Politiker und Pendler fordern zweigleisigen Ausbau

Mammutprojekt: Dreieichbahn als zweite S-Bahn 

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Muss die Dreieichbahn aufs Abstellgleis? Nein, so schlimm ist’s noch lange nicht. Aber Pendler und Politiker entlang der Strecke fordern den zweigleisigen Ausbau und eine Elektrifizierung bis nach Dieburg. Im Klartext: eine zweite S-Bahn.

Ober-Roden - Haben die Rödermärker Stadtverordneten ein neues Mammutprojekt angestoßen? Quer durch alle Fraktionen fordern sie den Magistrat auf, sich einer Initiative aus Dreieich anzuschließen und die südlichen Nachbarkommunen für den Ausbau der Dreieichbahn zur S-Bahn zu gewinnen. Von Michael Löw 

Die Diskussion um Pendlerautos mit DA- oder DI-Nummernschild, die die Straßen rund um den Ober-Röder Bahnhof zuparken, hat’s wieder einmal deutlich gemacht: Vielen Eppertshäusern, Münsterern und Dieburgern sind die Bahnverbindungen in ihren Heimatorten nicht attraktiv genug. Sie setzen sich für die erste Etappe ins Auto und steigen in Ober-Roden in die S 1, die sie nonstop nach Frankfurt bringt. Doch nicht nur deshalb werden die Forderungen immer lauter, die Dreieichbahn (RB 61) zur S-Bahn aufzuwerten: Der zweigleisige Ausbau plus Elektrifizierung auf der ganzen Strecke zwischen Buchschlag und Dieburg sei unabdingbar, um dem prognostizierten Einwohnerwachstum auch im Süden des Rhein-Main-Gebiets Herr zu werden. Eine S-Bahn bis nach Dieburg biete Beförderungskapazitäten und verhindere den Kollaps auf den Straßen.

Unter dem Tenor „Visionen statt Klein-Klein“ (AL-Fraktionsvorsitzender Stefan Gerl) fordern alle fünf Fraktionen im Rödermark-Parlament den Magistrat auf, sich der Initiative aus Dreieich anzuschließen, die die Regionalbahn 61, so die offizielle Bezeichnung, zur S-Bahn machen will. Auch Eppertshausen, Münster und Dieburg sollen mitmachen. Seit 2003 ist die S 1 sozusagen die Hauptverbindung von Frankfurt nach Rodgau, Rödermark und den Nachbarstädten im Kreis Darmstadt Dieburg. Das könnte sich ändern, wenn die Bahn die Regionaltangente West baut, die von Eschborn und Höchst zum Flughafen führt und in Buchschlag enden soll. Damit gewinnt der Startpunkt der Dreieichbahn immens an Bedeutung.

Die Stadtverordneten wissen, dass deren Ausbau keine Sache von heute auf morgen ist. „Haben wir ausreichend dicke Bohrer, um dieses Brett zu bohren?“, fragt Christian-David Bombelka von der FDP. Das Brett ist wahrscheinlich ein ausgewachsener Baumstamm. Bis der S-Bahn-Ast - um im Bild zu bleiben - von Offenbach nach Ober-Roden gewachsen war, vergingen Jahrzehnte. Schon in den sechziger Jahren wurden in allen Orten entlang der alten Bahnlinie Baugebiete mit dem Hinweis auf die schnellen Verbindungen nach Frankfurt erschlossen. Der Finanzierungsvertrag wurde schließlich am 21. Februar 1997 unterzeichnet, die ersten elektrisch betriebenen Züge fuhren im Dezember 2003.

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600 Millionen Mark hat der Bau der S 1 gekostet. Auf fast 29 Kilometern wurde ein zweites Gleis verlegt und die Strecke komplett elektrifiziert und mit neuer Signaltechnik ausgerüstet. 15 Bahnübergänge wurden beseitigt. Was könnte also der Ausbau der Dreieichbahn kosten? Dazu gibt’s noch keine Schätzungen. Auf Nachfrage unserer Zeitung konnte die Bahn-Pressestelle in Frankfurt nicht einmal sagen, mit wie viel Euro sie den Bau eines Kilometers S-Bahn im günstigsten und im ungünstigsten Fall kalkuliert.

Quelle: op-online.de

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