Saltimbocca schmeckt auch Zuckerpuppen

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Was Diabetesberaterin Michaela Kramkowski (2. von links) eingekauft hat, wird in der Küche der Petrusgemeinde gleich schonend und ernährungsbewusst zubereitet.

Urberach (chz) - Kann das denn für Zuckerkranke gesund sein? Die Langener Diabetesberaterin Michaela Kramkowski hat drei Menüs zusammengestellt und dabei alle Kriterien hervorgehoben, die für die verschiedenen Diabetes-Typen wichtig sind.

Einige Teilnehmer des Kochkurses der Diabetiker-Selbsthilfegruppe rieben sich verwundert die Augen, als sie die Speisekarte lasen: Leckereien wie Fenchelcarpaccio mit Orangenfilets und rosa Pfeffer, Grünes Gemüse auf Vollkornspaghetti, Mulligatawny-Suppe, gebratener Fisch auf Spinat mit Öl und Zitrone und Rosmarinkartoffeln, Saltimbocca an Karotten-Sellerie-Püree und Zabaione an frischen Früchten machten Appetit auf kommende Gaumenfreuden.

Die Langener Diabetesberaterin Michaela Kramkowski hatte drei Menüs zusammengestellt und dabei alle Kriterien hervorgehoben, die für die verschiedenen Diabetes-Typen wichtig sind. In der Küche des evangelischen Gemeindehauses informierte sie die 15 Hobbyköche, was bei welchem Gang das Wichtigste für ihren Körper und ihre Gesundheit ist.

Für alle Zuckerpuppen

Es muss nicht nur grün und gesund sein, was Fachfrau Kramkowski beim Diabetiker-Kochtreff anbietet. Auch Fleisch und Fisch bereichern den Speisezettel.

Für alle Zuckerpuppen, wie sich die Diabetespatienten liebevoll selbst bezeichnen, gilt eins: Qualität ist wichtiger als Quantität, bewusstes Einkaufen gehört zur Vorbereitung und einige neue kreative Anregungen machen das Kochen interessanter. Und die bekamen die Teilnehmer dann auch in großer Portion: Rezepte und Zutaten wurden verteilt, und dann ging"s los mit Sortieren, Waschen und Zupfen. Nach gut eineinhalb Stunden Schnippeln und Marinieren, Braten und Pürieren durfte der Kurs schlemmen. „Rezepte für Genießer“ nennt Michaela Kramkowski ihren kleinen Lehrgang, der vor allem neue Anregungen für zuhause geben soll.

Wer an Diabetes mellitus, der so genannten Zuckerkrankheit, leidet, muss sich zu „Selbstmanagement“ und Eigenverantwortung zwingen, um positiv mit seiner Krankheit umzugehen. In der Gruppe gibt’s Spielregeln dafür, weshalb sich immer am letzten Dienstag im Monat Rödermärker Diabetiker und manchmal auch Angehörige im Mehrzweckraum der Halle Urberach treffen. Im Mittelpunkt stehen Themen, die Betroffenen der verschiedenen Diabetes-Arten denn Alltag leichter machen. Referenten informieren über medizinische, ernährungswissenschaftliche oder auch technische Neuigkeiten; dazu kommen allgemeine Informationen, Ausflüge und manches mehr. Die meisten der im Schnitt 20 bis 25 Teilnehmer sind Diabetespatienten aus Rödermark, zu bestimmten Vorträgen stoßen Gäste dazu.

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Viele Menschen leben wissentlich oder auch unwissentlich mit dieser Erkrankung und könnten hier wertvolle Unterstützung bekommen. Doch der Weg in eine Selbsthilfegruppe fällt manchem schwer. Hans-Peter Förster, der Initiator der Rödermärker Gruppe, hat selbst nur auf Umwegen anlässlich einer anderen Erkrankung 2002 erfahren, dass er „Zucker hat“. Er suchte Hilfe beim Deutschen Diabetikerbund und wurde schnell zum Motor einer neuen Gruppe: „Das erste Jahr war ich total verwirrt: Alles, was gestern noch gut war an Ernährungsregeln, war heute falsch. Kein Fett? Kein Fleisch? Kein Alkohol? Das macht ja keinen Spaß mehr.“

Dass gerade bei Diabetes nicht die gleichen „Lösungen“ für alle Kranken gelten müssen, zeigen die Offenthaler Schwestern Veronika Glöckner und Irina Steltzer. Beide sind erblich vorbelastet – die gesamte Familie leidet an Diabetes. Sie leben aber nach unterschiedlichen Ernährungsgrundsätzen, teilweise mit Roggenvollkorn streng diätetisch und haben damit jeweils für ihren Krankheitstyp gute Erfahrungen gemacht – weshalb sie sich aber beide über alle Möglichkeiten informieren, so etwa über diesen Kochkurs.

Quelle: op-online.de

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