Bei „elta“ gehen die Lichter aus

Ober-Roden ‐ Die Firma „elta“ macht Ende Juni zu, rund 60 Menschen stehen dann auf der Straße. Schon im Herbst 2009 hatten 15 Mitarbeiter ihren Job verloren. Die „elta“ Deutschland GmbH hat ihren Sitz seit 2001 in der Carl-Zeiss-Straße und verkaufte innerhalb von 40 Jahren rund 160 Millionen Elektrogeräte von der Saftpresse über CD-Rekorder bis zur Espressomaschine. Von Michael Löw

Zu den Gründen wollte Geschäftsführer Peter Reisch gestern Nachmittag gegenüber unserer Zeitung nichts sagen. Auch die Nachfrage, ob dramatische Rückgänge beim Umsatz Schuld an der Schließung seien, ließ Reisch unbeantwortet. Geschäftsleitung und Betriebsrat würden einen Sozialplan anstreben, um den „sozialen Interessen der Kolleginnen und Kollegen gerecht zu werden“. Details? Auch hier hieß es: „Wir möchten keine Zahlen nennen!“

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Reisch sprach von „einem strategischen Rückzug“ und einer Stilllegung. Die Gesellschaft werde über den 30. Juni hinaus weiter bestehen. Hintergrund sei der verschärfte Wandel der internationalen Handelsmärkte, die „das Geschäftsmodell des klassischen Importeurs verstärkt in Frage stellen“.

Was im Klartext heißt, dass die „elta“-Gesellschafter in Rödermark keine Perspektive mehr sahen. Die „elta“ Hongkong ist von den Beschlüssen nämlich nicht betroffen und werde ihren Geschäftsbetrieb in vollem Umfang aufrecht erhalten, hieß es in einer Pressemitteilung.

Die „elta“ GmbH werde sämtliche „rechtlichen Verpflichtungen gegenüber ihren Kunden, Vertragspartnern und vor allem auch gegenüber ihren Mitarbeitern erfüllen“, erklärte das Unternehmen. Das gelte auch für Garantieansprüche aus den Verkäufen der nächsten Monate.

Geschäftsführer ist fassungslos

Fassungslos reagierte der langjährige Geschäftsführer Hans-Peter Senn auf das Aus für „elta“. Er hatte am Donnerstagabend davon erfahren. „Es ist mir völlig unverständlich, warum dieser Weg so beschritten wurde. Am meisten leid tun mir die langjährigen Mitarbeiter“, sagte er gegenüber unserer Zeitung. Seiner Ansicht nach hätte das Unternehmen mit kleinerer Mannschaft überleben können. Gesund und kapitalkräftig genug sei es seinen Erkenntnissen nach gewesen.

Senn war 1980 in eine Importfirma für Autoradios eingestiegen, die damals vier Millionen Mark Umsatz machte, und hatte sie zu einem Elektronik-Importeur entwickelt, dessen Produkte in den Regalen von Otto, Saturn oder Media-Markt standen. Anfang 2008 ging Senn in den Ruhestand, verkaufte seine Anteile und überließ seinen Nachfolgern ein expandierendes Unternehmen mit 120 Mitarbeitern in Rödermark und Hamburg sowie einem Umsatz von 110 Millionen Euro (2007).

Seither wechselte die Führung mehrfach. Nach einem turbulenten Jahr 2008 übernahm im Januar 2009 Malte Daun mit seiner Beteiligungsfirma „emdequity“ sowohl die Geschäftsführung als auch die „elta“-Anteile vom Mutterkonzern, der Daun & Cie. AG. Die Daun-Gruppe ist hauptsächlich in der Textilbranche tätig. Zu ihr gehört unter anderem der Kleidungsdiscounter NKD.

Daun kümmerte sich um die strategische Ausrichtung, für Einkauf, Logistik und Service war seit Februar 2009 Peter Reisch verantwortlich, ein Betriebswirt mit Asien-Erfahrung.

Die „elta“-Schließung hat auch Rödermarks Wirtschaftsförderer Norbert Rink überrascht. Groß helfen kann Rink nicht, die Stadt wird ein namhaftes Unternehmen verlieren. „Wir können höchstens unsere Hilfe bei der Vermarktung des Gebäudes anbieten“, machte Rink die Grenzen kommunaler Wirtschaftsförderung deutlich.

Quelle: op-online.de

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