15 Jahre Dreieichbahn

RMV trübt die Geburtstagsfreude

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„Rückgrat für den Nahverkehr“: So schrieb unsere Zeitung am 25. Mai 1998 über den Start der Dreieichbahn. Kurt Krummholz hat die 15-jährige Geschichte dieser Zugverbindung nahezu lückenlos dokumentiert. 

Rödermark - Pannen, Verspätungen, Zugausfälle: Der Start der modernisierten Dreieichbahn vor 15 Jahren war mehr als holprig. Seit jenem 24. Mai 1998 hat sich einiges getan.

Die Züge von Buchschlag über Urberach und Ober-Roden bis nach Dieburg sind nicht nur nach Ansicht der Nutzerinitiative Dreieichbahn ein Paradebeispiel für funktionierenden Nahverkehr. Doch die Geburtstagsfreude ist getrübt.

Der Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) schreibt die Strecke neu aus, und das treibt Kurt Krummholz, dem Urberacher Vertreter der IG Dreieichbahn, Sorgenfalten auf die Stirn. Im Herbst vorigen Jahres war durchgesickert, dass der RMV das Platzangebot reduzieren und den 30-Minuten-Takt vormittags kippen will. Die Nutzerinitiative machte über die Parlamente in Rödermark, Dreieich und Neu-Isenburg Druck, der RMV überarbeitete seine Ausschreibung.

Konzept funktioniert

Krummholz und seine Mitstreiter sehen keinen Anlass, ein funktionierendes Konzept zu ändern. Denn das Datum 24. Mai 1998 habe eine „geradezu revolutionäre Trendwende im Bahnverkehr“ markiert. Die modernisierte Dreieichbahn habe den Zug wieder zu einer attraktiven Alternative zum Straßenverkehr. Das Angebot explodierte von 100 Zugfahrten pro Woche auf 450. Seither gibt es im Berufsverkehr einen teilweise bis auf 15 Minuten verdichteten Takt, tagsüber fahren die Züge in einem verlässlichen 30-Minuten-Abstand, und auch samstags und sonntags fährt die Dreieichbahn mindestens jede Stunde.

„Möglich wurden diese Verbesserungen durch 15 Jahre Engagement der Interessengemeinschaft Dreieichbahn, der - Vorläuferin der heutigen Nutzerinitiative - und die tatkräftige Unterstützung von zahlreichen Mandatsträgern nahezu aller Parteien entlang des Schienenstrangs“, lobt der frühere SPD-Stadtverordnete Krummholz seine Politikerkollegen.

Auf der 23,5 Kilometer langen eingleisigen Strecke wurden für 30,4 Millionen Mark ein zweites Gleis verlegt und moderne Signaltechnik installiert. Die Anliegerkommunen beteiligten sich mit knapp einem Drittel am Ausbau. Die Deutsche Bahn investierte 11,4 Millionen Mark für neue Triebwagen.

Enorme Resonanz auf Verbesserung

Die Resonanz auf die Angebotsverbesserung war enorm. Ursprünglich hatte die Dreieichbahn mit täglich 700 neuen Passagieren gerechnet. Tatsächlich aber stiegen rund 2000 Autofahrer auf die Bahn um. Vielleicht, weil sie sonst an den häufiger und länger geschlossenen Schranken entlang der Strecke hätten warten müssen...

Zum 15. Geburtstag wünscht sich Krummholz ein Bekenntnis des RMV zur Dreieichbahn. Kommunen und Fahrgäste wüssten nicht, ob ihre Forderungen nach dem Erhalt des Taktverkehrs wirklich berücksichtigt wurden. Die Nutzerinitiative fordert den RMV auf, das Versteckspiel zu beenden und offenzulegen, ob der heutige hohe Angebotsstandard auch für die Zukunft gesichert ist. Ein schönes Extrageschenk wäre der Bau der Regionaltangente West, die Rödermärker Bahnkunden direkt zum Flughafen bringen würde. Bis es soweit ist, feiert die Dreieichbahn aber wahrscheinlich ihren 30. Geburtstag.

Quelle: op-online.de

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