Domino-Effekt der Investitionen

Ober-Roden - Massive Aufwertung öffentlicher Plätze und privater Grundstücke, eine Perlenreihe bis hin zum Bahnhof, für alle ein Gewinn: Wohl selten hat ein Bauvorhaben so viel Vorschusslorbeeren bekommen wie die Umgestaltung von Ober-Rodens Mitte. Von Michael Löw

Gegen 22.45 Uhr am Dienstagabend gab die Stadtverordnetenversammlung einstimmig grünes Licht für das 730 000 Euro teure Vorhaben, das aus dem Konjunkturprogramm finanziert wird und die Stadt - zunächst einmal - nichts kostet.

Zitate:

„Wir müssen heute aus dem Saal kriechen. So viele Orden haben wir
uns umgehängt.“
Jörg Rotter (CDU)

„Wir haben hier kein Alleinstellungsmerkmal wie eine Burg (...), nicht mal einen
Mc Donalds.“
Manfred Rädlein (FDP)

„Das wird so schön sein wie im Urlaub.“
Karin von der Lühe (AL)

Was haben die Parlamentarier beschlossen? Frankfurter beziehungsweise Dieburger Straße werden nach den Vorschlägen des Darmstädter Planungsbüros Begher zwischen Schul- und Heitkämperstraße gepflastert, das Pflaster zieht sich auch in die beiden Seitenstraßen hinein. Der Gehweg wird verbreitert, liegt auf gleichem Niveau und wird durch eine 50 Zentimeter breite Rinne von der nur noch fünf Meter schmalen Fahrbahn getrennt. Kirch- und Marktplatz erhalten ebenfalls ein Pflaster. Das soll sie zur Straße hin öffnen und ihre Nutzungsmöglichkeiten erhöhen. Die Zahl der Parkplätze am Straßenrand steigt von 17 auf 31, weitere 22 werden hinter dem Zehnthof gebaut.
Offen blieb die Farbe des Pflasters („Herbstlaub“, „Granit rot“ oder „Granit grau“) und die Frage der Abgrenzung von Fahrbahn und Gehweg. Die SPD hatte eine drei Zentimeter hohe Kante gefordert, damit Blinde den Übergang erfühlen können. CDU, AL und FDP lehnten dies aus Rücksicht auf Rollstuhlfahrer und Gehbehinderte ab. Jetzt soll‘s der Magistrat klären.

Ob der Bedeutung der Ortskernsanierung hatten sich die Fraktionen im Ältestenrat acht Minuten Redezeit zugestanden und nutzten sie auch. „Wir sind fast am Ziel angelangt, die Ortskernsanierung ist ein Gewinn für alle“, fasste sich Bürgermeister Roland Kern noch recht kurz.

Tobias Kruger (CDU), Manfred Rädlein (FDP) und Karin von der Lühe (AL) würdigten ausführlich die Initiativen, die ihre Partei zur Wiederbelebung des Zentrums angestoßen haben. Der erhoffte Erfolg hat bekanntlich viele Eltern.

Lebenswerter für Anwohner und attraktiver für Einkäufer

Die Sprecher aller Parteien setzten darauf, dass öffentliche Investitionen in einer Art Domino-Effekt private Investitionen nach sich ziehen und den Ortskern insgesamt lebenswerter für Anwohner und attraktiver für Einkäufer machen. Einig war man sich auch darüber, dass der Umbau von 200 Metern Hauptstraße nur ein erster Schritt sein kann; Rädlein nannte den Bahnhof als südliches Ende des Sanierungsgebietes.

Der Vorsitzende der SPD-Fraktion Armin Lauer bremste die allgemeine Euphorie mit dem Hinweis auf mögliche Klagen von Blindenverbänden gegen die fehlende Bordsteinkante. Er stieß erneut eine verkehrspolitische Debatte an: Die von allen Parteien gewollte Gleichberechtigung von Autos, Bussen, Fahrrädern und Fußgängern bedeute in letzter Konsequenz, dass die Stadt die Vorfahrtsregelung aufheben müsse. Langfristig müsse sie überlegen, ob Ober-Rodens Mitte eine Tempo-30-Zone oder ein verkehrsberuhigter Bereich werden soll.

Hans Gensert (FDP) lehnte eine Überregulierung ab: Im „shared space“ - so heißt der geteilte Verkehrsraum, in dem alle gleiche Rechte genießen, im Planer-Englisch - bewegten sich alle Beteiligten „wie auf der Eisbahn“. Nämlich voller Rücksicht wegen der Glätte.

Quelle: op-online.de

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