Rödermark ist für Familien attraktiv / Neue Kitas geplant

Stadt an ihren Grenzen: Erzieherinnen und Räume fehlen

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893 Kinder im Alter von drei bis sechs Jahren haben Anspruch auf einen Kita-Platz. Die Versorgungsquote liegt bei 98,9 Prozent, weil Plätze wegen Integrationsmaßnahmen wegfallen.  

Rödermark -  2 474 Rödermärker unter zehn Jahren wollen - und müssen - mit Plätzen in Krabbelgruppen, Kindertagesstätten und in der Grundschulbetreuung versorgt werden. Diese Herkulesaufgabe stellt die Stadt vor immer größere Herausforderungen. Im Kindertagesstätten-Bedarfsplan listet die Fachabteilung Kinder und Jugend ungeschönt auf, wo"s klemmt. Aber es gibt auch Positives zu vermelden.  Von Michael Löw 

Die Kinderbetreuung ist der dickste Einzelbrocken im Haushalt. 2018 kalkuliert die Stadt mit Kosten von gut 14,3 Millionen Euro; das sind rund 2,3 Prozent mehr als voriges Jahr. Allein fürs immer knapper werdende Personal braucht sie fast 8,9 Millionen Euro. Mit der Zahl der kleinen Rödermärker steigen auch die Anforderungen und Kosten ihrer Betreuung.In Rödermark werden wieder deutlich mehr Kinder geboren. 2015 waren"s 198, 2016 waren's 249 (plus 25 Prozent). Inklusive der Zuzüge wuchs die Zahl der Jung-Bürger im Alter bis zehn Jahre von 2 385 auf 2 474. Das ist sozusagen die Datenbasis des Kindertagesstätten-Bedarfsplanes 2017, den der Erste Stadtrat Jörg Rotter und Edith Itta, die Leiterin des Fachbereichs Kinder, Jugend und Senioren, gestern vorstellten.

Bei der Kleinkindbetreuung (U3) steht Rödermark mit einer Quote von maximal 36,4 Prozent im Kreisvergleich nach Egelsbach auf Rang zwei. Für 734 Kinder unter drei Jahren gibt es zwischen 231 und 267 Plätzen. Diese Zahl schwankt, weil durch die Aufnahme von Kindern mit besonderem Hilfebedarf die Gruppen verkleinert werden. Auch bei der U3-Betreuung kann noch einiges auf die Stadt zukommen. Denn nach einer Umfrage des Bundesfamilienministeriums wollen 43,3 Prozent der hessischen Eltern einen Krabbelgruppenplatz.

Eine große Betreuungslücke, vor allem bei den Regel-Kita-Plätzen, gibt es in Ober-Roden. „Aktuell ist es nicht möglich, jedem Kind mit Rechtsanspruch einen Betreuungsplatz anzubieten“, steht ungeschönt auf Seite 19 des Bedarfsplanes. 893 Kinder im Vorschulalter müssten betreut werden, doch nur 883 Plätze stehen zur Verfügung. 72 Plätze werden nicht besetzt, weil städtische und katholische Kitas 20 Kinder mit Behinderung aufgenommen haben. Auch für deren Integration wird die Gruppenstärke reduziert.„Wir sind froh, dass wir"s hinbekommen“, fasst Sozialdezernent Rotter die für Eltern nicht immer befriedigende Situation zusammen. Etliche Ober-Röder Kinder haben zum Beispiel einen Kita-Platz in Urberach gefunden.

Der Bedarf wird weiter steigen. Rotter verweist auf die vergleichsweise kleinen Neubaugebiete am Festplatz Ober-Roden (16 Wohneinheiten), auf dem ehemaligen Hitzel  & Beck-Gelände (130 Wohnungen und 14 Reihenhäuser) und an der Kapellenstraße (bis zu 100 Wohnungen). Statistiker gehen bei solchen Projekten von 1,3 Kindern unter zehn Jahren pro Wohnung aus. Das entspricht mindestens 330 U3-, Regel-Kita- und Schulbetreuungsplätzen - nur in Ober-Roden.

Bilder: Einschulung 2017 in Rödermark

Rotter will dieser Entwicklung mit neuen Kitas Rechnung tragen. Auf dem Hitzel  & Beck-Gelände hat die Stadt Räume für 51 Plätze gemietet. Auf dem alten Ober-Röder Festplatz wird für rund 2,5 Millionen eine Einrichtung gebaut, die 2019 ihren Betrieb aufnehmen soll. Sie war ursprünglich als Ersatz für die betagte Kita Am Motzenbruch gedacht. Aber die will und muss Rotter wegen der steigenden Kinderzahl neu beleben, das Gleiche gilt für die 2016 aufgegeben Kita Lessingstraße in Urberach. Rotter geht in beiden Fällen von einer Millionen-Investition aus.

Ein immer größeres Problem wird der Personalmangel. Die Stadt beschäftigt rund 110 Erzieherinnen und Erzieher. Neun Stellen sind laut Rotter nicht besetzt. Zwölf U3-Plätze blieben notgedrungen frei. In der 2016 eröffneten „Villa Kunterbunt“ musste die Stadt im November 2017 einen Notfallplan in Kraft setzen - den ersten in ihrer Geschichte. In Abstimmung mit dem Kreis wurden unter anderem die Öffnungszeiten reduziert. „Das wird noch doller“, befürchtet Rotter. Erzieherinnen lassen Vorstellungsgespräche platzen oder gehen in Kommunen, in denen sie mehr Geld kriegen. Rotter appelliert fast schon verzweifelt an die übrigen Sozialdezernenten im Kreis: „Der Tarifvertrag mus eingehalten werden. Es darf keine Bezahlung nach Kassenlage geben!“

Quelle: op-online.de

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