Zu Fuß fast schneller gewesen

Dreieichbahn: Mehr als drei Stunden vom Hauptbahnhof nach Ober-Roden

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Wenn die Dreieichbahn pünktlich fährt, ist's eine feine Sache, doch wenn sie stundenlange Verspätungen hat, rauft sich mancher die Haare.

Rödermark - Mehr als drei Stunden braucht eine Gruppe von Rathausmitarbeitern, um mit der Dreieichbahn vom Frankfurter Hauptbahnhof nach Ober-Roden zu kommen. Normalerweise dauert die Fahrt 35 Minuten. Von Michael Löw 

Kaum ist der Ärger über die Riesenverspätung verraucht, beginnt der Kampf um die Rückerstattung des Fahrpreises. Ordnungsamtsleiter Artur Singer und seine Kollegen haben beim Betriebsausflug ein paar nette Stunden in Frankfurt verbracht. Um 17.15 Uhr steigen sie im Hauptbahnhof in die Dreieichbahn ein, um 17.47 Uhr wollen sie in Urberach, um 17.50 Uhr in Ober-Roden sein. Um 20.40 Uhr haben sie es schließlich geschafft.

Der Ärger beginnt wenige Kilometer nach dem Start. Zwischen Neu-Isenburg und Buchschlag stoppt der Zug auf offener Strecke: „Störung“ lautet die lapidare Auskunft. 20 Minuten später geht"s weiter nach Buchschlag. Dort dauert die nächste Zwangspause schon eine halbe Stunde. Immerhin bekommen die Passagiere eine präzise Information. Der Zug, der um 16.57 Uhr in Ober-Roden losgefahren war, hat einen Defekt und muss abgeschleppt werden. Damit ist die eingleisige Strecke zwischen Buchschlag und Rödermark dicht. Der Zug mit den Rathausmitarbeitern und rund 50 weiteren Passagieren darf wenigstens bis Götzenhain fahren.

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„Dort mussten wir aussteigen und sollten auf dem Bahnhofsvorplatz auf den Schienenersatzverkehr warten. Unser Zug fuhr zurück nach Frankfurt“, berichtet Singer und verliert nach einer weiteren Stunde Warten langsam die Geduld. Er ruft beim Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) an: Dem ist die Störung bekannt, vom versprochenen Ersatz weiß der RMV aber nichts: Der nächste Zug der Dreieichbahn habe Frankfurt verlassen, komme pünktlich in Götzenhain an und fahre mit 20 Minuten Verspätung weiter. Singer und seine Kollegen kriegen große Augen. Denn es ist der selbe Zug mit dem selben Lokführer, der sie vor gefühlten Ewigkeiten hat aussteigen lassen.

Die zwei Stationen bis Urberach schafft die Dreieichbahn ohne Problem, aber dort ist die nächste Zwangspause. Die Fahrgäste wissen wenigstens warum: Rangierarbeiten in Ober-Roden verhindern die Weiterfahrt. Einige Ober-Röder Passagiere laufen heim. Singer will"s wissen und bleibt sitzen. Um 20.40 Uhr rollt der Zug in Ober-Roden ein – fast drei Stunden später als geplant.

Den Ärger über den Bummelzug und die nie in Marsch gesetzten Busse hat Artur Singer mittlerweile verdaut. Jetzt will er den RMV mit seiner „10-Minuten-Garantie“ beim Wort nehmen und kämpft um die Rückerstattung des Fahrpreises. Die Ausflügler waren mit zwei Gruppentageskarten zu jeweils 28,90 Euro unterwegs.

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Unsere Zeitung wollte wissen, wie groß die Chancen sind und fragte beim RMV nach: Kommt ein Kunde mit zehn Minuten oder mehr Verspätung am Ziel an, zahlt der RMV pro Karte bis zu sechs Euro zurück, Zeitkarten werden anteilig erstattet.

Den gestrandeten Rödermärkern gegenüber will sich der Verkehrsverbund großzügig zeigen: „Aufgrund der außergewöhnlichen Umstände bieten wir dem Kunden allerdings auf Kulanz eine vollständige Rückerstattung beider Gruppentageskarten an“, schreibt der RMV in einer E-Mail an die Rödermark-Redaktion unserer Zeitung.

Quelle: op-online.de

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