Dieb e klauen jetzt auch Altpapier

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Schatzkästlein vor der Haustür? Rohstoffpreise auf Rekordniveau machen selbst Altpapier zum Diebesgut.

Rödermark -  Die Rohstoffpreise explodieren: Was einst Abfall war, wird zum teuer gehandelten Gut. Längst landen nicht nur Metall und Kleider im Auto „wilder“ Sammler. Von Michael Löw

Was früher einmal Schrott war, wird heutzutage teuer gehandelt. Die explodierenden Rohstoffpreise treiben in Rödermark geradezu skurrile Blüten: Altpapier wird geklaut, die Stadt warnt außerdem vor zweifelhaften Altmetallsammlern.

Im Frühsommer beobachteten Bürger erstmals Kastenwagen, in denen bündelweise Papier verschwand. Inzwischen drehen etliche Autos zu den Altpapier-Abfuhrterminen ihre Runden wie sie’s schon seit Jahren vor der Sperrmüllabfuhr tun. „Die betreiben das gewerblich“, klagt Erster Stadtrat Alexander Sturm, in dessen Zuständigkeitsbereich die Abfallentsorgung fällt. Will sagen: Die Mengen sind so groß, dass die illegalen Sammler damit Geld verdienen - und das fehlt der Stadt in ihrer Gebührenkalkulation.

Noch sind’s keine riesigen Summen, die ihr verloren gehen. Aber der Trend macht Sturm Kummer: „Wir erzielen beim Altpapier einen Erlös von deutlich über 100 Euro je Tonne.“ Voriges Jahr wurden im Auftrag der Kommunalen Betriebe Rödermark (KBR) rund 2 100 Tonnen eingesammelt. Die Einnahmen von rund 220.000 Euro reduzieren das Defizit in anderen Bereichen der Entsorgung. Fehlt das Geld, muss der Gebührenzahler diese Lücke schließen.

„Eingriff in die Abfallwirtschaft“

Wer auf der Straße lagernden Müll einsammelt, begeht nach Auskunft von Polizeisprecher Henry Faltin einen „Eingriff in die Abfallwirtschaft“, was per se erst einmal nichts Böses ist. Nimmt er anderen - im Fall des Rödermärker Altpapiers also den KBR - einen „geldwerten Vorteil“, macht er sich der Unterschlagung oder des Diebstahls schuldig. Allerdings, so Faltin, wurde im Dienstbezirk des Polizeipräsidiums Südosthessen, der vom Kreis Offenbach bis weit in die Wetterau reicht, noch kein einziger Fall von Altpapierdiebstahl angezeigt.

In einer Grauzone bewegen sich Schrottler, die die Leute nach Waschmaschinen, Herden oder Kühlschränken fragen und dabei auch vor Lügen nicht zurückschrecken. „Die Stadt nimmt keine Elektrogroßgeräte mehr an“, bekam kürzlich ein verdutzter Rödermärker zu hören.

Alte Elektrogeräte umweltverträglich entsorgen

Stimmt nicht, kontert Sturm. Ausrangierte Haushaltsgeräte werden nach wie vor kostenlos bei der Sperrmüllabfuhr mitgenommen oder können ebenfalls kostenlos zu Remondis nach Hausen gebracht werden.

Bei ehemals Weißer Ware ist’s weniger der finanzielle als der ökologische Aspekt, der Sturm zu einer öffentlichen Warnung veranlasst: „Neben wertvollen Materialien, die als sekundäre Rohstoffe zurück gewonnen werden können, enthalten Haushaltsgeräte eine Vielzahl an Umwelt gefährdenden Schwermetallen wie Blei, Arsen, Cadmium, Quecksilber und verschiedene Halogenverbindungen. Aus diesem Grunde müssen alte Elektrogeräte umweltverträglich verwertet beziehungsweise entsorgt werden.“

Markus Wehner, der Vorsitzende der Kolpingsfamilie Ober-Roden, sieht der Kleidersammlung am 10. September mit einer Portion Bammel entgegen. „Der Preis ist auf einem Hoch. Für die Tonne kriegen wir etwa 230 Euro, da ist die Gefahr natürlich groß“, schwant ihm Übles. Zumal in den vergangenen Jahren regelmäßig morgens ein weißer „Sprinter“ vor den Kolping-Fahrzeugen seine Runde drehte.

Quelle: op-online.de

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