Erzieherinnen-Exodus im Gallus-Kindergarten

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Groß war gestern die Freude im Gallus-Kindergarten, weil der Förderverein etliche neue Fahrzeuge spendiert hatte. Alles in allem aber machen sich Eltern große Sorgen, weil Erzieherinnen kündigen und die Öffnungszeiten verkürzt werden. Mit diesem Problem steht die Urberacher Kirchengemeinde aber nicht allein da: Die Mainhäuser Tagesstätte St. Kilian muss möglicherweise von der weltlichen Gemeinde übernommen werden. Foto: Ziesecke

Urberach - Es ist kein Aprilscherz: Alle Kindergärten verlängern ihre Betreuungszeiten, die Kita St. Gallus dagegen öffnet ab heute 15 Minuten später und schließt eine Stunde früher.  Von Christine Ziesecke

Gleichzeitig besteht die Gefahr, dass im Sommer keine neuen Kinder aufgenommen werden können. Sechs Erzieherinnen haben gekündigt, der Stellenmarkt ist leergefegt

Die katholische Tagesstätte ist nicht der Stadt unterstellt, sondern dem Bischöflichen Ordinariat (BO) in Mainz; Träger ist die Pfarrgemeinde. Als im Herbst die Öffnungszeiten morgens auf 7.15 Uhr vorgezogen und montags bis Donnerstag auf 16.30 Uhr verlängert wurde, standen zwar Versprechungen im Raum. Doch letztlich trugen die Erzieherinnen das verbesserte Betreuungsangebot auf ihren Schultern - ohne Gehaltsaufbesserung.

Gespräche mit Verwaltungsrat oder BO verliefen aus Sicht der Erzieherinnen unbefriedigend, sofern sie überhaupt zustande kamen. Das BO teilte mit, dass es Kitas generell nur acht Stunden täglich finanziere, und bei der Menge der Einrichtungen auch keine Präzedenzfälle schaffen will.

Zu den Erzieherinnen, die aufhören, gehört auch Leiterin Petra Müller-Wittmann. Sie geht ab 1. Juli in Vorruhestand. Eine Erzieherin ging am Ende ihrer Probezeit, eine aufgrund einer langfristigen Erkrankung, eine weitere wegen eines längeren Auslandsaufenthalts, eine vierte verdient anderswo mehr Geld. Unter der Hand sind jedoch zu hohe Belastung bei zu schlechter Kommunikation als Gründe der Kündigungen herauszuhören. Die Personaldecke wird so kurz, dass die Leiterin in den letzten Tagen schon die Eltern gebeten hat, ihre Kinder mittags früher abzuholen. Springer standen angeblich nur zu Zeiten zur Verfügung, zu denen sie nicht gebraucht wurden.

Bei einem Elternabend wurde kurzfristig über die verkürzten Öffnungszeiten informiert. Bisher hatte das der Verwaltungsrat nur als Aushang an der Eingangstür veröffentlicht und zugleich vorgeschlagen, keine neuen Verträge mit den Eltern abzuschließen.

Eine neue Leiterin hat die Gemeinde immerhin gefunden, die Verträge sollen in Kürze geschlossen werden. Schlecht sind die Aussichten bei neuen Erzieherinnen.

Sollten die Stellen bis zum 1. Juli nicht besetzt werden, können keine neuen Kinder aufgenommen werden. Notfalls muss die Einrichtung von drei auf zwei Gruppen reduziert oder im schlimmsten Fall ganz geschlossen werden. Dann würde das kirchliche Problem zu einem Problem der Stadt Rödermark, die den Kindern einen Platz bieten muss. Im Herbst hatte der Magistrat angedeutet, die zusätzlichen Kosten für die aufgestockten Öffnungszeiten zu tragen mit Ausnahme des „Pflichtbeitrags“ des BO in Höhe von knapp 1500 Euro jährlich.

„Wir könnten es als Pfarrgemeinde auffangen, aber auch nicht auf Dauer“, erläutert Pfarrer Klaus Gaebler. Die städtische Fachabteilung Kinder und Jugend hat vorsorglich vom Magistrat mehrere Prüfaufträge bekommen. Der umfassendste soll erläutern, was die Stadt bei einer vollständigen Übernahme der Trägerschaft erwartet. Doch dazu gibt es aber bislang weder Zahlen noch Entscheidungen.

Quelle: op-online.de

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