Videokamera filmt maskierte Täter

Doppelter Überfall auf Wettbüro

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Ober-Roden/Darmstadt - Zwei Raubüberfälle innerhalb von zwei Stunden aufs gleiche Wettbüro: Das wirft die Staatsanwaltschaft vier jungen Männern vor, denen das Landgericht Darmstadt den Prozess macht.

Ein Überfall wurde exakt dokumentiert - hier der Blick zurück auf den 1. Februar. Die interne Zeitmessung der Videoaufzeichnung in einem Ober-Röder Wettbüro zeigt 22.45:20 Uhr. Zwei Gestalten mit Blue Jeans, schwarzen Kapuzenpullis und Sturmmasken betreten den leeren Raum. Einer der schlanken Männer hält eine Pistole in der Hand, zielsicher stürzen sie auf den Tresen zu. Der Kassierer gibt sofort drei Päckchen Scheine aus einer Geldschublade und einer Tasche heraus. Der Bewaffnete steckt die Beute mit der linken Hand in die Hosentasche, beide fliehen. Auf der Video-Uhr sind gerade mal 18 Sekunden vergangen. Die Beute der räuberischen Erpressung: ganze 800 Euro. Für diesen Coup sitzen die mutmaßlichen Täter aus Rödermark (18 und 20) und zwei Komplizen nun vor der 10. Strafkammer des Landgerichts Darmstadt. Der vorsitzende Richter Jens Aßling ließ die Dokumentation aus vier Kameraperspektiven am ersten Verhandlungstag vorführen.

Ein 18-jähriger Rodgauer soll vor dem Wettbüro Schmiere gestanden haben, der vierte im Bunde, ein 23-Jähriger aus Eppertshausen, unterstützte das Trio wahrscheinlich bei dem zweiten Überfall, der zwei Stunden nach dem ersten folgte. Enttäuscht über die geringen „Einnahmen“ - der 18-jährige Rödermarker hatte im Vorfeld angeblich 8000 Euro ausspioniert - versuchten sie an gleicher Stelle erneut ihr Glück, frei nach dem Motto: Die versprochene Kohle muss doch irgendwo sein. Alle vier begaben sich erneut zum Wettbüro und warteten vor dem Gebäude, bis der Kassierer heraus kommt.

Als sich dieser dann mit einem Begleiter in sein Auto setzt, soll der maskierte Rodgauer im gleichen Moment auf dem Rücksitz Platz genommen haben. Hier soll er laut Anklage demonstrativ die Pistole durchgeladen und dem Kassierer an den Hinterkopf gehalten haben. Die ganze Aktion lief auch diesmal nicht wie geplant, man könnte auch ironischerweise sagen: Außer Spesen nichts gewesen, lediglich 20 Euro und ein Lottoschein wechseln den Besitzer, die Täter flüchten, verletzt wurde niemand.

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Alle vier Angeklagten schweigen bisher vor Gericht, laut ihren Verteidigern sollen die Aussagen „zu gegebenem Anlass“ erfolgen - wann auch immer der sein mag. Dazu Richter Aßling: „Sie wissen ja, dass ein Geständnis umso mehr wert ist, je früher es erfolgt!“. Gesichter sind auf den Filmen nicht zu erkennen, aber niemand streitet seine Beteiligung ab. Das wäre auch eher widersinnig, denn das Männerquartett ist auf seiner Flucht am 2. Februar in eine Oberurseler Polizeikontrolle geraten, wo die Beamten Sturmmasken, eine Schreckschusspistole und das erbeutete Geld sicherstellen konnten. Drei der Angeklagten haben zudem Eintragungen im Bundeszentralregister, sind also keine unbeschriebenen Blätter. Der Prozess wird im neuen Jahr fortgesetzt.

gel

Quelle: op-online.de

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