Fastnacht

MTV beim Orwischer Rosenmontagszug: Cäsar zürnt Urberachs Galliern

Die flinken Finger von Yvonne van Baal machen aus einer simplen Papprolle eine römische Säule, der Marita Zoll die Krone – pardon: einen böse blickenden Cäsar-Kopf – aufsetzt. 
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Die flinken Finger von Yvonne van Baal machen aus einer simplen Papprolle eine römische Säule, der Marita Zoll die Krone – pardon: einen böse blickenden Cäsar-Kopf – aufsetzt.

Die Wagenbauer des MTV brauchen Kreativität und Geschick. Dann kommt die Sache ins Rollen.

Urberach – Kurz nach Neujahr stehen 50 Ideen im Raum, an Rosenmontag rollt ein lokalpolitischer Motivwagen durch den Ort. Und zwischendrin stecken reichlich Hirnschmalz, Arbeit und Spaß. Die Karnevalisten des MTV, die es als Abteilung nicht einmal gibt, lassen ihrer Schaffenskraft immer dienstags ihren freien Lauf.

Der MTV macht beim Orwischer Rosenmontagszug mit, seit der Bruderverein KSV ihn vor 23 Jahren wieder auf die Straßen gebracht hat. Nur einmal setzte er aus: Das war das Jahr, in dem Friedhelm Gensemüller, der Motor der MTV-Fastnacht, gestorben war. Und genauso treu wie dem Veranstalter sind Peter Schröder und seine Leute auch ihrer Devise: Die Rödermärker Politik muss auf den Traktoranhänger.

Die MTV’ler hatten schon den keltischen Trauerzug auf der Bulau, die Kelterscheune, das Märktezentrum und das Badehaus zum Motiv gemacht. Der Bürgermeisterwahl nahmen sie sich schon zwei Mal an: Voriges Jahr stand die „Star Wars“-Saga Pate, und vor dem scheidenden Bürgermeister Roland Kern knieten demütig seine Nachfolger als Jedi-Ritter – der schwarze Lord Jörg, die grüne Prinzessin Andrea und Count Karsten. Wie wichtig den Wagenbauern die Details sind, zeigt das Johanniter-Kreuz in dessen Wappen: Kandidat Karsten Falk arbeitet bei der Johanniter-Unfallhilfe. Bei der Bürgermeisterwahl davor kam CDU-Bewerber Carsten Helfmann als Aladin aus der Wunderlampe.

MTV-Wagenbauer in Urberach: „Bei uns wird improvisiert“

Klar – beim Brainstorming werden immer wieder auch allgemeine Dinge wie Sauberkeit, die Bundes- oder Weltpolitik genannt. Aber das hat nichts mit Urberach zu tun und findet bei der Mehrheit keine Gnade.

„Bei uns wird improvisiert. Erst gibt es einen groben Plan und dann kommen nach und nach die Details“, beschreibt Peter Schröder die Arbeitsweise. Seine Mannschaft teilt sich auf in ein Kreativteam mit Marita Zoll, Yvonne van Baal und Roland Braut an der Spitze. Die handwerklichen Fein-, Grob- und Schraubarbeiten erledigt das „Spax“-Team um Alfred Theis und Willi Zoll. Er selbst werde auf Anweisung tätig, sagt Schröder. Doch ganz unschuldig war er am 2020er Motto „Schon Cäsar wusste ganz genau, ‘ne Umgehungsstraße, die ist schlau“ bestimmt nicht. Der MTV-Chefwagenbauer ist in seinem anderen Ehrenamt Fraktionsvorsitzender der Freien Wähler, die sich Cäsars Forderung 2 000 Jahre später zu eigen gemacht haben.

Roland Braut wirft beim Ideensammeln immer ganz praktische Fragen auf: „Was können die Leute anziehen?“ Wo Römer sind, dürfen unbeugsame Gallier nicht fehlen. Die knapp 50 Kinder, Jugendliche und Erwachsene zählende Fußgruppe hat also genug Möglichkeiten.

Bis heute besteht der MTV-Wagen nur aus Einzelteilen, die am Fastnachtssamstag in der Scheune von Karlo Geis zusammengeschraubt werden. „Das haben wir vor gut 20 Jahren lernen müssen“, räumt Schröder ein. Seinerzeit waren die Biotonne und die Ungezieferplage Thema. Leider war die Ratte, die aus dem Abfall schlüpfte, zu groß für die Tür der MTV-Halle. Seither denken Kreativ- und „Spax“-Team kleinteilig.

VON MICHAEL LÖW

Quelle: op-online.de

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