Gemeinsames Fastenbrechen

Dialog der Religionen

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Mit dem letzten Ton des lauten langgezogenen Rufes des Imam Adem Hasanovic wurde das Fasten gebrochen.

Urberach - Im Islam ist das Fastenbrechen bei Einbruch der Dunkelheit der ersehnte Abschluss jedes Fastentages während des heiligen Monats Ramadan. Das Fasten ist eine der fünf Säulen des Islam und gehört zu den Grundpflichten der Muslime.

Der Ramadan gilt als Zeit der Spiritualität und Einigkeit. Vor dem „Schiller-Haus“, dem Symbol für multikulturelle Begegnungen, hatten Rödermärker Muslime gemeinsam mit Ausländerbeirat und Deutsch-Türkischem Freundschaftsverein Menschen aller Glaubensrichtungen eingeladen. Diese ungewöhnliche Veranstaltung bei Sonnenuntergang sollte Nichtmuslime informieren und Verständnis für den Islam fördern.

Das Fastenbrechen hatte Makbule Firat, die Leiterin des „Schiller-Hauses“, organisiert. Sie hatte sich während der Unruhen in der Türkei wieder einmal gefragt, warum Menschen nicht friedlich und respektvoll miteinander leben können. Ihre Hoffnung: die einzelnen Glaubensrichtungen wie Aleviten oder Sunniten, die ebenso getrennte Fastenzeiten haben wie die Christen, laden jeweils zu ihrem „Iftar“, ihrem Fastenbrechen, ein. Sie veranstalten keine abgeschlossenen Feiern, sondern erweisen mit der Einladung symbolisch den Respekt vor jeglichem Leben, auch dem der Muslime hier in dieser Gemeinschaft.

Gefolgt waren ihr nicht nur weit über 200 Muslime jeden Alters, sondern auch zahlreiche andere Gäste aus vielen Lebensbereichen, überwiegend Christen - allen voran Stadtverordnetenvorsteherin Brigitte Beldermann und Erster Stadtrat Jörg Rotter, der hungrig in die Schillerstraße kam: „Ich habe heute noch nichts gegessen, um mich vorzubereiten, und jetzt wurde mir gerade gesagt, dass ich das heute Morgen vor Sonnenaufgang noch ruhig hätte tun dürfen.“ Er konnte sich in jene Menschen hineinzuversetzen, die tatsächlichen Hunger leiden oder dies rituell tun. „Das Fasten erfordert von den Menschen gerade an langen und heißen Sommertagen große Selbstbeherrschung und Geduld. Das können nur die, die von ihrem Glauben überzeugt sind“, erinnerte die Alevitin Makbule Firat. Beim islamischen Fasten wird während des Tages auch nichts getrunken - bei 30 Grad im Schatten schon eine echte Herausforderung. „Man gewöhnt sich aber rasch daran“, bezeugten die Muslime an den Tischen.

Vor Sonnenuntergang informierte Imam Adem Hasanovic über den Islam und die Grundlagen des Fastens, ehe er um 21.32 Uhr den Ruf und das Gebet zum Fastenbrechen anstimmte, bei dessen letztem Ton mit der traditionellen Dattel das Mahl eröffnet wurde. Helfer servierten eine typische Suppe, danach Fleisch, Bulgur und Salat und sehr süße Nachtische. Während des Essens ergaben sich intensive Gespräche zwischen den Muslimen und den Andersgläubigen über die Riten und über den persönlichen Umgang mit dem Fasten, das im Ramadan noch bis zum 8. August dauert.

„Es war meine Hoffnung, alle Glaubensrichtungen an einen Tisch zu bekommen, um zu verdeutlichen, dass wir gegenseitigen Respekt haben und das auch unsere Kinder lehren sollen. Wir leben zusammen, also müssen wir auch zusammenhalten“, freute sich Makbule Firat. „Dieser Abend soll ein kleiner Meilenstein für ein gutes Zusammenleben sein.“ Sie hofft, wenn in zwei Monaten die Aleviten ihre zwölftägige Fastenzeit mit einer traditionellen Suppe aus zwölf Zutaten beenden, dies wieder vor dem „Schiller-Haus“ gemeinsam zu feiern.

(chz)

Quelle: op-online.de

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