Gedenktafel im Bürgersteig an der Bahnhofstraße

Erinnerung an ehemalige Synagoge wird nun greifbar

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An der Gedenkstätte für die jüdischen Mitbürger entzündeten Vertreter aller beteiligten Religionen gemeinsam eine Kerze als Mahnung dafür, weiter am Frieden zu arbeiten: lieber von einer besseren Welt träumen als über das Schlechte zu schimpfen.

Urberach - Shalom – Salem Aleikum – Friede sei mit euch: Diesen Gruß entboten jüdische, islamische und christliche Geistliche am Dienstag an der Gedenkstätte für die jüdischen Mitbürger in der Bahnhofstraße. Von Christine Ziesecke 

Der Friedensgruß, der auch zum Gebet ruft, stand wohl über der gesamten Gedenkveranstaltung in Erinnerung an die beiden früheren Synagogen in Urberach.
Gemeinsam mit Bürgermeister Roland Kern und den Organisatoren der neuen Gedenkplatte gingen Rabbiner Andrew Steiman, Imam Kocz, Pfarrerin Sonja Mattes, Pfarrer Klaus Gaebler sowie weitere religiöse Vertreter vom Dalles zum ersten Standort der Urberacher Synagoge und dann zum zweiten. An der Ecke Bahnhofstraße/Bachgasse erinnerte Horst-Peter Knapp an die Geschichte der ersten als Betraum genutzten Urberacher Synagoge in der Metzgerei Strauss an eben dieser Stelle, die wohl ab etwa 1770 genutzt wurde. Vor 135 Jahren, im August 1882, wurde im Haus Bahnhofstraße 39 eine neue Synagoge eingeweiht. Die kleine jüdische Gemeinde feierte ihr erstes eigenes Gebäude mit einem Festzug und einem Gottesdienst. Der letzte Gottesdienst in der „neuen Synagoge Urberach“ fand wahrscheinlich 1935 statt.

Viele Bürger schauten sich die neue Gedenkplatte vor der ehemaligen Synagoge in der Bahnhofstraße 39 in Urberach in Erinnerung an ihre Geschichte aus der Nähe an.

Der Verkauf des Bethauses durch die verarmte jüdische Gemeinde über Max Strauß an einen Privatmann erfolgte noch vor der sogenannten Reichskristallnacht 1938, weshalb das Haus auch nahezu unversehrt blieb. Zurzeit wird es von einem Privatmann umgebaut, der sich der Tradition dieses Hauses bewusst ist und es auch für Interessierte öffnen will.
Die Gedenktafel zeigt den von Horst-Peter Knapp gestalteten Umriss der einstigen Synagoge und die Inschrift „Synagoge Urberach 1882 – 1935“. Die Gestaltung orientiert sich an den bereits verlegten Stolpersteinen.

Den 3. Oktober als Termin für das Erinnern und die Enthüllung der Gedenktafel hatte Rabbiner Andrew Steiman vorgeschlagen. Der Tag hat nicht nur für die deutsche Bevölkerung einen hohen Stellenwert, sondern auch für die jüdischen Mitbürger, liegt er doch genau zwischen Versöhnungstag und Laubhüttenfest. Mit dem Widderhorn, einem Symbol fürs Herbeirufen der Gläubigen wie auch einem Gebetsruf, erinnerte der Rabbi an die Ursprünge jüdischen Glaubens und erläuterte einige Begriffe, die Christen eher fremd sind.

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Umrahmt von Klezmermusik, gespielt von Britta Sauer, und vorbereitet unter anderem von der „Initiative Stolpersteine in Urberach und Ober-Roden“, allen voran Oliver Nedelmann, machte der Zug einen Weg durch rund 250 Jahre jüdischer Geschichte in Urberach. Mehr über die Geschichte der Synagoge findet sich in einem Heft, das der Aktionskreis der Stadt und der Initiative Stolpersteine herausgegeben hat. Es ist unter anderem in den Rathäusern und bei Theater & Nedelmann erhältlich.

Quelle: op-online.de

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