Datterich begeistert Rödermärker

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Die Wirtschaft – einer der sechs Schauplätze, die für die zehn Bilder des Stücks ständig gewechselt werden mussten.

Urberach - (chz) Wenn eine ambitionierte langjährige Laiengruppe wie das „Große Welttheater“ aus Rodgau plötzlich vor einer Aufführung in einem kleinen Saal nervös ist, muss etwas Besonderes angesagt sein.

Die Truppe, die im Jahr 2000 mit dem Kulturpreis der Stadt Rodgau ausgezeichnet wurde und die oft vor historischen Schauplätzen im Herzen Rodgaus auftritt, gab am Freitag Abend ihr Debüt als Tourneetheater, und das noch dazu auf der schönen, aber engen Bühne der Kelterscheune.

Mittags erst hatten die Mitglieder mit Traktor, Hänger und Autos die Bühnenelemente aus Rodgau hergebracht und aufgebaut, anschließend alles einmal durchgespielt, aber noch ohne Requisiten. Ab dem frühen Abend servierten die Vereinsmitglieder schon in und vor der Scheune Fleischwurst, Handkäs und Schmalzbrote und die Darsteller lustwandelten Aufmerksamkeit erregend über den Häfnerplatz. Dann ging das dreistündige Spektakel des „Datterich“ los, einer „Localposse in der Mundart von Darmstadt“, niedergeschrieben von Ernst Elias Niebergall, und begeisterte die Rödermärker Zuschauer.

In sechs Bildern mit ständig wechselnden Kulissen lebte die Biedermeierzeit auf, Darmstadt vor den Irrungen und Wirrungen der Französischen Revolution, der kleine Kosmos der patriarchalischen Familie. Der Lebenskünstler Datterich, professionell und sprachlich stilecht und doch gut verständlich dargestellt von Hans Bär, gewann trotz seiner Schlitzohrigkeit sofort alle Herzen. Der gebürtige Schlüchterner gab danach zu: „Ich lerne sehr leicht und meine Frau hört mich ab, aber die konnte den Dialekt zunächst ja nicht mal lesen!“

Doch auch alle seine Mitspieler, allen voran Drehergeselle Schmitt (Matthias Ott) und seine Marie (Anja Werner), sorgten mit herzerfrischendem Lokalkolorit und ambitioniertem Spiel für viele spontane Lacher im Saal. Nach kurzer Zeit hatten sich die Besucher in den Dialekt eingehört und bestaunten auch sprachlos die hohe Kunst des ständigen Kulissenumbaus auf der fast dunklen Bühne, während Akkordeon und Klarinette mit bekannten Volksliedern die Zeit überbrückten oder die „Polizisten“ minutenlang allein mit ihrer Mimik die Zuschauer erheiterten. Das Experiment wurde zum vollen Erfolg.

Nach zwei Vorstellungen wurde am Sonntag Morgen in der Kelterscheune alles wieder abgebaut und in zwei Touren mit dem Traktor nach Nieder-Roden gebracht, ehe es am Mittwoch mit dem Lastwagen zu drei Vorstellungen nach Riedstadt geht. Zum Abschluss der kleinen Tournee, die auf Bitten der Riedstädter in Angriff genommen worden war, geht am 26. und 27. Juni auch in Jügesheim in der Aula der Georg-Büchner-Schule der Vorhang für das „Große Welttheater“ auf.

Seit der Freiluft-Aufführung des „Datterich“ im vergangenen Jahr in Nieder-Roden ist Frank Bichtemann der Nachfolger des langjährigen Rödermärker Regisseurs Erik Schmekel, der wegen eines Aufbaustudiums schweren Herzens vorläufig andere Prioritäten gesetzt hat. Frank Bichtemann wagt auch schon einen Blick nach vorn: „Im nächsten Jahr wollen wir endlich unser Versprechen einlösen und etwas für die Jugend und mit der Jugend machen, das rund um den 3. Oktober aufgeführt werden soll. Das muss nicht zwingend Freilichttheater werden. Wir werden dazu auch noch in Schulen anfragen.“ Auch für 2011 gibt es seit dem Europatag schon eine Anfrage. Dann findet in Nieder-Rodens Partnerstadt Hainburg in Österreich die Landesschau statt: „Da wurden wir vom Vizebürgermeister schon angefragt, ob wir etwas spielen, doch das wird dann schon aus organisatorischen Gründen nicht so groß dimensioniert sein, zumal Hainburg selbst ein sehr hochklassiges Kulturangebot hat.“

Quelle: op-online.de

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