Einschulung in Rödermark

Tanz der Schultüten

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„Winkt mit den Schultüten, wenn ihr Erstklässler seid!“ Dieser Aufforderung kamen die rund 130 Urberacher Schulanfänger gestern nur allzu gerne nach.

Rödermark - Von wegen demographische Delle: Rödermark bleibt für Familien attraktiv, darauf lässt zumindest die Einschulung schließen. Die Rektoren Thomas Pohl (Schule an den Linden) und Angela Behle (Trinkbornschule) begrüßten gestern 272 Erstklässler. Das waren 40 mehr als vor einem Jahr.

130 Kinder lernen jetzt in Urberach Rechnen, Lesen und Schreiben. Was nicht immer einfach ist, denn die Zahl der Flüchtlingskinder ist nach Pohls Aussage in den vergangenen 18 Monaten „deutlich gestiegen“. Es sind auch keinesfalls nur kleine Eritreer, Syrer, Iraker oder Somalier, die ohne Deutschkenntnisse nach Rödermark kommen: Auch Familien aus den südeuropäischen Krisenländern Spanien, Portugal und Griechenland kehren ihrer Heimat den Rücken. Die Schule an den Linden fängt das mit zusätzlichen Deutsch-Vorlaufkursen ab. In diesem Herbst sind"s drei statt wie bisher zwei. Dabei werden auch 28 Kinder gefördert, die erst 2015 in die Schule kommen.

Mit Lehrern ist die Urberacher Schule gut versorgt. Sämtlicher Unterricht kann, so Rektor Thomas Pohl, ohne Kürzung erteilt werden. Für die Erstklässler sind das 21 Stunden pro Woche. Differenzen zwischen dem Vorstand des Fördervereins und der Schulleitung trüben aber auch dieses Jahr die Feierlaune. Streitpunkt sind die Räume, die die vom Förderverein gemanagte Betreuung mit dem regulären Unterricht teilen muss. „Ich sehe da kein Problem, denn die Kinder werden nachmittags betreut, wenn sie keinen Unterricht haben“, sagte Pohl gestern gegenüber unserer Zeitung.

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Mit dem Buchstaben-Rap „Ich bin Mücki“ begrüßte die Klasse 2a der Trinkbornschule ihre neuen Mitschülerinnen und Mitschüler und brachte sie zum Lachen.

Hans-Jörg Vetter vom Vorstand des Fördervereins ist in der Tat anderer Meinung: Wenn im neuen Schuljahr zwei bislang exklusiv von der Betreuung genutzte Räume vormittags als Klassenzimmer dienen, könne der der Verein sein pädagogisches Konzept nicht umsetzen. „Das ist ein Schlag ins Kontor“, kritisiert Vetter. Denn in einem Klassensaal könne er keine Ruhezonen oder Kuschelecken einrichten, die die Kinder nachmittags unbedingt brauchten. Ursprünglich wollte der Förderverein sein Angebot auf 130 Betreuungsplätze aufstocken, doch jetzt geht er auf 90 zurück. Der Vorstand versucht, kein Kind aus der Betreuung wegzuschicken. Frei werdende Plätze werden jedoch nicht mehr vergeben. Außerdem will der Vorstand jene Eltern, die den Platz nicht unbedingt nötig hätten, zum - vorläufigen - Verzicht bewegen. Vetters Prognose: „Wir fahren ein Notprogramm.“

In Ober-Roden begannen 142 Kinder ihre Schulkarriere, zehn davon besuchen die Vorklasse. Von den sechs Klassen sind zwei im Breidert beheimatet. Die Lehrerabdeckung ist gut, die Stundentafel kann voll erfüllt werden. „Ich war aber auch schon im April beim Schulamt, damit das alles klappt“, schmunzelte Rektorin Angela Behle. Die Betreuung wird problemlos laufen; mit der neuen Leiterin Winnie Sattlegger bekam sie eine professionellere Struktur. Eingeschult wurden gestern auch zwei Inklusionskinder mit geistiger Behinderung. Sie werden beide im Breidert in der gleichen Klasse betreut, was zusätzliche 18 Stunden Einsatz einer Förderschul-Lehrkraft sowie einen Integrationshelfer des Kreises bedeutet: „Damit sind wir sehr gut bestückt und freuen uns auf diese Aufgabe“, erläuterte Angela Behle.

Während vor der Kulturhalle schon der Bus Richtung Breidert-Dependance wartete, begrüßte die Schulleiterin alle neuen Erstklässler der Trinkbornschule. Ihre künftigen Mitschüler hießen sie musikalisch und spielerisch willkommen. Til, Lucas, Esra und Mariza, alle aus der zweiten Klasse, führten aufgeregt, aber gut gelaunt durch die Eröffnungsfeier. Bürgermeister Roland Kern wünschte den Kindern viel Glück und einen allezeit gesunden Schulweg zu Fuß - dank des neuen Schulwegeplans sollte das kein Problem sein. Das „Taxi Mama“ könnte in der Garage bleiben - soweit jedenfalls die Theorie des Bürgermeisters.

lö/chz

Quelle: op-online.de

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