„Die Durchfahrt nicht verleiden“

Ober-Roden - (lö) 2 800 Autofahrer, 400 Radfahrer und 300 Fußgänger ärgern sich täglich, weil sie vor der geschlossenen Bahnschranke in der Dieburger Straße warten müssen.

Das Büro Mörner und Jünger, das im Auftrag der Stadt die Verkehrsströme in Ober-Roden untersuchte, stellte während einer vierstündigen Erhebung im morgendlichen Berufsverkehr fest, dass die Schranke in der Summe 70 Minuten geschlossen war.

„Sie ist viel öfter zu als sie zu sein müsste“, sagte Klaus Freudl vom Büro Mörner und Jünger bei der Vorstellung der Ergebnisse im Bauausschuss. Schlimmstenfalls reiche der Rückstau bis an die St. Nazarius-Kirche, die längste Schlange maß 290 Meter.

Schuld sind nach Ansicht des Planers die zahlreichen Zug-Pärchen. Klartext: Die Schranke ist gut zweieinhalb Minuten unten, wenn die S1 am Bahnhof startet. Dann ist sie eineinhalb Minuten offen, um sich wieder für zweieinhalb Minuten zu senken, weil der Zug in Rollwald einfährt.

Die Bahn begründete dies immer mit der aufwändigen Sicherheitstechnik. Hier setzte die Stadt meist an, wenn sie genervten Autofahrern und Anwohnern helfen wollte - vergeblich, wie man nach fünfeinhalb Jahren Ärger weiß.

Freudl empfahl einen anderen Weg: Würde die Bahn die Zeiten der ankommenden und der abfahrenden S-Bahn besser koordinieren, ließen sich die Schranken-Schließzeiten wenigstens ein Stückchen reduzieren. Das würde die tägliche Warteschlange um 500 Autos verkürzen.

Weitere 900 ließen sich „einsparen“, wenn Verkehrsteilnehmer aus dem Breidert und anderen Gebieten im Süden von Ober-Roden über den Rödermarkring ausweichen würden. Die Umgehungsstraße selbst, auf der pro Tag knapp 14 000 Autos unterwegs sind, könnte die Mehrbelastung ohne Weiteres verkraften. Probleme erwartet Freudl höchstens an der Ampel an der L 3097 nach Urberach.

Freudl und seine Kollegin Bettina Scholz haben nach zwei vierstündigen Zählungen hochgerechnet, dass innerhalb von 24 Stunden 7 300 Autos den Bahnübergang Dieburger Straße passieren. Maximal zehn Prozent davon seien echter Durchgangsverkehr.

60 bis 80 Prozent - je nach Uhrzeit und Richtung - bezeichnen die Experten als „internen Durchgangsverkehr“: Ein typisches Beispiel seien Einwohner aus dem Breidert, die auf dem Weg zur Arbeit nach Dietzenbach, Dreieich oder Frankfurt durch den Ort fahren. Entweder, weil sie in Geschäften oder bei der Bank noch etwas zu erledigen haben oder weil sie trotz Schrankenstaus schneller ans Ziel kommen als über den Rödermarkring.

Angesichts dieser Streckenwahl bezweifelte der SPD-Fraktionsvorsitzende Armin Lauer, dass es der Stadt gelingt, tatsächlich 900 Autos auf den Rödermarkring zu dirigieren. Er forderte einmal mehr eine Unterführung in der Dieburger Straße. Der gab Freudl allerdings keine Chance: zu teuer und städtebaulich fatal. Selbst eine Mini-Unterführung für Radfahrer und Fußgänger könne er sich nur im alleräußersten Notfall vorstellen. Denn eine behindertengerechte Rampe wäre immer noch 80 Meter lang - in jede Richtung.

Wenig Sympathie zeigte der Verkehrsplaner auch für den Vorschlag des AL-Fraktionsvorsitzenden Stefan Gerl, der Autos durch bauliche Veränderungen der Ortsdurchfahrt auf die Umgehungsstraße drängen will. Schon mit Blick auf die Geschäfte im Ort wolle sein Büro „niemandem die Durchfahrt verleiden“.

Quelle: op-online.de

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