Weiberfastnacht

Kulturhalle ist fernsehtauglich

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Ober-Roden - Das Fernsehen hat die Kulturhalle entdeckt. Am Donnerstagabend zeichnete der Hessische Rundfunk (HR) die Weiberfastnacht auf, morgen richten sich die Kameras auf die strammen Waden der Männerballetts. Von Michael Löw

Produktionsleiter Gerhard Hehrlein war vom Drehort mehr als angetan: „Wir sind hier das erste Mal in Ober-Roden. Aber aller Voraussicht nach nicht zum letzten Mal. “.

Der Aufwand, den der öffentlich-rechtliche Sender für die Narretei betreibt, ist enorm. Schon seit dem 21. Januar waren Kulturbüro-Chefin Rita Bien, der technische Leiter Jörg Seitel und ihre Mannschaft nicht mehr Herr im eigenen Hause. Da begann eine Art freundliche Übernahme durch die Fernsehleute. Was langsam anfing wie die im Karneval so gern besungenen „Kreuzberger Nächte“, nahm genauso schnell Tempo auf wie Gottlieb Wendehals’ Lied.

Mindestens 40 Männer und Frauen setzten die Weiberfastnacht in Szene. Kameramänner, Ton- und Beleuchtungstechniker, die Besatzung eines gut fünf Millionen Euro teuren Übertragungswagens, die Damen von Maske und Garderobe, und, und, und... Redakteurin Janina Strothmann war fürs Programm verantwortlich.

„Paradiesvögel“ der Turnerschaft Klein-Krotzenburg

15 Container Material ließen sie und Hehrlein aus Frankfurt nach Ober-Roden transportieren. Drei große fahrbare Studio-Kameras richteten ihre Objektive auf die Bühne, mobile Zweierteams sorgten mit etwas kleinerem Gerät für die Nahaufnahmen. Die Zahl der Lampen und Strahler mochte Gerhard Hehrlein nicht einmal schätzen. Wer einen Blick an die Decke riskierte und die Augen an etlichen Metern zusätzlichem Alu-Gerüst entlang wandern ließ, konnte das nachvollziehen.

„Unser großer Saal ist nicht mehr wiederzukennen. Glänzende Traversen und Scheinwerfer schmücken die sonst eher spartanische Decke, bunter Glamour à la Hollywood verwandelt den schwarzen Bühnenraum, und zig fleißige Helferlein hämmern, schrauben und nähen“, schwärmte Rita Bien. Die HR-Handwerker hatten die Bühne gut vier Meter nach vorne verlängert, damit auch große Tanzgruppen wie die „Paradiesvögel“ der Turnerschaft Klein-Krotzenburg richtig zur Geltung kamen.

3x11 Nummern war das Programm der Weiberfastnacht lang. Redner, Sänger und Tänzerinnen hatten ein Casting durchlaufen. Die exakt 507 Närrinnen im seit Wochen ausverkauften Saal und Jutta P. aus der Mühlheimer Travestie-Show „Gerdas kleine Weltbühne“ durften sich über eine Mischung schwungvollen Choreografien, Lieder zum Schunkeln und Klatschen, Wortwitz und Brüderle-tauglichem Humor freuen.

Wie kam die Weiberfastnacht eigentlich nach Ober-Roden?

Ganz oben und ganz ohne Casting mit dabei: Tina Köhl und der Damenelfer der Turnerschaft Ober-Roden. Sie saßen Sitzungspräsidentin Karin Schmidt zur Seite.

Wie kam die Weiberfastnacht eigentlich nach Ober-Roden? „Wir tingeln das ganze Jahr durch Hessen und schauen uns

Hallen an“, schilderte Gerhard Hehrlein die nächste Form des Castings. Die Kulturhalle sammelte Punkte, weil ihre Bühne groß genug für Garden und die Decke stark genug für tonnenweise Licht- und Tontechnik war. Letzteres hatte sich die Stadt zur Sicherheit von einem Statiker bestätigen lassen.

Doch nicht nur der Bau hatte Hehrlein überzeugt: „Es ist nicht leicht, eine Halle zu finden, die ihre Vereine und andere Nutzer so lange auslagern kann!“ Denn erst am Mittwoch rückt der Hessische Rundfunk wieder ab.

Jörg Seitels Team hat am 20. Januar die Gäste des gemeinsamen Neujahrsempfangs von Stadt und Gewerbeverein quasi nach dem letzten Schnittchen aus der Kulturhalle gekehrt und dann angefangen die Bühne leerzuräumen. „Die Stühle mussten wir aus der Halle Urberach holen. Die HR-Leute wollten nämlich lieber grüne als braune“, erzählte er - ohne Fleiß halt kein Preis in Form einer Fernsehaufzeichnung.

Seitels Bilanz am Donnerstagabend: „So viel Aufwand habe ich hier noch nie erlebt, das war ein gigantisches Highlight für unsere Kulturhalle.“

In Euro und Cent indes mochte Produktionsleiter Hehrlein den Aufwand nicht ausdrücken: „Die Rundfunkgebühren unserer Zuschauer sind gut investiert.“ Auch Gregor Wade, Leiter des Fachbereichs Kultur, Vereine und Ehrenamt, hielt sich mit Details bedeckt, erklärte aber, dass der Sender eine pauschale Miete an die Stadt zahlt und die Einnahmen von zwei ausverkauften Fastnachtsveranstaltungen in Rödermark bleiben.

  • „Die hessische Weiberfastnacht“ wird am Donnerstag, 7. Februar, um 21.45 Uhr im Hessen-Fernsehen ausgestrahlt, der „Grand Prix der strammen Waden“ folgt am Abend des Rosenmontags um 22.45 Uhr.

Quelle: op-online.de

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