Rathaussturm in Ober-Roden

Beim Bürgermeister nichts zu holen

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„Wir wollten diesmal völlig unpolitisch sein und nur Spaß vermitteln.“ Das ist den närrischen „Menschen vor Ort“ als Rodau-Ruderer sichtlich gelungen.

Ober-Roden - „Geld wie Heu – des wär feu!“ Der Wunsch, der in großen Lettern am Samstag Mittag am Ober-Röder Rathaus prangte, machte eigentlich alles deutlich: hier ist nichts zu holen, gerade in Zeiten des Rettungsschirms - schon gar nicht, wenn die Narren kommen.

Doch richtige Fastnachter glauben dies nicht einfach. Sie setzten trotzdem vielhundertfach zum großen Sturm auf die Stadtkasse an, schickten die Prinzliche Hofgarde zum Rathauschef vor und klatschten begeistert Beifall, als diese die Kasse ebenso wie den Bürgermeister in goldenen Fesseln auf die Bühne schleppte. Natürlich ließ das Prinzenpaar Claudia II. und Frank I. rasch Gnade walten. Nach diversen Tänzchen und Küsschen inmitten der närrischen TG- und TS-Schar auf der Bühne kam Roland Kern frei und feierte mit seinem Volk weiter.

„Das schönste Erlebnis war die Fahrt auf dem Prinzenwagen durch Ober-Roden“, schilderte Prinz Frank abends seine Gefühle und bedauerte, dass die Fastnacht 2014 sich dem Ende nähert. Der Prinzenwagen war der prachtvolle Abschluss des großen Umzugs gewesen, bei dem sich 37 Gruppen mit viel Musik – etwa die Musiker von MV 03, MVV 08 oder dem Endlisch Musigg Orchester – durch den Ort schlängelten. Der TÜV hatte es noch einmal gnädig mit den großen Motivwagen gemeint.

Erst in Ketten gelegt, dann auf der Bühne vor Hunderten von Menschen vom Prinzenpaar wieder gnädig erlöst: der Rathaus-Chef, der die (leere) Kasse halt doch herausrücken musste.

Die närrische Liebe zum Detail trat in diesem Jahr vor allem bei den unzähligen phantasievollen kleinen Gefährten zutage. Ganze Küchen (wie beim Kinderhaus Unter dem Regenbogen), kleine und große Burgen auf Rädern, waren ebenso zu sehen wie auch die Rodau-Ruderflotte der närrischen Menschen vor Ort MvO: „Wir wollten absolut unpolitisch sein und nur einfach unseren eigenen Spaß vermitteln“, schmunzelte einer der Freizeitkapitäne.

Das gelang zweifellos schon beim Anblick der leckeren „Frontfrau“ am Bug des Rodau-Ruderbootes. „Ob Wurst oder Döner – zusammen ist deutsch-türkische Freundschaft schöner“ bewies der DTF in seiner musizierenden Fußgruppe, und der Tennisclub Ober-Roden warb mit zweibeinigen selbstgestalteten Riesen-Pokalen für seinen 50. Geburtstag in diesem Jahr. Viel Gesundes zu essen neben einem Pappmaschée-Schwein gab’s bei den über 100 Köchen der Kita Unter dem Regenbogen, während die Kita Zwickauerstraße gut sichtbar für ihr bevorstehendes Musical „Dschungelbuch“ warb.

Die NSA und das narrensichere Abhören waren beim Rathaussturm stets allgegenwärtig – nicht zuletzt durch die „Freunde der Nacht“.

Im Zug dominierten farbenfrohe und kreative Kostüme, gerade auch bei den eigentlich kleinen Gruppen wie den Indianern vom Stamm(-tisch) des Hotels Lindenhof oder den (abhörgeschädigten) „Freunden der Nacht“. Dazu gehörten durchaus auch ein Pony und ein ganzer Pferdewagen, welche besonderes Staunen auslösten. Am Straßenrand, der an der gesamten Strecke mit dicht gedrängten Narren jeden Alters gesäumt war, dominierten dagegen die Plastiktüten, galt es doch die vielen Wurfgeschosse, die auch so manche Beule anrichteten, rasch an sich zu bringen.

Von Zwiebeln und „Pfläumchen“ über Popcorn und Gutscheine, von Bonbons und Schokoküssen bis zu kleinen Präsenten gab’s immer etwas abzustauben. Es lohnte sich wieder einmal, den Ober-Röder Rathaussturm zu besuchen, und das nicht nur wegen der vielen Kamelle’ und der leckeren traditionellen Bratwurst bei der Feuerwehr. Auch Petrus war wieder gnädig: „Seit 1999 feiern wir den Rathaussturm in dieser Form und noch nie hat es geregnet“, konnte Bühnensprecher Heinz Kiehl stolz verkünden.

chz

Quelle: op-online.de

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