Schlagwerker des Musikvereins Viktoria 08 Ober-Roden brillieren bei „The Break Of Gondwana”

Erdteile bröckeln auseinander

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Bei seinem 49. Weihnachtskonzert spannte des Blasorchester des Musikvereins Viktoria 08 Ober-Roden unter der Leitung von Dieter Weis den programmlichen Bogen von Adele (Medley) über Klaus Doldinger („Symphonic Tatort”) bis hin zu John Wasson („In The Christmas Mood”).

Ober-Roden - Jahreskonzert-Programme sind prall gefüllt. So auch das des 49. Weihnachtskonzerts des Musikvereins Viktoria 08 Ober-Roden am 4. Advent in der seit Wochen ausverkauften Kulturhalle. Von Manfred Meyer

Da ergeben sich natürlich bei zweieinhalb Stunden Konzertdauer bezüglich Kompositions- und Interpretations-Qualitäten Gewinner und Zweitplatzierte. Halbiert man das Angebot von einem Dutzend Werken und versucht, in dieser Sechser-Liste die Sieger hinsichtlich Stücke-Wertigkeit, Wohlgefallen sowie Darstellung unterzubringen, sind die ersten beiden Plätze sofort vergeben. Zunächst an den Auftakt, an Naoya Wadas „Toward The Bright Future”, mit dem die Ober-Röder in der Umsetzung ganz hoch einstiegen. Kein Warmspielen, kein Akklimatisieren, nein, gleich voll da, auf den Punkt. Seidig der Orchestersound - und die feierlich anmutenden Melodielinien wurden geradezu gänsehauttreibend ausgekleidet. Wie dabei der bei dieser Darbietung zentrale Percussionist Lukas Reiß den Dirigenten und Programmgestalter Dieter Weis anlächelte, so klang sie: sehr erfreulich.

Tatsächlich steigerte sich das Orchester noch beim sich anschließenden „The Hounds Of Spring” von Alfred Reed und kreierte damit den Höhepunkt des Abends. Wieder wurde geschmeidig intoniert und artikuliert und damit ein dichter, geschlossener, homogener, ausgeglichener Klang erzeugt. Niemand schimmerte oder stach gar heraus. Was man sich jedoch stellenweise beim folgenden „Warschauer Konzert” von Richard Addinsell ein kleines bisschen mehr vom Flügel gewünscht hätte. Ihn spielte die 24-jährige Solistin aus Darmstadt, Nagisa Kuhn, im Anschlag vergleichbar der Tongebung des Orchesters: weich und mit Fingerspitzengefühl. Somit war dieser Dialog weniger ein Surfen auf den leichten Wellen des Tuttis als mehr eine Art Einbetten darin und ein Miteinander.

Da diese Rhapsodie für Klavier und Orchester stücke-charakterlich nicht bei jedem gleich zündet, dürfte für die imaginäre Favoritenliste mancher in der Halle eher der folgenden interessanten Tondichtung „At The Break Of Gondwana” den Zuschlag gegeben haben. Hier brillierten allen voran die Schlagwerker. Geht es doch in dem Werk von Benjamin Yeo aus Singapur unter anderem um nichts weniger als um das Auseinanderbrechen von Erdteilen. Unbedingt zu den Gewinnern des Sonntags muss auch der ihn beendende „Westminster Carol” (James L. Hosay) gezählt werden. Seine Ober-Röder Version: optimal und wunderschön, insbesondere die kantablen Hörner mit den „draufgestickten” sanften Trompeten.

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Überwältigend war dann der finale Akkord, auf den umgehend eine stehende Ovation des kundigen und sehr interpreten-freundlichen Publikums folgte. Es bekam als Zugabe eine berührende Rödermärker Verbeugung vor dem kürzlich verstorbenen großen kanadischen Barden Leonard Cohen, „Halleluja” - auch das ein feiner Höhepunkt des Weihnachtskonzerts. Bleibt noch ein Platz auf besagter Liste. Und der ist für „Star Trek Through The Generations” (McCarthy/Jerry Goldsmith) - allein schon wegen der darin elastisch wie Tennisbälle und donnernd wie Medizinbälle hüpfenden Tuben, die damit eine packende Wucht entwickelten. Einmal mehr führte kurzweilig durchs komplexe Programm eines Viktoria-Heimspiels der sympathische Norbert Rink.

Quelle: op-online.de

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