Ballermann-Karneval – nein danke!

Fastnachter der Turnerschaft in Ober-Roden haben einen neuen Chef

Wolle mer’n roilasse? Für Max Auth war der Weg auf den Präsidentenplatz in der „Rod Scheyern“ vorgezeichnet. Schon Vater und Großvater standen an der Spitze des TS-Elferrates. 
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Wolle mer’n roilasse? Für Max Auth war der Weg auf den Präsidentenplatz in der „Rod Scheyern“ vorgezeichnet. Schon Vater und Großvater standen an der Spitze des TS-Elferrates. 

Die Fastnachter der Turnerschaft haben einen neuen Chef. Max Auth, gerade 23 Jahre jung, schwingt bei der Sitzung Mitte Februar erstmals den Jockel. Auf der Bühne stand er schon, bevor er zur Schule ging. 

Ober-Roden – Max Auth führt die TS-Fastnachter ins Jubiläumsjahr. Der Verein feiert seinen 125. Geburtstag, und seine Karnevalisten haben einen neuen Sitzungspräsidenten. Er tritt die Nachfolge von Thomas Gotta an und hat bei der Tanz- und Spaßsitzung am 15. Februar seinen ersten großen Auftritt.

Max Auth ist 23 Jahre alt und wurde im närrischen Dieburg geboren. Bei der TS war er quasi seit seiner Geburt eingebunden, und so gelangte er auch schnell an die rot-weiße Fastnacht. Noch bevor er zur Schule ging, stand er mit seinen Freunden als „Fastnachtssänger“ auf der Bühne der Kindersitzung. Von der Playback-Show zog es ihn und seinen Kompagnon Philipp Köhl aber in die Bütt und somit auch früher oder später auf die Fremdensitzung.

Dort auch zwischendurch als Büttenschieber aktiv, wurden beide in den Elferrat aufgenommen, kamen in die Abteilungsleitung und Max Auth nun an die Spitze der TS-Narrenschar. Dort tritt er auch ein Familienerbe an. Sowohl Opa Franz als auch sein Vater Klaus Auth standen schon mit der Feder am Hut an der Spitze des Elferrates.

Max Auth ist Halb-Spanier und arbeitet als studierter Hotelassistent im „Achat Premium“ Frankfurt/Egelsbach. Ein Job, in dem Kommunikation genauso wichtig ist wie bei einer Fastnachtssitzung.

Neben dem Karneval zählen Fußball und Geselligkeit unter Freunden zu Max Auths Hobbys. Er wohnt in der Mainstraße, hinter der „Rod Scheyern“ und vorm Sportplatz. Da ist der Heimweg von der Narretei nicht allzu weit.

„Ich hatte keine andere Wahl“, antwortet er lachend auf die Frage, ob das Präsidentenamt schon immer sein Traum war. Die Fastnacht war bei Auths daheim immer ein Thema: „Und da ich vor allem meinen Vater als Präsident mitbekommen habe, fand ich es schon cool.“ Er konnte es sich also vorstellen. Dass es wiederum so schnell geht, hätte er aber nicht gedacht. Max Auth ist sich der großen Fußstapfen seiner Vorgänger bewusst: „Thomas Köhl, mein Vater, Udo Kirchrath und Thomas Gotta – alle waren super Präsidenten, deren Erbe ich mich freue, anzutreten.“

Bei aller familiären Vorbelastung war ein Chefposten in der Fastnacht für ihn aber nie Pflicht. Hätte er sich anders entschieden, wäre das für seinen Vater auch in Ordnung gewesen. Aber weil Auth senior immer vom Opa erzählt hat, den Auth junior nicht mehr kennengelernt hat, färbte die Tradition auf ihn ab. „Ich merke es vor allem, wenn ich in der Sitzungsvorbereitung alte Reden vom Opa und Papa lese. Das ist echt schön, was man da noch so findet und vielleicht auch mitnehmen kann“, erzählt der neue Präsident. Noch bekommt er keine Schweißausbrüche, wenn er an seine Premiere denkt. Kein Wunder eigentlich bei knapp 18 Jahren Bühnenkarriere. Eher Vorfreude als Nervosität, beschriebt er seine Gefühlslage. Und mit seinem Vizepräsidenten und Freund Philipp Köhl hat er den richtigen Mann an der Seite.

„Generell bin ich ein Fan von der traditionellen Fastnacht. Ich warne immer vor der „Verballermannisierung“ des Karnevals. Ich mag den Kölner Karneval und den geschichtlichen Hintergrund, warum es überhaupt Gardegruppen und so etwas gibt. Man muss natürlich einen Mix finden, um auch die jüngeren Leute abzuholen. Eine Sitzung sollte zur Party, aber auch mal zum Nachdenken anregen“, sagt der 23-Jährige.

Mit Philipp Köhl steht Auth für die Verjüngung des Elferrates und damit der ganzen TS-Fastnacht. Ihr Engagement hat auch andere junge Leute angesteckt. Sie merken, wie wichtig Vereinsarbeit ist. Gleichzeitig sind sie froh über die Erfahrung der Älteren, besonders beim Auf- und Abbau. Dass Karneval mit einem jungen Präsidenten funktioniert, beweist schon seit einigen Jahren Sascha Reisert bei der Turngemeinde am anderen Ende von Ober-Roden.

Im ganzen Ort geht das Gerücht herum, dass Max Auth schon seit dem 11.11. Fastnachtsmusik hört. Da gibt’s auch kein Dementi: „Meine Eltern haben realisiert, dass ich einen leichten Knacks habe, glaube ich. Die meisten Freunde sind erst genervt, singen dann aber doch lauthals mit und sind danach gut drauf. Ich verfolge die ganzen altbekannten Karnevalsgruppen wie die „Höhner“ und beobachte, ob die neue Lieder rausbringen.“ Noch gut drei Wochen, und dann darf Max Auth all seine Lieblingslieder vom Chefsessel aus anstimmen.

VON MICHAEL LÖW

Quelle: op-online.de

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