Historische Spaziergänge

Erleuchtendes aus Alt-Ober-Roden

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Der Rundgang endete in der gemütlichen Scheune von Waldemar Lange in der Obergasse, wo schon Glühwein und Kinderpunsch zum Aufwärmen dampften.

Ober-Roden - Die heimatgeschichtlichen Rundgänge der Ortskerninitiative „IGOR“ finden immer größeren Anklang. Aus den ursprünglich 35 Teilnehmern der ersten Begehung sind über 150 geworden.

Seit April 2011, als Hobby-Historiker Reinhard Berker nur „IGOR“-Mitglieder auf die Schönheiten und die baulichen Besonderheiten im Ortszentrum aufmerksam machte, hat sich viel getan. Die interessanten und höchst amüsanten Informationen rund um Alt-Ober-Roden haben fast schon Kultstatus. Besonders beliebt sind die Laternenrundgänge zum Jahreswechsel. Bei 150 hörten die Organisatoren von „IGOR“, der Interessengemeinschaft für einen lebenswerten Ortskern in Ober-Roden, dieses Mal auf zu zählen - und das, obwohl der Nieselregen am Anfang selbst den Laternen zusetzte.

Reinhard Berker unterhielt die Teilnehmer des Laternenrundgang mit selbst verfassten und „geliehenen“ Reimen.

Statt den vielen Internas zu den alten Häusern in den engen Gassen gibt’s beim Laternenrundgang stets andere Schwerpunkte. Stand im vorigen Jahr die idyllische Beleuchtung vieler Häuser und Gärten im Mittelpunkt, so waren es diesmal Anekdoten und Gedichte, die meisten herzhaft bodenständig und vornehmlich in Oweräirer Dialekt. Der Frankfurter Mundartdichter Friedrich Stoltze, leicht variiert und auf Ober-Röder Verhältnisse umgetextet, wechselte mit eigenen Versen von Reinhard Berker und solchen aus seinem Umkreis ab. Aber auch der ehemalige Stuttgarter Oberbürgermeister Manfred Rommel, der ambitionierte politische Aphorismen und Gedichte schrieb, durfte für Ortskern-Verhältnisse herhalten – besonders gelungen, da Bürgermeister Roland Kern und Stadtverordnetenvorsteherin Brigitte Beldermann mit im Tross waren.

Glockengasse, Dockendorff- und Ringstraße

Durch Glockengasse, Dockendorff- und Ringstraße, durch normalerweise verschlossene Gärten und Höfe ging"s Richtung Obergasse. Stets begleiteten markante Verse, Liebesgedichte und lange Reime die Ortskern-Erkunder. Besonders gefallen hat ihnen „Der Mensch lebt nicht von Gans allein“, eine Hommage an die Kartoffel, mit der sich die Familie erst mal satt essen soll, damit dem Hausherrn umso mehr Gans übrig bleibt.

Zur Sprache kamen die Probleme eines Fünfjährigen, der zwar dringend mal „muss“, aber es nicht mehr in den dritten Stock schafft, ebenso wie eine Geschichte von Berkers Großvater, der als erfahrener Geburtshelfer zu jeder Entbindung im Stall gerufen wurde, so auch zu Kuh Berta. „Nachbarschaftshilfe war damals selbstverständlich, die Häuser waren nie abgeschlossen“, erläuterte der Erzähler. Lästerliches über den hart arbeitenden Vater, der freitags nach einem Einkehrschwung mit der dünnen Lohntüte heimkam, oder vom Orwischer Dippche mit zwei Henkeln, dessen Füllhöhe wunderbar als Uhr genutzt werden konnte, belustigten die vielen Mit-Läufer.

Abschluss in einer Hofreite

Neu im Programm war der gemeinsame Abschluss in einer Hofreite: „Wir stehen jetzt hier in der Obergass, genau im Knick von dere Straß, dem Schwarz Wilhelm seu Hofreite des war, es ist schon lange her, schon viele Jahr“, reimte Berker und wies auf ein Haus mit Charakter im fränkischen Rundling hin, das schon öfter bewundernde Blicke einfing.

Statt beim erkrankten Schäfer Köhl hatte Berker kurzfristig bei Waldemar Lange in der Obergasse Station gemacht. Aus der Scheune drang der Duft von Glühwein und Kinderpunsch, zahllose Kerzen und Lichter erhellten den Hof und die Scheune, in der es nicht nur altes Handwerkszeug wie etwa Hobel und Sense an den Wänden zu entdecken gibt, sondern auch viel moderne Kunst. Nächster traditionsbewusster Höhepunkt mitten im Rundling: Am Freitag, 28. Februar, steigt ab 20 Uhr die Straßenfastnacht der DJK TTC Ober-Roden im „Dinjer- Hof“.

chz

Quelle: op-online.de

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