Haspelessen der CDU

EU-Energiekommissar Oettinger in Rödermark

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Im Beisein des Ersten Stadtrats Jörg Rotter und Rödermarks CDU-Vorsitzender Patricia Lips trug sich Günther Oettinger ins goldene Buch der Stadt Rödermark ein.

Rödermark - Beim Haspelessen der Rödermärker CDU warnte EU-Energiekommissar Günther Oettinger davor, dass sich Deutschland auf den erfolgreichen Reformen der vergangenen Jahre ausruhen könnte.

Außerdem hob der ehemalige Baden-Württembergische Ministerpräsident vor rund 300 Zuhörern die Vorteile einer engen Zusammenarbeit innerhalb der EU hervor. Vor allem Dank der Reformen der Agenda 2010 sei Deutschland längst nicht mehr der kranke Mann Europas, sondern habe sich eine Spitzenposition erarbeitet. Dass diese den Deutschen aber keineswegs auch in den kommenden Jahren sicher ist, versuchte Oettinger mit einem der bei Politikern beliebten Fußball-Vergleiche deutlich zu machen.

Lesen Sie dazu auch das Exklusiv-Interview mit Günther Oettinger:

Gas-Erpressung entkommen

Sein Lieblingsverein, der VfB Stuttgart, so Oettinger, sei zwar in den vergangenen Jahrzehnten immer mal wieder Deutscher Meister geworden. Nach den Titelgewinnen hätte sich der Verein allerdings zu sehr auf seinen Lorbeeren ausgeruht und sei regelmäßig ins graue Mittelfeld abgestürzt. „Jetzt sind wir vorn. Die Frage ist, wie bleiben wir vorn“, sieht Oettinger die Spitzenposition Deutschlands in Gefahr. „Uns geht‘s zu gut. Wir müssen für Infrastruktur, Innovation und Alltagsentwicklung mehr tun. Wir können unseren Tabellenplatz nur halten, wenn wir mehr leisten“, appellierte der EU-Kommissar.

Er habe den Eindruck, dass Deutschland derzeit einen kräftigen Schluck aus der Pulle nimmt, meinte der Gastredner mit Blick auf aktuelle Regierungsprojekte wie die Rente mit 63. „Wir sollten lieber über die Rente mit 70 sprechen.“ Kritik übte Oettinger unter anderem auch am Nein der Bevölkerung zu einer Münchner Olympiabwerbung für 2022 und an der Nachtflugbeschränkungen am Frankfurter Flughafen. „Was für ein Quatsch. Weltflughäfen im globalen Wettbewerb brauchen rund um die Uhr Erreichbarkeit.“

Vor den kritischen Worten zu seinem Heimatland hatte Oettinger, der von seinem Sohn Alexander begleitet wurde, die große Bedeutung einer guten Zusammenarbeit innerhalb der Europäischen Union hervorgehoben. Nur wenn man mit einer Stimme spreche, verfüge die EU über die notwendige Autorität. „Die Welt von morgen wird von den G2 oder den G3 bestimmt“, gab Oettinger eine Prognose ab. Nur die EU als Ganzes habe die Kraft, neben den USA („mit sinkendem Gewicht“) und dem aufstrebenden China beim Konzert der Großen mitzuspielen. Einzelne europäische Länder hätten diese Kraft hingegen sicherlich nicht.

Europa sieht Oettinger zuallererst als Friedensunion. So könne man zwar argumentieren, dass die EU-Osterweiterung aus wirtschaftlichen Gründen zu früh gekommen sei. „Wären Polen und Rumänien aber heute nicht dabei, dann würden die genauso zappeln wie die Ukraine zappelt.“ Mit Blick auf die Ukraine lehnt Oettinger zwar militärische Mittel ab, meinte aber: „Putin kann nicht machen, was er will. Es ist nicht hinnehmbar, dass er versucht, ein Zarenreich zu reinstallieren.“ Wie auch im Interview mit unserer Zeitung plädierte Oettinger dafür, dass erneuerbare Energien maßvoll ausgebaut werden. „Das geht nicht im Schweinsgalopp, wir benötigen eine kluge Energiestrategie. Effiziente deutsche Kohlekraftwerke werden noch lange gebraucht.“ Die Strompreise seien ohnehin viel zu hoch und würden Arbeitsplätze in Gefahr bringen.

280 deftige Portionen brachten die vielen Helfer beim Haspelessen der CDU auf die Tische.

Rödermarks CDU-Vorsitzende Patricia Lips hob noch einmal die Wichtigkeit der Europawahl am 25. Mai hervor, bei der 375 Millionen Menschen aus 28 Mitgliedsstaaten zur Wahl aufgerufen sind. Vielfach herrsche zwar noch die Überzeugung vor, Entscheidungen im EU-Parlament würden in einer fernen Welt getroffen, so Lips. „Das ist natürlich bei weitem nicht mehr so. Mehr als die Hälfte aller im Bundestag verabschiedeten Gesetze sind schon heute Rechtsakte zur Umsetzung von europäischen Richtlinien.“ Rund 280 Portionen brachten die vielen fleißigen Helfer dann unters Volk. Es gab übrigens nicht nur Haspel. Extra für den EU-Kommissar waren erstmals Maultaschen im Angebot.

(ey)

Quelle: op-online.de

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