Geduld ist erste Brauertugend

Dieter Frank macht sein eigenes Bier

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Die kupferne „Brau-Eule“ ist Dieter Franks wichtigstes Gerät. Zum ersten Mal braute er 2016 mit Ralf Kämmerer und dem Männerkochkurs im Haus Morija.

Ober-Roden -   Dieter Frank ist Getränkehändler und Hobbybrauer. Verdirbt er sich mit seiner Freizeitbeschäftigung das Geschäft? Oder vergrößert er damit sein Sortiment? Nichts von beidem: Von Michael Löw 

Wenn Dieter Frank braut, tut er’s in kleinen Mengen, weil sonst der Zoll Steuern kassiert. Und er schenkt das Bier für einen guten Zweck oder unter Freunden aus. Bier begleitet Dieter Frank schon ein halbes Berufsleben. Der heute 70-Jährige hat eigentlich Dreher gelernt, arbeitete später aber 14 Jahre als Brauer in Darmstadt. Genauer gesagt: als Montag-bis-Mittwoch-Brauer. Denn nur in der ersten Wochenhälfte wurde Bier erzeugt. Danach war Dieter Frank Bierkutscher, weil er einen Zweier-Führerschein für Lastwagen besaß. 1983 eröffnete er einen Getränkevertrieb in der Ober-Röder Pfarrgasse.

Aufs Bier als Hobby brachte ihn sein Sohn Michael. „Wir könnten doch mal selbst brauen“, schlug der Junior dem Senior vor und packte den gleich bei der Berufsehre: „Aber nicht im Kochdippe“, verlangte Dieter Frank Professionalität. Er ließ seine Kontakte nach Darmstadt spielen und darf seither von seinem früheren Oberbraumeister eine Mini-Sudanlage leihen. „Brau-Eule“ heißt das gut 3 000 Euro teure Gerät, mit dem sonst die Lehrlinge auch mal Biere jenseits des gewohnten Geschmacks ansetzen dürfen.

Sogar das Wasser holt Frank bei seinem Ex-Arbeitgeber. Denn der am häufigsten unterschätzte Bier-Rohstoff muss weich sein. In Zahlen ausgedrückt: Wasser mit Härtegrad 14, das in Ober-Roden aus der Leitung kommt, gibt kein gescheites Bier. Er nimmt welches, das durch italienischen Marmor gelaufen ist und Härtegrad 4 hat. „Ich nehme immer 100 Liter. Dann habe ich auch meine Fässer“, sagt Dieter Frank.

Selbstgebrautes vom Fass? Ja, das geht - sofern man die richtige Ausrüstung hat. Ralf Kämmerer, der Jügesheimer Koch des Altenheims Haus Morija, und sein Männerkochkurs waren im Februar 2016 Franks erste Versuchskaninchen. Um das Ergebnis vorwegzunehmen: Pils und Craftbier haben geschmeckt!

Und die Männer haben gelernt, dass Bierkaufen einfacher ist als Bierbrauen. Zuerst hat Dieter Frank mit ihnen geschrotete Gerste, das Malz, mit 55 Grad warmem Wasser eingemaischt und der Mischung fünf Minuten Ruhe gegönnt. Mit mehrfacher Rast - so heißen die Pausen im Brauer-Deutsch - wurde die Maische schließlich auf 75 Grad erhitzt, damit sich das Malz in Zucker umwandelt.

Wie werde ich..? Brauer und Mälzer

Mit einer Jodprobe stellt Dieter Frank fest, ob dieser Prozess erfolgreich war. Ist die Probe goldgelb, ist der richtige Grad der Verzuckerung erreicht. Solange sie blau wie Tinten bleibt, muss man abwarten. In einem der nächsten Arbeitsschritte wird die Maische mit 75 bis 80 Grad warmem Wasser übergossen und weiter ausgelaugt. „Das ist wie beim Kaffeefilter“, veranschaulicht Dieter Frank das Prozedere. Die klare Flüssigkeit, die unten rausläuft, nennt man Würze. Die wird in der Sudpfanne mit Hopfen 70 Minuten lang gekocht, dann abkühlen lassen und mit Hefe versetzt. Denn nur so bildet sich Alkohol.

Wer jetzt auf ein kühles Selbstgebrautes hofft, wird von Dieter Frank milde belächelt. Eine Woche bis zehn Tage lässt er den Ansatz in einem offenen Bottich gären, danach erst wird er ins Fass abgefüllt.

Und dann kommt der große Moment: Frank hält ein speziell geformtes Craftbier-Glas unter den Zapfhahn und lässt’s laufen. Dass im Glas zunächst fast nur Schaum zu sehen ist, ist kein Indiz fürs falsche Handling. Im Gegenteil: Ein gutes Craftbier braucht mehr Zeit als ein Pils. Und man trinkt’s auch langsamer - Schluck für Schluck, um die vielfältigen Aromen zu schmecken. Dieter Frank hat für das Ortskernfest am 29. Juli ein 20-Liter-Fass selbstgebrautes Craftbier aufgehoben. Das können die Besucher dann in kleinen Schlucken wie guten Wein verkosten.

Nicht nur Männersache - Bierbaden in Neuzelle

Quelle: op-online.de

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