Fahrradwerkstatt

Reparieren und Kontakte knüpfen

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Die Radwerkstatt für die Jüngeren ab sechs Jahren (im Bild Salman, 12) soll nicht nur praktische Hilfe sein, sondern auch etwas die Kontaktscheu gegenüber den Älteren nehmen.

Urberach - Das Angebot im Bildungs- und Kulturzentrum „SchillerHaus“ wächst ständig. Neu hinzu gekommen ist jetzt eine Fahrradwerkstatt. Sie vermittelt nicht nur praktische Handgriffe, sondern schafft auch neue Kontakte für die Besucher. Von Christine Ziesecke 

Buntes Leben in allen Räumen – das gilt im Urberacher „SchillerHaus“ nicht nur vormittags, wenn einheimische und ausländische Mitbürger gemeinsam essen, sich fortbilden oder beraten werden oder wenn Flüchtlinge erste Sprachkenntnisse erwerben. Das gilt auch nachmittags, wenn Kinder und Jugendliche das Quartierszentrum bevölkern. Das Angebot wächst ständig. Neu im Plan ist seit der letzten Woche die Fahrradwerkstatt für die Jüngeren ab sechs Jahren. Die älteren Jugendlichen kommen zumeist etwas später und bleiben dafür bis 20 Uhr oder freitags bis 22 Uhr. „Mit dem neuen Werkstattangebot möchten wir auch erreichen, dass sich mehr Schnittstellen ergeben - damit die Jüngeren die Schwellenangst verlieren, wenn hier Ältere im SchillerHaus sind“, erläutert der Sozialpädagoge Eyup Abdurrahim Demir. Er ist neben Stephanie Grabs und Jens Müller einer von drei Vollzeitkräften, die sich mit der Teilzeitkraft Kerstin Indinger und drei Mitarbeitern auf Mini-Job-Basis (Enikö Kablitz, Jenny Ankenbrand und Ercan Kilic) um die städtische Jugendarbeit kümmern. Und er betreut die Radwerkstatt.

Das notwendige handwerkliche Wissen hat er sich selbst beigebracht, im praktischen Ausprobieren oder auch mal über Beiträge auf YouTube im Internet. Jetzt vermittelt er Jugendlichen wie etwa dem zwölfjährigen Salman, wie man ein nicht mehr verkehrstaugliches Rad repariert, den Bremszug nachzieht, es ölt, die abgenutzten Bremsbacken löst und mit einem Imbusschlüssel neue drauf schraubt: „Die Festigkeit wird an den Seiten eingestellt, damit die Backen gleichmäßig ziehen.“ Auch der Gepäckträger klapperte und wurde festgeschraubt. Zuletzt wurde der Sattel, der zu locker und zu hoch war, angezogen. „Es fehlt noch die Beleuchtung samt Dynamo – das machen wir nächstes Mal“, freut sich Salman.

Fahrrad-Arbeit ist Frühlingsarbeit – die Werkstatt wird gut besucht sein. Der Kellerraum steht schon voller Räder. Sie wurden der Jugendarbeit großteils vom Fundbüro überlassen, nachdem sie nach der vorgeschriebenen Frist dort nicht abgeholt worden waren. Manche Räder werden zum Ausschlachten genutzt, andere werden hier fit gemacht und anschließend verschenkt oder gegen einen kleinen Betrag verkauft. Ob montags Teeny-Treff im JUZ Ober-Roden oder mittwochs von 14 bis 17 Uhr Kids-Treff im „SchillerHaus“, donnerstags und freitags Fahrradwerkstatt, ob Klettern im alten Feuerwehrturm oder Sport im Fitnessraum: das Programm ist voll und bunt.

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In Kürze ganz neu: der Vocal Voice & Rhythm Workshop – ein Gesangscoaching für 11- bis 18-Jährige. Zum Start gibt’s am 9. März von 11 bis 16 Uhr im „SchillerHaus“ eine Schnupperveranstaltung für alle, die gerne singen, mit ihrer Stimme experimentieren möchten oder Lieder schreiben wollen. Weiter geht es ab 14. März freitags von 17 bis 19 Uhr, geleitet von Christian Groh (G-Row) mit Marcus Schwab, der eine klassische Gesangsausbildung und 23 Jahre Bühnen- und Keyboard-Erfahrung mitbringt. Ein erster Auftritt ist für den Herbst geplant. Das Ganze ist eine Ergänzung zur derzeitigen Rap-AG. Auch wenn es manchmal so ruhig aussieht: im Schnitt kommen 30 Kinder und Jugendliche über den Tag verteilt ins „SchillerHaus“. Der Schwerpunkt liegt im Vorabend, weil doch viele Jugendliche tagsüber Praktika oder eine Ausbildung machen. Manche von ihnen engagieren sich von selber, so etwa Emre (11. Klasse Nell-Breuning-Schule), der vor kurzem angeboten hat, sich „sinnvoll nützlich machen zu wollen“, und nun seit rund vier Wochen immer donnerstags und freitags eine Stunde Hausaufgabenbetreuung macht. Auch dem Wunsch nach Mitternachtssport wird gerade nachgegangen. In der benachbarten Helene-Lange-Schule ist das über deren Schulträger HochTief mit sehr viel Antragsarbeit verbunden, aber die Idee wird weiter verfolgt.

Quelle: op-online.de

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