„Explodiert ist noch keiner“

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Wenn die „angespitzten“ Maschinen ihre Leistung auf dem Prüfstand unter Beweis stellten, gab‘s nur eines: die Ohren zu halten.

Ober-Roden ‐ Blitzende Auspuffrohre, Motoren auf Hochtouren, schwarze Lederkombis und viele bekannte Gesichter. Vor sieben Jahren hat Kurt Rösner einen Tuning-Treff mit anfänglich 30 Motorradbegeisterten ins Leben gerufen. Von Astrid Spina

Als Szene-Event nur für Privatleute hat sich diese Veranstaltung längst zu einem Selbstläufer entwickelt. Und so fuhren am Samstag wieder über 300 „angespitzte“ schwere Motorräder in den Ober-Rodener Gewerbepark ein. Stolze Besitzer stellten ihre getunten BMW-Maschinen auf den Prüfstand. Wie immer würde in den unterschiedlichen Leistungsklassen nur der Stärkste gewinnen. „Wenn Sie auf manchen Maschinen sitzen, meinen Sie, es sei eine Kanonenkugel“, schwärmt Rösner.

Tag des Donners taufte er die Veranstaltung, deren Lärmpegel locker dem einer Rennstrecke entspricht. Und viele Besucher mussten sich fest die Ohren zuhalten, wenn die Motoren auf dem Prüfstand erbarmungslos hochgejagt wurden.

„Explodiert ist noch keiner“, hatte Rösner beruhigt, und auch dieses Mal lief alles wieder ganz harmlos ab. Ob die PS-Freaks zuvor überlaut geprahlt hatten oder ganz bescheiden gekommen waren: Der Prüfstand-Bildschirm brachte die Wahrheit in Form zweier Kurven ans Tageslicht, gemessen wurden PS-Zahl und Drehmoment. Die ausgedruckten Ergebnisse wurden schließlich von einer fünfköpfigen Fachjury ausgewertet. „Das hier ist wie eine Olympiade“, meinte Rösner, „jeder versucht den anderen zu übertreffen.“ Und augenzwinkernd fügte er hinzu: „Männer sind wie kleine Buben. Alle wollen den stärksten Motor haben.“

Bilder vom Tuning-Treff

Tuning-Treff

Trotz reger Fachsimpeleien gaben die Motorrad-Bastler nicht alles preis. Auf die Frage an einen der Vorjahrssieger, wie er seinen Maschine bloß so stark gemacht habe, antwortete dieser nur: „Das ist die bayerische Luft!“ – Geheimniskrämerei, auch das gehört dazu.

Doch es ist nicht nur das Kräftemessen, das den Reiz der Veranstaltung ausmacht. „Ohne den Tag des Donners würde es viele Freundschaften nicht geben, weil sich die Leute niemals begegnet wären“, ist sich Rösner sicher. Viele BMW-Fahrer kennen sich zwar aus dem virtuellen Boxer-Speed-Forum, doch in Ober-Roden werden die Kontakte „echt“ und zu persönlichen Begegnungen. „Hier tauchen immer wieder die gleichen Gesichter auf“, erzählte Gereon Schenk aus Flörsheim, „wir sind eine einzige große Clique.“ Und so verriet ein Blick auf die Kennzeichen, dass ihre Besitzer keine Kilometer gescheut hatten und aus allen Teilen Deutschlands kamen.

„Innerhalb der spezialisierten BMW-Motorrad-Treffen ist der Tag des Donners definitiv das wichtigste Ereignis,“ meinte Maik Schwarz, Redakteur des „Motorradmagazins Mo“. Auch der Südwestrundfunk war extra mit einem Team gekommen, um im Mai in der Sendung „Nahaufnahme“ über den Kult-Event zu berichten.

BMW-Motorräder - das ist Kurt Rösners ganze Leidenschaft. Jedes Jahr zum „Tag des Donners“ baut er ein eigenes Motorrad und gibt ihm einen Namen. Sie heißen „Black Pearl“, „Schneewittchen“ oder „Roter Renner“ und sind eben mehr als bloße „Maschinen“. „1973 befiel mich der Bazillus BMW“, erzählt Rösner. 30 Jahren führte er den Betrieb in der Paul-Ehrlich-Straße und übergab ihn vor zwei Jahren an seinen Sohn Timo und dessen Kompagnon Torsten Rose.

Am Samstag feierte Rösner seinen 59. Geburtstag. Die vielen positiven Rückmeldungen zum Tag des Donners waren sicherlich das schönste Geschenk.

Quelle: op-online.de

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