Karlheinz Wolf züchtet Tauben und sammelt Preise

Rödermark: maßgeschreinerter Taubenschlag

Stolz ist Karlheinz Wolf auf sein „Blauschimmel“-Täubchen. Der typischen Färbung hat er den Namen zu verdanken.
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Rödermark: Stolz ist Karlheinz Wolf auf sein „Blauschimmel“-Täubchen. Der typischen Färbung hat er den Namen zu verdanken.

Des Einen Freud, des Andern Leid: Nicht jeder hat gerne Tauben in seinem Garten. Vor allem nicht morgens um halb sechs oder mit einem Nest direkt überm Terrassentisch. Doch so mancher Rödermärker freut sich von Herzen über gurrenden Nachwuchs in unmittelbarer Nähe. Brieftaubenzüchter etwa, von denen es aber immer weniger gibt, und natürlich die Besitzer echter Zuchttauben. Einer davon ist Karlheinz Wolf in der Odenwaldstraße.

Rödermark - 14 Vögel – sieben Täuber und sieben Täubinnen, so die geschlechtergerechte Bezeichnung – leben hier im recht neuen Vier-Zimmer-Heim. Sie leben wie es die Zahlen vermuten lassen zeitlebens als Paar zusammen. „Wenn auch nicht immer ganz monogam“, schmunzelt der Züchter. Fünf frisch geschlüpfte Küken komplettieren die Wohngemeinschaft.

Zum Zeitpunkt des Fotos sind sie vier Tage jung und bei der täglichen Fütterung Kostverächter. Denn noch werden sie mit „Kropfmilch“ von ihren Müttern versorgt, die zuvor im Wechsel mit den Vätern 18 Tage lang gebrütet hatten. Aber sie können sich schon auf die Zeit danach freuen.

Denn jeden Nachmittag zwischen 15 und 16 Uhr kommt Karlheinz Wolf ins maßgeschreinerte Taubenhaus und bringt seine Vögel in Aufruhr. Dann gibt’s nämlich Getreide mit frischen Kräutern, Karotten und Knoblauch, die direkt neben dem Taubenhaus angebaut werden. Bei der Fütterung herrscht reges Flattern, doch ansonsten sind seine Täubchen ausgesprochen ruhige und edle Tiere, die vielfach schon prämiert wurden.

Karlheinz Wolf ist engagiert im Offenbacher Taubenclub und im „Sonderverein der Züchter italienischer Mövchen“. Lange Jahre war er – zeitweise sogar als Vorsitzender – im „KZV Ober-Roden 05“, dem Kleintierzuchtverein aktiv, bis dieser sich auflöste.

Hohe Auszeichnungen haben die Schützlinge von Karlheinz Wolf über die vielen Jahre in Hülle und Fülle bekommen. Davon zeugen unter anderem 2015 das „Siegerband“ bei der „Deutschen Nationalen“ in Dortmund, 2011 der „Deutschen Meister“ in Nürnberg und diverse Hessenbänder. Die schönste Würdigung ist aber wohl eine echte Taubenfeder, auf die ein Künstler liebevoll eine wunderschöne Taube gemalt hat und die nun in einem Rahmen im Wolf’schen Heim steht: „Die ist so viel spannender als jede Urkunde und jeder Pokal!“

Der 67-jährige Rentner und frühere Elektriker bei RWE ist mit Tauben groß geworden: Sein Vater Johann hielt auf dem gleichen Grundstück viele Jahre lang Brieftauben. Er selbst dagegen hatte es schon immer mehr mit den Zuchttauben, vor allem den „italienischen Mövchen“, die in seinem Stall zuhause sind.

Diese Rasse gibt’s bei Karlheinz Wolf in den Varianten „eisfarbig gehämmert“ und „eisfarbig mit Binden“. Beide sind selbst für Laien klar am Gefieder erkennbar. Die Vögel, unter denen auch ein „Blauschimmel“ ist, sind viel ruhiger und nachbarschaftsfreundlicher als die verwilderten Tauben, die durch den Ort flattern.

Trotzdem droht sogar deutschen Meistern oder Hessenband-Trägern nach zwei, drei Jahren das Ende: „Die kommen irgendwann in den Topf!“. Karlheinz Wolf übernimmt dann das Rupfen und Ehefrau Silvia den Rest. Sie verrät: „Ich koche und brate sie, aber ich esse sie nicht!“ Lecker sei Taubenfleisch, viel zarter und geschmacklich köstlicher als Hühnchen etwa. „Vor allem aber bitte mit viel Soße!“, verrät sie ihr bevorzugtes Rezept. „Das war früher in der Familie schon so ein Festessen!“ (Christine Ziesecke)

Rödermark: Vier Tage jung ist dieses Küken, das noch von „Kropfmilch“ der Taubenmama lebt.

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