Damensitzung

Fastnacht wie am Zuckerhut

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Seit Beginn der Damensitzungen als „Die Dolle“ dabei und insgesamt seit 25 Jahren an Fastnacht auf der Bühne: Corinna Kuhn, die auch die Sitzung leitete.

Ober-Roden - Wäre die Kulturhalle doppelt so groß, wäre sie bei dieser alljährlichen Einstimmung in die neue Fastnachtskampagne wohl auch locker ausverkauft: Die Damensitzung der TS Ober-Roden hat Kultstatus weit über Rödermark hinaus.

„Nur“ 900 närrische Weiber waren am Freitag heilfroh, dass die fastnachtslose Zeit endlich vorbei ist und sie ihre Männer einmal zu Hause lassen durften. Da taten einem die wenigen Herren in der Kulturhalle fast leid: Sie bedienten die Damen an Garderobe oder Empfang, servierten Getränke im Saal oder mussten sich als Akteure auf der Bühne vieler verbaler Herausforderungen – vor allem gegen ihre Kleidung – erwehren.

Der Abend glänzte wieder einmal mit ausgesprochen überraschenden und teilweise sehr guten Bühnenbeiträgen, vor allem aus den Hochburgen von Heddernheim oder Jügesheim. Doch trotz all derer Perfektion: Die eigenen Gruppen haben die Besucherinnen sind die Könige der Herzen, sie bekommen grenzenlos Bonuspunkte und haben den Kultstatus auf ihrer Seite. Abgesehen davon können sich die Akteure der Turnerschaft durchaus sehen lassen, egal ob das mit seiner Premiere aufwartende neue Marschballett „Rote Garde“ oder die TS-Jungs mit ihrem hinreißenden Tanz zum Thema des Abends: „Die TS-Fastnacht geht ins Blut wie Samba in Rio unnerm Zuckerhut!“ Die göttliche Sambatänzerin konnte sich durchaus auch optisch sehen lassen.

Grandios akrobatisch

Das Energiebündel Woody Feldmann und das Rodheimer Prinzenpaar mit „Airline“ waren auf der Bühne eine ebensolche Freude wie das höchst appetitlich aussehende Heddemer Dreigestirn als „Tenöre“ - Lattenrost und Skistiefel brachten die Drei in eine unerwartete Schräglage. Sehenswert auch die Weiterstädter Funkenspritzer und die Aufenauer Schlabbedabber mit ihrer eigenen Rocky Horror Show.

Grandios akrobatisch und ansprechend waren auch die „Bayrischen Buam“ der Gruppe Taktlos aus Jügesheim. Und natürlich ist ein gutaussehender Gaststar wie Ruben Akiu aus der Dominikanischen Republik mit lateinamerikanischem Rhythmus im Blut eine Augen- und Ohrenweide. Dennoch ist ein Lokalmatador wie etwa Denis Krumb mit seinen beiden Tänzerinnen an so einem Abend unschlagbar, erst recht, wenn er zwischen den kreischenden Närrinnen über die Tische steigt und sie im Kanon mitsingen lässt.

Zu feiern gabs einiges, so etwa das 25. Bühnenjubiläum der „Dollen“ alias Sitzungspräsidentin Corinna Kuhn, die alleine ohne ihre erkrankte Vizepräsidentin Tina Köhl schwer beschäftigt war. Sie bewegte 900 kreischende Frauen im Saal zu einem telefonischen Überraschungsangriff von der Bühne aus zum Krankenlager. Die Überraschung gelang, ein 900-faches „Hallo Tina, gute Besserung!“ rührte Tina Köhl in ihrem Bett zu Tränen.

Die Sitzung selbst hatte Corinna Kuhn mit Bravour, mit Charme und mit viel kecker Dreistigkeit voll im Griff – schaffte sie es doch, die „Bayrischen Buam“ der Jügesheimer Gruppe „Taktlos“ die Hemden zu entreißen und sie die Zugabe mit nacktem Oberkörper in ihren Krachledernen tanzen zu lassen. Einen Ober im Saal bewegte sie zum teilweisen Strip samt einem kleinen Tänzchen auf der Bühne. Ihr ist niemand böse, sie kann sich jede Dreistigkeit erlauben. Natürlich war „die Dolle“ in ihrer Solonummer wieder herzerfrischend offen im Geplauder aus dem ehelichen Nähkästchen. 900 Frauen freuen sich seit Sonntag Morgen nun schon aufs nächste Jahr.

 chz

Quelle: op-online.de

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