Selbstmord nach Angriff auf Frau

Ehestreit endet mit zwei Toten: Neue Details

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Am Bahnübergang Zilliggarten warf sich der 49-Jährige, der am Mittwochnachmittag seine Frau getötet hatte, vor einen Zug der Dreieichbahn. Polizei und Feuerwehr hatten den Übergang im Urberacher Feld weiträumig abgesperrt. Gegen 18.15 Uhr gab die Kripo den Leichnam zum Abtransport frei.

Urberach - Ein 49-Jähriger hat am Mittwochnachmittag im Streit seine Frau (47) getötet und sich wenig später vor die Dreieichbahn gestürzt. Das teilten gestern Polizei und Staatsanwaltschaft in einer gemeinsamen Erklärung mit. Von Michael Löw und Bernhard Pelka 

Die beiden Toten stammen aus Rumänien und arbeiteten als private Krankenpfleger. Nach dem bisherigen Stand der Ermittlungen spielte sich das Beziehungsdrama in einem Mehrfamilienhaus an der Kinzigstraße so ab: Gegen 16 Uhr eskaliert ein schon länger schwelender Streit, der Mann greift seine Frau an und tötet sie. Ein Nachbar hört Schreie und findet die Tote im Keller des Mehrfamilienhauses. Der 49-Jährige flüchtet mit seinem Auto. Die Polizei löst - wie bei Tötungsdelikten üblich - eine Großfahndung aus, ihr Hubschrauber kreist mehr als eine halbe Stunde über Urberach. Bevor die Polizei eine heiße Spur des Mannes hat, begeht er Selbstmord. Um 16.30 Uhr wirft er sich am Übergang Zilliggarten vor den Zug der Dreieichbahn, der eine Minute zuvor am Urberacher Bahnhof Richtung Buchschlag gestartet war.

Der Täter hält sich zum Tatzeitpunkt in dem Haus an der Kinzigstraße in der Wohnung eines älteren Mannes auf, um ihn zu betreuen. Eine Nachbarin ist der Meinung, der Pfleger habe dort quasi gewohnt. Selbst Mieter über dieser Wohnung kannten den Täter aber nicht näher.

Schreckliche Schreie im Haus gehört

Eine Nachbarin sagte gestern gegenüber unserer Zeitung, sie habe gegen 16 Uhr schreckliche Schreie im Haus gehört. „Ich bin sofort raus und habe dann gemerkt, das kommt aus der Waschküche. Ich dachte, es hat sich jemand verletzt. Irgend etwas hat mich davon abgehalten, gleich runterzugehen.“ Die Frau ist im Nachhinein froh, nicht sofort weiter nach der Ursache der Schreie geforscht zu haben. „Vielleicht hätte der mir auch etwas angetan.“ Die Zeugin sieht den Täter dann, wie er mit seinem Auto davonfährt. Zusammen mit ihrem Lebensgefährten geht die Frau in den Keller. „Dort haben wir dann das Blut und alles gesehen. Es war schrecklich. Das ist ein Schock, den man erst mal verdauen muss.“ Weshalb das Opfer sich in dem Haus aufhielt, ist der Nachbarin rätselhaft. „Vielleicht war das alles geplant.“ Die Frau kann auch am Morgen danach noch nicht begreifen, was geschehen ist. Sie kennt die Kinzigstraße als ausgesprochen ruhige Wohngegend im Urberacher Westen.

Warten auf das Obduktionsergebnis

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Nina Reininger, die Sprecherin der Staatsanwaltschaft Darmstadt, wollte sich gegenüber unserer Zeitung nicht zur Todesursache äußern: „Ich sage erst etwas dazu, wenn ich das Obduktionsergebnis habe.“ Nähere Erkenntnisse, wie die Frau gestorben ist, erwartet sie frühestens Anfang nächster Woche. Wegen des Selbstmordes war die Bahnstrecke zwischen Urberach und Offenthal bis 18.25 Uhr gesperrt. Sechs Züge fielen aus, in dieser Zeit fuhren Busse. Ein Extrabus holte die 20 Reisenden des Unglückszuges im Bulauweg ab. Der Lokführer wurde von einem Notfallmanager der Deutschen Bahn betreut.

Nach Auskunft einer Unternehmenssprecherin suchen pro Jahr rund 700 Menschen den Freitod auf Schienen. Statistisch gesehen erlebt jeder der 20.000 Lokführer in seinen 45 Berufsjahren zwei Selbstmorde. Jährlich sind 30 Lokführer so stark traumatisiert, dass sie innerhalb des Konzern den Job wechseln.

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Quelle: op-online.de

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