„Eine Frage der Selbstachtung“

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Horst Möhwald hört als MTV-Sportvorstand auf.

Urberach ‐ Rödermarks größter Verein, der MTV Urberach, steckt nach gerade überwundener Finanzkrise nun in einer Führungskrise. Sportvorstand Horst Möhwald legte sein Amt bei der Hauptversammlung nieder, ein Nachfolger konnte nicht gefunden werden. Von Michael Löw

Schon seit 2009 ist der Posten des Vorstands „Veranstaltungen“ verwaist. Vorläufig lastet die gesamte Verantwortung für die rund 1900 Mitglieder allein auf den Schultern von Verwaltungsvorstand Werner Burmeister, der für zwei weitere Jahre gewählt wurde. Sein Rücktritt sei eine Frage der Selbstachtung gewesen, sagte Horst Möhwald. „Wenn man für eine zu 100 Prozent ehrenamtliche Tätigkeit wochenlang aus dem Vereins-Umfeld mit arroganten, rüpelhaften, unkameradschaftlichen und teilweise feindseligen E-Mails „bedacht“ und die Vorstandsarbeit lächerlich gemacht wird (zum „Kaffeekränzchen“ verkommen, unprofessionelle Arbeitsweise, falsche Prioritätensetzung, falsche Vereins-Philosophie), dann bleibt schlussendlich nur noch eine Entscheidung übrig“, erklärte er. Besonders sauer stößt ihm auf, dass bei der Hauptversammlung keiner dieser Kritiker aufstand und Verantwortung übernahm.

Der scheidende Sport-Chef hat große Sorgen

Horst Möhwald bleibt laut Satzung noch sechs Monate im Amt. Damit wird eine außerordentliche Mitgliederversammlung im Herbst 2010 notwendig. Dann müssen weitere Vorsitzende gewählt werden, damit der Verein handlungsfähig bleibt. „Ansonsten muss eine Mitteilung an das Registergericht erfolgen, das dann einen Vorstand von Amts wegen einsetzen kann. Die Kosten hierfür müsste der Verein tragen“, beschreibt Möhwald die formalen Folgen. Der scheidende Sport-Chef hat große Sorgen: „Falls sich kein weiterer Vorstand findet, ist die Zukunft des MTV ungewiss. Zumal auch in diesem großen Verein das Traditionsbewusstsein und der Fortschrittsgedanke nicht so einfach unter einen Hut zu bringen sind.“

In seinem wahrscheinlich letzten Rechenschaftsbericht konnte Horst Möhwald noch viel Positives verkünden: Er hob das breitensportliche Angebot von wöchentlich 190 Übungsstunden und die stolze Zahl von 376 Sportabzeichenabsolventen hervor. Mehr als die Hälfte davon konnte Rolf Sadewasser durch die Zusammenarbeit mit Schulen gewinnen.

Dass Breite auch Spitze bedeutet, habe die Sportlerehrung im Januar gezeigt. Der Vorstand dankte 115 Sportlern für Meisterschaften, Aufstiege und Platzierungen auf dem Treppchen. Der MTV-Volkslauf mit über 330 Teilnehmern, der von Siegfried Kupczok wieder professionell organisiert wurde, habe sich mittlerweile als ein überregionales Sport-Ereignis etabliert.

Als erster Großverein der Umgebung erhob der MTV von seinen Mitglieder eine Umlage, um Investitionen finanzieren und Rücklagen bilden zu können. Knapp 80 000 Euro brachte diese „unpopuläre, aber notwendige Maßnahme“ nach Auskunft von Verwaltungsvorstand Werner Burmeister in die Kasse. 25 900 Euro dienten zur Sondertilgung von Krediten. Rund 34 000 Euro investierte der MTV für eine zeitgemäße Beleuchtung seiner Sporthalle, der Rest geht in die Rücklage.

Dank guter Aufklärungsarbeit von Burmeister und Geschäftsführerin Steffi Theis hielten sich die Austritte wegen der Extra-Zahlung in Grenzen. 45 MTV-Mitglieder machten von ihrem Sonderkündigungsrecht Gebrauch. Zum Vergleich: Durch normale Fluktuation verlor der Verein 75 Mitglieder.

Finanzielle Lage hat sich weiter entspannt

Werner Burmeister blickte in seinem Kassenbericht deshalb vorsichtig optimistisch nach vorne: „Insgesamt hat sich die finanzielle Lage im Vergleich zu den Vorjahren auch durch die Umlage weiter entspannt.“ Burmeister stellte außerdem den lange diskutierten Beschluss über die Neuregelung der Verrechnung zwischen Tennishalle und Tennisabteilung vor.

Die anschließend vom MTV-Ehrenvorsitzenden Hans Vetter beantragte Entlastung wurde von den Mitgliedern nur mehrheitlich, nicht aber einstimmig vorgenommen. Auch das ist ein Zeichen für das schwierige Verhältnis zwischen Teilen der Vereinsführung und Teilen der Mitglieder. Neue Beisitzerin ist Annette Böffinger. Sie wird im Sportbereich diverse Aufgaben von Uli Klinkmüller übernehmen, der sein Amt niedergelegt hat. Als zweiter Kassenprüfer wurde einstimmig Rudi Zischka gewählt. Er wird zusammen mit Renate Frank-Ulke die MTV-Finanzen unter die Lupe nehmen.

Quelle: op-online.de

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