„So etwas grenzt an Enteignung“

+
Dagmar Schöttler und Hans Neubauer-Lux würden ihre in die Jahre gekommenen Immobilien in der Kapellenstraße ebenso gern verkaufen wie Holger Faust den „Paramount Park“. Doch sie fühlen sich von der Stadt ausgebremst.

Ober-Roden - Die Stadt betreibt in der Kapellenstraße Blockadepolitik und verhindere eine Vermarktung ihrer Immobilien. Das werfen die Grundstücksbesitzer Hans Neubauer-Lux und Dagmar Schöttler Magistrat, Parlament und Verwaltung vor. Von Michael Löw

So etwas grenzt an Enteignung“, fährt Neubauer-Lux ein besonders schweres Geschütz auf. Er ist Eigentümer von 4 000 Quadratmetern Gelände mit einer leer stehenden Tennishalle, Dagmar Schöttler besitzt ein 2000-Quadratmeter-Grundstück mit Sauna. Die mit rund 5500 Quadratmetern größte Immobilie, der frühere „Paramount Park“ und seine Parkplätze, gehört dem Frankfurter Gastronomen Holger Faust.

Lesen Sie hierzu auch:

Ex-Nobeldisco zu verkaufen

Der Großbrand in der früheren Nobeldisco Ende 2006 hatte eine Diskussion um die planerische Neuordnung des Gebiets zwischen Kapellenstraße, Friedhof und Rödermarkring entfacht. Immer wieder beschwor die AL eine McDonald‘s-Filiale - oder eine andere Nutzung, die nicht in die Nachbarschaft von Schule und Friedhof passt - herauf. Im Oktober 2007 beschloss die Stadtverordnetenversammlung die Aufstellung eines Bebauungsplanes und verhängte eine Veränderungssperre.

Seither geschieht einfach nichts. Offenbar ist die Stadt nicht gewillt, uns den Weg zur Vermarktung unserer Grundstücke zu erleichtern“, kritisiert Neubauer-Lux. Fünf Vorschläge - darunter Umzug und Vergrößerung des „Rewe“-Marktes von der Südseite der Kapellenstraße auf die Nordseite, die Verlagerung der Berufsakademie Rhein-Main, Wohnen für junge Familie inklusive eines Mehrgenerationenhauses - hätten die drei Grundstücksbesitzer unterbreitet, alle seien sie abgelehnt worden.

Dagmar Schöttler fühlt sich besonders benachteiligt: Erst habe die Stadt ihrer Sauna mit dem Badehaus Konkurrenz gemacht, jetzt behindere sie mit bürokratischen Hindernissen den Verkauf.

Neubauer-Lux moniert zudem, dass auf einer Strecke von nur wenigen hundert Metern mit zweierlei Maß gemessen werde. Das Gelände des ehemaligen Autohauses Gotta in der Frankfurter Straße sei innerhalb kürzester Zeit zu einem Wohngebiet erklärt worden, in der Kapellenstraße sperre sich die Stadt gegen diese Nutzung.

Die negativen Gefühle bei der Grundstückseigentümer kann ich nicht recht nachvollziehen. Der Stadtverordneten-Beschluss vom Oktober 2007 hatte ja gerade auch den Sinn, den Eigentümern zu helfen. Würden wir bei der alten Planungssituation bleiben, wäre das doch noch viel ungünstiger. Es hat aber keinen Sinn, irgendeinen Teilvorschlag hervorzuholen und zu präsentieren, ohne ein schlüssiges Gesamtkonzept darzustellen“, erklärte Bürgermeister Roland Kern gestern. Einkaufsmärkte und Wohnungen hatte er bereits in einer Stellungnahme zu den Verkaufsabsichten von Holger Faust ausgeschlossen.

Hans Neubauer-Lux, Dagmar Schöttler und Faust wiederum vermissen genau jenes Gesamtkonzept, das Kern fordert. Politiker aller Fraktionen brächten zwar immer eine zentrale Großküche für Rödermarks Schulen und Kindergärten ins Gespräch. Doch dafür, so das Trio, brauche die Stadt keine 11500 Quadratmeter in bester Ortsrandlage.

Darüber hinaus gehende Ideen blieben Politik und Verwaltung seit fast zwei Jahren schuldig. Neubauer-Lux: „Und bei unseren Vorschlägen heißt es abwechselnd, sie passen nicht in den alten oder sie passen nicht in den neuen Bebauungsplan.“

Quelle: op-online.de

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare