Diebe im Hotel „Odenwaldblick“

Einbruch vor laufender Kamera

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Unbeeindruckt von der laufenden Überwachungskamera suchten die Einbrecher in der Hotel-Gaststätte nach Beute. Erst als sie sich an den Safe ranmachten, hängten sie das Objektiv zu.

Urberach - Zum zweiten Mal innerhalb weniger Monate gingen Profi-Einbrecher gestern Nacht im Hotel „Odenwaldblick“ auf Beutezug. Sie ließen sich weder von der laufenden Überwachungskamera noch von der Tatsache, dass die meisten Zimmer belegt waren, stören. Von Michael Löw 

Aus dem Safe stahlen sie rund 3000 Euro. Der Urberacher Hotelier Hans Gensert war schon in der Nacht vom 24. auf den 25. September Opfer eines Einbruchs geworden. Daraufhin rüstete er in Sachen Sicherheit auf: Die Videokameras wurden modernisiert und blicken in jeden Winkel, der Safe wurde an einem anderen Ort des Gastraums eingebaut, zwei Zentimeter dicke Stahlstäbe schützen die Fenster von Küche und Lager. Doch selbst diese Stäbe waren in der Nacht zu gestern kein Hindernis für die Einbrecher. Sie waren über ein Nachbargrundstück an die Gebäuderückseite gelangt, setzen ein meterlanges Brecheisen an und hebelten die Stahlstange samt Putz aus der Wand.

Drinnen gerieten sie um 0.17 Uhr ins Visier der ersten Kamera: Das Video zeigt, wie sich zwei Männer durchs geknackte Fenster schieben und von der Küche in den Gastraum gehen. Einer steuert zielstrebig den hinteren Teil des Tresens an. Gensert ist sicher: „Das waren die gleichen wie im Herbst. Denn genau da befand sich damals der Tresor!“ Den entdecken sie wenig später in einer anderen Ecke des Lokals. Einer der Männer hält kurz die Hand vor die Kameralinse, dann machen er und sein Komplize sich an die Arbeit. Ein erster Versuch scheitert, sie holen schweres Werkzeug und einen Zehn-Liter-Kanister, dessen Inhalt sie über Safe, Theke und Fußboden verschütten.

So schützen Sie sich vor Einbrechern

So schützen Sie sich vor Einbrechern

Mit brachialer Gewalt hatten die Ganoven eine Stahlstange aus der Wand gerissen und sich durchs Fenster in die Küche gewunden. Überall verschütteten sie eine klebrige Flüssigkeit, vermutlich Säure, um ihre Spuren zu verwischen. Hotelier Hans Gensert ist froh, dass es keine stinkende Buttersäure war: „Dann hätten wir für ein paar Tage schließen müssen.“

Mit der ebenso ätzenden wie klebrigen Flüssigkeit erschweren Einbrecher die Spurensuche. Dass es sich um ausgebuffte Profis handelte, zeigt auch die Kleidung: helle Hose, heller Kapuzenpulli, helle Sturmmaske. Das lässt die Kontraste der Kameras verschwimmen. Genserts Videoaufzeichnung endet nach gut 13 Minuten, dann ist der Spuk vorbei. Die Einbrecher verschwinden mit 3000 Euro und hinterlassen einen Schaden, den das Opfer auf 6000 bis 7000 Euro schätzt. Besonders bitter für Hans Gensert: Ein Hotelgast hatte gegen halb eins ein Geräusch gehört. Er dachte aber, einer seiner Zimmernachbarn schaue einen Krimi im Fernsehen an.

Quelle: op-online.de

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