Schadenersatz erpresst

Selbstjustiz endet vor Gericht

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Rödermark/Darmstadt - Zu einem Jahr und neun Monaten Haft auf Bewährung wegen versuchter Nötigung und unerlaubtem Waffenbesitz hat das Amtsgericht Darmstadt einen 65-jährigen aus Titz im Kreis Düren verurteilt.

Der ehemalige Fremdenlegionär wollte vom einem Ober-Röder Finanzkaufmann Schadenersatz erpressen. An der Reaktion des früheren Legionärs war der Kaufmann nicht ganz unschuldig. Er hatte dem Ex-Söldner sechs Eigentumswohnungen in Ost- und Norddeutschland weit über dem eigentlichen Wert verkauft. Nach Abschluss der Verträge tauchten immer mehr Ungereimtheiten auf. Dem Angeklagten entstanden Kosten in Höhe von 150.000 Euro. Gegen den Ober-Röder Kaufmann läuft inzwischen ein Betrugsverfahren, in dem vor kurzem Anklage erhoben wurde.

Auch der frühere Legionär musste allerdings vor Gericht. Denn statt wegen des krummen Wohnungsgeschäfts zur Staatsanwaltschaft zu gehen, wählte er den Weg der Selbstjustiz. Für einen Mann kurz vor der Rente wohl nicht ganz alltäglich. Naheliegend aber, wenn man dessen Lebenslauf betrachtet. Den schmückt eine kriminelle Karriere mit 21 Eintragungen im Bundeszentralregister. Von 1962 bis 2010 liest man sich dort einmal quer durchs Strafgesetzbuch: schwerer Diebstahl, räuberische Erpressung, Urkundenfälschung, Körperverletzung, Verstoß gegen das Waffen- und das Kriegswaffenkontrollgesetz, Betrug, Hehlerei. Also sendet der Senioren-Gangster dem Kaufmann aus Ober-Roden mehrere Droh-SMS, in denen er ihn zur Zahlung der 150.000 Euro mit genauen Angaben zur Geldübergabe auffordert. Sollte er dem nicht Folge leisten, droht er, mit den Geschäftsunterlagen - die Betrug und Urkundenfälschung beweisen würden - zur Polizei zu gehen.

Der Kaufmann schaltet aber selbst die Polizei ein und geht zum Schein auf die geplante Geldübergabe ein. Er steckt eine weiße Plastiktüte in einen Müllcontainer auf dem Parkplatz des Main-Taunus-Zentrums. Bei dem Versuch, sich das vermeintliche Geld zu holen, schnappt die Falle zu: der ehemalige Soldat wird festgenommen. Und die Beamten werden gleich nochmal fündig: Im Audi A8 des Täters finden sich eine halbautomatische Pistole Walther P38, 126 Patronen, zwei Skimasken und Panzerklebeband. Ob er damit seiner Forderung Nachdruck verleihen wollte, konnte nicht bewiesen werden.

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Als „haarscharf an der Grenze zur Erpressung“ bezeichnet Amtsrichter Henning Müller das Tatgeschehen in seiner Urteilsbegründung, „Das ist kein Fall von normaler Nötigung, hier geht es um eine kriminelle Energie ganz anderen Kalibers.“ Er brummt dem Seniorengauner neben der Haftstrafe mit vier Jahren Bewährungszeit zusätzlich 120 Stunden gemeinnützige Arbeit auf. Die Staatsanwaltschaft hatte sogar 300 Stunden gefordert - die erschien dem Richter aber aufgrund des angeschlagenen Gesundheitszustands des geständigen Täters als zu hoch gegriffen.

gel

Quelle: op-online.de

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