Hessischer Rundfunk überträgt zwei Sendungen

Kulturhalle im TV-Fieber

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Jörg Seitel, Technik-Chef der Kulturhalle (links), und seine Kollegen gehen für ihr Publikum sogar aufs Eis. Die fast 100 Quadratmeter sind zwar längst nicht so glatt wie sie aussehen, trotzdem lieferten russische Künstler darauf eine atemberaubende Show ab - die Mühe hat sich also gelohnt.

Ober-Roden - Der Hessische Rundfunk baut die Kulturhalle seit Montag mit rund 40 Technikern und Bühnenarbeitern fernsehgerecht um. Am 15.  Februar überträgt er live die neue Show „Das große Fastnachtsduell“, am 19. zeichnet er die Weiberfastnacht auf. Von Michael Löw 

Tourneetheater können sich diesen Aufwand nicht leisten. Da muss alles in maximal 24 Stunden stehen und wieder verschwunden sein. Selbst wenn die Bühne zur Eisbahn wird. Alexej Mourychkine ist technischer Leiter des „Russian Circus on Ice“ und damit Chef eines Sattelzugs voller Show-Ausrüstung. Das Ensemble gastierte jetzt zum zweiten Mal in der Kulturhalle. Mourychkine sieht aber so viele Hallen, dass er die Kulturhalle erst wieder erkannte, als der Nightliner-Bus hinter der Bühne vorfuhr.

Von da an lief alles wie am Schnürchen. Der Russe und sein Team sind dank 61 Tourneestationen pro Jahr voll aufeinander eingespielt. Es dauert nicht einmal zwei Stunden, bis 100 Quadratmeter Bühne zur beleuchteten Eisbahn werden, auf der 26 Schlittschuhkünstler Wintermärchen tanzen. Das Eis ist natürlich künstlich: 19 Kilo schwere und einen Quadratmeter große Platten aus Hartplastik bilden eine glatte Fläche, die sich nur durch etwas höhere Reibung von echtem Eis unterscheidet. „Wir dürfen unsere Schlittschuhe nicht so scharf schleifen, sonst vergraben sie sich im Kunststoff“, erklärt Mourychkine. Die Tournee macht nämlich auch in Eishallen Station.

19 Kilo pro Eisplatte, bis zu 35 Kilo für die Lampen: Die Russen kennen fast jedes größere Teil ihrer Ausrüstung aufs Pfund genau. So weiß jeder, was er tragen kann und geht keine überflüssigen Wege. Das beschleunigt den Aufbau. Mourychkine kalkuliert die Vorbereitung der Kunsteis-Show mit sieben Stunden. Wenn seine Mannschaft wie in Ober-Roden schon nach gut der Hälfte der Zeit fertig ist, freut"s die Künstler, denn die können länger proben. Von der Fernseh-Fastnacht abgesehen, ist die Eisrevue eine der aufwändigsten Produktionen, die in Ober-Roden über die Bühne gehen, sagt Jörg Seitel, der Technik-Chef der Kulturhalle. Tourneetheater müssen anders haushalten als der Hessische Rundfunk, der mit bis zu 40 Mann anrückt. Seitel und seine Rödermärker Helfer werden dann zu Männern für alles, müssen improvisieren und Kompromisse eingehen.

Die Kulturhallenbühne ist mit 120 Quadratmetern schon vergleichsweise groß und recht gut mit Licht- und Tontechnik bestückt. Aber Shows wie „Rock the Ballet“ oder „A spectacular Night of Queen“, bringen sie an ihre Grenzen. Seitel: „Kleiner dürfte sie auf keinen Fall sein.“ Denn Strahler, Scheinwerfer, Videowände und dergleichen mehr fanden dank grübelnder Techniker gerade so Platz. Aber Überraschungen sind immer drin. Die Macher der Queen-Show hatten zum Beispiel ihr Feuerwerk nicht angekündigt - für den freiwilligen Feuerwehrmann Jörg Seitel ein Unding. Also ließ er die Crew nach dem Aufbau zwei ihrer dicksten Böller zünden und ordnete hinterher noch einen Sperrbezirk vor der Bühne ein. Seine Aufgabe ist es schließlich auch, für den Schutz der Zuschauer zu sorgen. Die wenigste Arbeit haben Seitel und seine Leute mit Kabarettisten - egal ob Newcomer oder fernsehbekannt. Selbst Größen wie Urban Priol trudeln selten früher als eine Stunde vor ihrem Auftritt in der Halle ein. Ihnen genügt aber meist ein Spotlight, das sie ins richtige Licht rückt, und ein Headset, das geschliffene Politparodien oder krachledernen Humor bis in den letzten Winkel des Saales überträgt. Ein kurzer Licht und Soundcheck noch, und dann kann das Publikum kommen.

Quelle: op-online.de

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