Das Übel an der Wurzel packen

Rödermark: Naturschützer befreien Heide von Brombeeren und anderem Wildwuchs

Kevin Dahinten und Pauline Hainz aus Rodgau sind Mitarbeiter im Bundesfreiwilligendienst beim Nabu und halfen beim Heide-Aktionstag in Waldacker mit.
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Kevin Dahinten und Pauline Hainz aus Rodgau sind Mitarbeiter im Bundesfreiwilligendienst beim Nabu und halfen beim Heide-Aktionstag in Waldacker mit.

Noch blüht die Heide in Waldacker, und das hat sie nicht nur dem Wetter zu verdanken, sondern auch den Menschen. Der Ortsverein des Naturschutzbundes (Nabu) hilft ihr nämlich schon seit Jahren, mehr Luft und Licht und den passenden Boden zu erhalten und schafft mit regelmäßigen anstrengenden Arbeitseinsätzen die Grundlage fürs Ausbreiten und Gedeihen der „richtigen“ Pflanzen.

Rödermark - Sechs Vorstandsmitglieder, acht weitere Helfer, weitgehend Nabu-Leute, dazu zwei junge Mitarbeiter im Bundesfreiwilligendienst, die zur Zeit beim Nabu beschäftigt sind, packten beim Aufräumen neben dem Club der Hundefreunde an. Immer wieder notwendig und jedes Jahr ein echter Stress: Brombeerranken samt allem Wurzelwerk auszugraben, kleinen Eichenpflänzchen ganz schnell den Garaus zu machen, Ginster zwischen den Heidestauden herauszurupfen – das alles hilft der in der Herbstsonne wunderschönen Landschaft, ihre eigenen Charme zu verbreiten.

„Manche Sachen, die wir nicht schaffen, macht anschließend noch der Schäfer, ehe er dann wieder seine Schafe hier den Rasenmäher spielen lässt: Bäume ausschneiden etwa, in denen noch gefährlich brüchige Äste vom letztjährigen Sturmchaos hängen“, erläutert Rödermarks Nabu-Chef Dr. Rüdiger Werner.

Er schreibt vor jedem Heide-Aktionstag rund 30 Leute an, Mitglieder und dem Verein freundlich gesonnene Helfer, um ein tatkräftiges Arbeitsteam zu erhalten. Ein wenig traurig ist er, dass von der Quartiersgruppe aus Waldacker niemand beim Hilfstrupp dabei ist, andererseits aber ist er stolz auf seine zwei quasi hauptamtlichen Helfer: „Die sind für den Nabu ein wahrer Glücksfall!“

Werner freut sich vor allem über die große Motivation von Kevin Dahinten und Pauline Hainz, beide aus Rodgau und beide für den Nabu stets da vor Ort, wo sie gerade gebraucht werden wie etwa beim Aktionstag. „Wir hatten bis gestern Abend unser einwöchiges Einführungsseminar und sind jetzt schon wieder hier auf der Heide“, erklärt der 21-jährige Student, der lieber erst mal ausgeschlafen hätte. „Aber nach einer Woche Lernen unter den Corona-Bedingungen ist es auch wieder erfrischend, im Freien arbeiten zu können“, unterstreicht er sein Engagement.

Vor gut einem Jahr hatte er in Darmstadt zu studieren begonnen, doch das war so gar nicht sein Ding. Deshalb hat er jetzt erst einmal eine Auszeit davon genommen. „Nachdem ich schon Kinder- und Jugendarbeit ebenso wie Altenpflege gemacht hatte, wollte ich jetzt irgendetwas draußen machen. Beim Forstamt waren alle Stellen besetzt. Über die Website kam ich auf den Nabu“, sagt Kevin Dahinten. Zumal seine Familie dort ohnehin Mitglied war.

Immer im Freien; „und wenn schlechtes Wetter ist, habt ihr auch mal frei“, hatte ihm der Verein versprochen, doch damit war noch nichts. Denn so richtig mieses Wetter gab"s in der recht kurzen Dienstzeit noch keines. Das Problem ist formaler Natur: Die Nabu-Stellen sind auf die Zeit von September bis Februar befristet. Zwar wird dann noch in den Schulen Werbung gemacht, aber ab Ostern muss er sich neu orientieren: Dann wird Kevin Dahinten vielleicht noch ein halbes Jahr der Bundeswehr oder im Technischen Hilfswerk dienen.

Diese Sorgen hat die 19-jährige Pauline Hainz nicht: Sie hat im Sommer das Abitur abgelegt und weiß noch nicht so recht, was sie daran anschließen möchte. Genau für solche Denkpausen ist die Nabu-Mitarbeit optimal.  (Christine Ziesecke)

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