Narren bei schönem Wetter unterwegs

Nach Rathaussturm: Erst einmal genug von der Politik

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Das frühlingshafte Wetter und die Freude an der Fastnacht trieb die Ober-Röder Narren und ihre Gäste in riesigen Scharen zum Rathaussturm. 

Ober-Roden - Es war wie immer: Der Bürgermeister hockte mit seinem Gefolge geschützt im Rathaus und versuchte, seine Stadtkasse zu verteidigen und seine Untertanen mit reichlich Bonbons und einem Konfettiregen zu besänftigen. Von Christine Ziesecke

Bürgermeister Roland Kern (links) wurde vom Major der Prinzlichen Hofgarde, Peter Müller, in Ketten gelegt.

Das Volk, vertreten durch die Prinzliche Hofgarde unter ihrem Major Peter Müller, scharte sich zu Hauf ums Rathaus und forderte seinen Teil. Man legte schließlich den Stadtobersten in Ketten und schleppte ihn vors Volk auf die Tribüne, auf welcher der närrische Regent – Prinz Klaus III. – schon wartete. Doch wie alle Märchen ging auch dieses friedlich aus: die Stadtkasse leer, der Bürgermeister dennoch in fastnächtlicher Großmut begnadigt, ein Küsschen diesmal von Kinderprinzessin Mia I. statt von der erkrankten Prinzessin Uschi I., und schließlich Tanz und Spaß auf der Bühne wie auf dem ganzen Rathausplatz.

Zuvor hatte sich ein gewaltiger närrischer Lindwurm durch Ober-Rodens Zentrum bewegt: Weit mehr als die erwarteten 1200 Rathausstürmer waren unter anderem in 36 Gruppen unterwegs gewesen. Mit dem FC Germania Ober-Roden und der Gruppe „Immer erster Freitag“ waren zwei neue Teilnehmer im langen Zug dabei; einzelne Vereine wie etwa die fastnachtsbeherrschende TG oder die TS mit ihren zwei Elferräten und vielen Tanzgruppen waren dabei sogar mit bis zu acht Fußgruppen unterwegs.

Auf ihrem Besen ritten die Hexen immer wieder in den Zug hinein, und wer ihnen nicht recht traute, blieb lieber in respektvoller Distanz.

Die Musikvereine der 03er und der 08er sorgten für den unüberhörbaren Sound, für den die dicht gedrängt am Straßenrand stehenden Zuschauer besonders dankbar waren, wenn es wieder einmal etwas länger dauerte – also die heruntergelassene Bahnschranke wieder einmal für Stillstand im Zug sorgte. Dann wirbelten auch Majoretten oder Gardetänzerinnen und -tänzer mit Stöcken und Beinen und allem nur Denkbaren bis hin zur Schornsteinfegerleiter.

Manchmal etwas ungläubig schauten die ganz jungen Zugteilnehmer, allen voran die kleinen Jungen und Mädchen der beteiligten Kitas, die immer in unverwechselbaren Gruppen auftraten: als Hexen und Zauberer, als frisches Grün, als Schneemänner und Sternchen etwa. Ob Kinder aus dem Motzenbruch, aus Potsdamer Straße, Zwickauer Straße, Nazarius oder „Unter dem Regenbogen“ – sie alle genossen die Aufmerksamkeit der Zuschauer und streuten eifrig süßes Wurfmaterial unters Volk. Statt Bonbons gab es von der Ober-Röder Wehr leckeren Fruchtsaft für die „Zaungäste“, denn schließlich: „Feuerwehr trägt Früchte!“ „Alles außer Kerb ist Banane“ fand dagegen der Kerbverein mit einem Blick zurück aufs große Zeltfest, während die Kolpingsfamilie sich zum „Strandbad Grüne Mitte“ bekannte.

Bilder: Rathaussturm in Ober-Roden

Nach dem in die Verlängerung gegangenen Bürgermeisterwahlkampf waren die Gruppen wohl verunsichert oder ein wenig politikmüde – denn es ging sehr friedlich zu bei den Leitmotiven, allen voran beim Deutsch-Türkischen Freundschaftsverein, der mit allen erdenklichen Mitteln und in verschiedenen Sprachen für Liebe statt Krieg warb. Und auch die Freunde der Nacht warben lieber zünftig fürs Feiern statt für den Untergang: „Grexit, Brexit, Trump – bevor alles is aus, lasse die FdN die Sau eraus!“

Und wer nach dem Zug und der Rathauserstürmung, zu der es allerlei Leckeres für Leib und Seele zu erstehen gab – etwa wie alle Jahre aus der großen Gulaschkanone der Feuerwehr –, einfach fröhlich weitermachen wollte: Im Ortskern ging es im strahlenden Sonnenschein lustig her: Denn vielerorts wie etwa auch am Marktplatz waren kleine Stationen mit dem Überlebensnotwendigsten aus dem Boden geschossen und versorgten die hungrigen und durstigen Narren, bis es schließlich zur nächsten Fastnachtsveranstaltung am tollen Wochenende weiterging.

Quelle: op-online.de

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