ Die hat „Schwert und Feder“ und „Das rote Band“ so beliebt gemacht, dass noch dieses Jahr die dritte Folge der Greystone-Saga folgt. An der hat sogar das starke Geschlecht Gefallen gefunden. Eine Freundin Anja Diegels muss die Dana-Graham-Bücher immer erst bei ihrem Mann abliefern. Der verschlinge die Schmonzetten von tapferen Rittern und edlen Fräuleins innerhalb von zwei oder drei Nächten.

Quelle: op-online.de

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